Verkehr

Baustelle macht Wohnstraße in Norderstedt zum Schleichweg

| Lesedauer: 4 Minuten
Burkhard Fuchs
 Die Anwohner im Heidestieg in Norderstedt protestieren dagegen, dass ihre schmale Wohnstraße plötzlich als Schleichweg missbraucht wird.

Die Anwohner im Heidestieg in Norderstedt protestieren dagegen, dass ihre schmale Wohnstraße plötzlich als Schleichweg missbraucht wird.

Foto: Burkhard Fuchs

Am Norderstedter Heidestieg fürchten die Anwohner jetzt um ihre Sicherheit. Der Verkehr hat sich durch eine Baustelle vervielfacht.

Norderstedt.  Bei den Anliegern im Norderstedter Heidestieg liegen die Nerven blank. Seit der Alte Kirchenweg Anfang März zwischen dem Harksheider Markt und dem Uhlenkamp wegen der Erneuerung des Fernwärmenetzes für den Verkehr voll gesperrt ist, hat sich die sonst so beschauliche, schmale Wohnstraße zu einem ungewollten Verkehrsknoten in Norderstedt entwickelt. „Viele Autofahrer nutzen den Heidestieg jetzt als Schleichweg, um die Baustelle zu umfahren“, ärgert sich Anwohner Rainer Strauß.

Der Verkehr habe sich in dieser sonst so ruhigen Nebenstraße in etwa verzehnfacht, schätzt Strauß und hat aktuelle Zählungen parat. Demnach waren es im Feierabendverkehr an einem Nachmittag vergangene Woche 116 Fahrzeuge, die in einer Stunde durch den Heidestieg gefahren sind. An einem Vormittag hat Strauß mit 48 Fahrzeugen in einer halben Stunde ein ähnlich hohes Verkehrsaufkommen festgestellt. „Und das waren so gut wie keine Anwohner, sondern ortsfremde Autofahrer.“

Statt die als offizielle Umleitung ausgeschilderte Umfahrung über die Falkenbergstraße und den Langenharmer Weg zur Ulzburger Straße zu nehmen, kürzten offenbar viele Autofahrer durch die kleine Wohnstraße ab.

Anwohnerin Susanne Langmann fürchtet neben dem zusätzlichen Verkehrslärm und den Autoabgasen vor allem um ihre und die Sicherheit ihrer Kinder. Zumal viele der durchfahrenden Autofahrer viel zu schnell und rücksichtlos unterwegs seien, klagen Anwohner Sven Dwinger und Dirk Aßmann. Mit dem Wiederbeginn des Schulbetriebes im Mai könnte es zu schweren Unfällen kommen, warnt Rainer Strauß. Von vielen Schülern wird der Heidestieg als Schulweg zur Gemeinschaftsschule Harksheide genutzt. Eine solche Situation gab es hier noch nie. „30 Jahre lang ist hier im Heidestieg nie etwas passiert“, sagt Anwohner Manfred Schittka.

Ihre Sorgen haben die Anwohner in mehreren Anrufen und Schreiben an die Stadtverwaltung deutlich gemacht. Doch offenbar scheinen die Mitarbeiter im Rathaus kein Verständnis für sie zu haben. Die einzige Reaktion der Verwaltung sei die Einrichtung absoluter Halteverbotszonen im Heidestieg Ende April gewesen. Die Anwohner vermuten, der Grund dafür sei, dass sich hier begegnende Fahrzeuge besser ausweichen könnten.

Die Nachbarschaft setzt auf die Einbahnstraßen-Lösung

Doch diese „vielleicht als pfiffig gedachte Lösung erweist sich als unausgereift und dilettantisch“, schimpft Dirk Aßmann. „Die Haltebuchten bergen ein enormes Gefahrenpotenzial und Gesundheitsrisiko für die Anwohner, die hier auf den wenige Zentimeter breiten Gehweg treten.“

Jetzt führen die Autos noch schneller durch den Heidestieg. Anwohner müssten fürchten, wenn sie von ihrem Grundstück an die Straße heranträten, plötzlich von einem vorbeirasenden Fahrzeug erfasst zu werden. Zudem seien dadurch plötzlich rund 15 Parkplätze im Heidestieg verloren gegangen.

Auf eine Anfrage des Abendblatts zu diesem Thema sagte ein Stadtsprecher lediglich: „Kein Kommentar“. Wegen der angeordneten Lockerungen im Zuge der Wiederbelebung nach der Corona-Krise gebe es zurzeit Wichtigeres zu tun, wird dem Reporter angedeutet.

Dabei hätten die Anwohner des Heidestiegs einen guten Vorschlag zur Lösung des Problems. Das Vorgehen habe sich bereits bei einer anderen Großbaustelle in Norderstedt bewährt. Als im vorigen Jahr monatelang die Ulzburger Straße zwischen der Rathausallee und dem Langenharmer Weg gesperrt war, entwickelten sich Langenharmer Ring und Kiebitzreihe schnell zu einem ähnlichen Schleichweg wie jetzt Heidestieg und Uhlenkamp. Da griff die Verwaltung aber sofort ein und erklärte die Kiebitzreihe kurzerhand zu einer Einbahnstraße (vom Alten Kirchenweg zum Langenharmer Weg), bis die Baustelle an der Ulzburger Straße beendet war.

Die gleiche Vorgehensweise würde sich nun auch im Heidestieg anbieten und so für mehr Sicherheit sorgen, sind die Anwohner überzeugt. Sie hoffen weiter auf ein Einlenken der Stadtverwaltung.

Ein Gerücht habe in der Nachbarschaft die Runde gemacht, demzufolge das Rathaus den Einbahnstraßen-Vorschlag für den Heidestieg auch deshalb abgelehnt habe, weil in diesem Fall drei Feuerwehrleute aus dem Wohngebiet einen Umweg zur Feuerwache fahren müssten.

Dirk Aßmann und seine Nachbarn hoffen jetzt, dass Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder ihr Problem zur „Chefinnensache“ machen wird. Auf entsprechende Signale warten sie allerdings bislang vergeblich.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt