Urlaub 2020

Folge der Corona-Krise: Ansturm auf Wohnmobil-Vermieter

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Jörg Riefenstahl
Tania Lencer und Heinz Ceglarek (Lundberg Reisemobile) in einem „Chausson Titanium 640“ auf dem Firmengelände an der Ohechaussee.

Tania Lencer und Heinz Ceglarek (Lundberg Reisemobile) in einem „Chausson Titanium 640“ auf dem Firmengelände an der Ohechaussee.

Foto: Thorsten Ahlf

Camping statt Fernreise: Anbieter von Wohnmobilen zählen zu den Profiteuren der Corona-Pandemie.

Norderstedt.  Wochenlang lag das Geschäft der Reisemobilvermieter wegen der Corona-Pandemie am Boden. Doch mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen hat ein regelrechter Run auf die Reisemobile begonnen. Anbieter im Kreis Segeberg verzeichnen ungeahnte Nachfrage. Neben Stammkunden interessieren sich viele Neulinge für den mobilen Urlaub.

,,Wir sehen, dass sehr viele neue Kunden dabei sind, die eine neue Urlaubsform suchen“, sagt Heinz Ceglarek, Geschäftsinhaber von Lundberg Reisemobile in Norderstedt. Weil Flüge gestrichen wurden, Schiffe nicht fahren und Reisen ins Ausland in Corona-Zeiten nicht funktionieren, orientieren sich die deutschen Urlauber neu.

Nachdem es im April ausschließlich Absagen gab, hat der Vermieter jetzt die ersten Reisemobile für die Vermietung angemeldet. Zehn Wagen stehen startklar auf seinem Hof, 17 sollen es werden. Die meisten der Fahrzeuge sind Jahrgang 2020 und damit fast nagelneu.

,,Das Problem wird sein, genug Fahrzeuge bereitzustellen“, sagt Ceglarek. Denn die Wohnmobilhersteller haben aufgrund der Unterbrechung der Lieferketten drei Wochen lang nicht produziert. ,,Wir hätten gern zwei, drei weitere Fahrzeuge in der Vermietung. Aber so einfach geht das nicht.“ Wie kann Urlaub mit dem Wohnmobil in Zeiten von Corona aussehen? ,,Es nützt nichts, wenn nur die Campingplätze offen sind. Die Leute wollen im Urlaub was erleben. Sie wollen Eis essen, Kaffee trinken, Essen gehen“, sagt Ceglarek. Das dürfte vor allem in den Außenbereichen vieler Restaurants ab dem 18. Mai wieder möglich sein. Wenn auch mit Einschränkungen. Wer ein Wohnmobil hat, kann sich seine Ziele flexibel wählen – wenn’s nicht gefällt, fährt man einfach weiter.

Schwierig werde es eher für Familien, die ein Fahrzeug leihen und ein festes Ziel, etwa in Skandinavien ansteuern wollten. Die Grenze nach Dänemark ist geschlossen und wer nach Schweden einreist, muss theoretisch für zwei Wochen in Quarantäne. ,,Da ist es besser, man fährt hierzulande ans Wasser“, sagt Ciglarek.

Ortswechsel nach Kayhude. Hier haben Schwarz Mobile Freizeit und MC Rent Hamburg ihren Sitz. Mit 65 Wohnmobilen im Verleih und 300 Fahrzeugen im Verkauf ist Schwarz einer der größten Anbieter im Norden. Der Shutdown sei für ihn und seine 60 Mitarbeiter ein Schock gewesen, sagt Geschäftsführer Burkhard Schwarz.

Seine Kundschaft ist international und bucht zu einem großen Teil über weltweite Tour-Operator, die vor allem Skandinavien-Reisen anbieten. ,,Ausländische Kunden haben storniert. Damit sind die Fahrzeuge frei für die deutschen Urlauber“, sagt Schwarz.

,,Wir erleben einen Riesenansturm. Auf unserem Platz ist unheimlich viel los. Die Leute kommen, schauen sich um, machen Probefahrten. Urlaub in Deutschland im Wohnmobil ist das Thema!“ Vor allem bei Familien. ,,Im Wohnmobil bin ich auf Abstand mit anderen“, sagt Schwarz.

Die Kundschaft verjünge sich. Gerade habe ein junges Pärchen gebucht. „Die beiden wollten im Frühjahr heiraten und nächstes Jahr mit dem Wohnmobil verreisen.“ Nun machen sie es eben andersherum.

Schwarz erwartet für Mai und Juni weitere Stornierungen – etwa von Kunden aus der Schweiz, die nicht ausreisen dürfen. ,,Wir versuchen, solche Reisen zu verschieben. Wenn das nicht geht, lassen wir die meisten ohne Stornogebühren raus.“ Für den Sommer sei die Nachfrage riesengroß. ,,Wir könnten noch mehr Fahrzeuge gebrauchen“, sagt Schwarz.

Auch bei DRM Wohnmobile in Henstedt Ulzburg spürt man die steigende Nachfrage. ,,Bis zum Saisonbeginn werden wir 80 Fahrzeuge auf dem Hof haben“, sagt Vermieterin Bettina Bleck. Die Preisspanne beginnt bei 70 Euro für einen VW Bus und endet bei 170 Euro für ein vollausgestattetes, klimatisiertes Mobilhome mit allen Schikanen pro Tag. Ein Kunde, der noch auf die Rückzahlung seiner wegen Corona ins Wasser gefallenen Kreuzfahrt wartet, habe ihr erzählt, er wolle ,,flexibel sein“ und sei so auf die Idee gekommen, zum ersten mal ein Wohnmobil zu leihen.

Das Geschäft mit den alles andere als billigen Wohnmobilen boomt in Deutschland seit Jahren. Trotz – oder gerade wegen – Corona erlebt die Branche auch in diesem Jahr einen weiteren Höhenflug: 15.383 Reisemobile wurden nach aktuellen Zahlen vom Caravaning Industrie Verband (CIV) allein von Januar bis März 2020 in Deutschland neu zugelassen – 26,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und ein neuer Rekord. Selbst mitten im Shutdown erreichten die Neuzulassungen von 7087 Reisemobilen (plus 4,7 Prozent) im Monat März hierzulande einen neuen Bestwert.

,,Ich sehe es für unsere Branche sehr positiv. Wir werden als Gewinner aus der Sache herausgehen“, sagt Wohnmobilhändler und Verleiher Burkhard Schwarz.

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