Norderstedt

Die Büchereien bereiten sich auf Neustart vor

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Wolfgang Klietz
„Besonders am Anfang haben sich sehr viele Familien gemeldet und Kinderbücher, Spiele, Lernmaterial für die Schule und Kochbücher bestellt“, sagt Büchereileiterin Karin Sträter.

„Besonders am Anfang haben sich sehr viele Familien gemeldet und Kinderbücher, Spiele, Lernmaterial für die Schule und Kochbücher bestellt“, sagt Büchereileiterin Karin Sträter.

Foto: Wolfgang Klietz

Voraussichtlich diese Woche soll es an den vier Standorten in Norderstedt wieder losgehen – allerdings mit eingeschränktem Angebot.

Norderstedt. Auf diese Nachricht haben die Freunde von Belletristik und Sachbüchern schon lange gewartet: In Kürze werden die Norderstedter Stadtbüchereien wieder geöffnet. Voraussichtlich wird es Mitte oder Ende dieser Woche so weit sein. Bis dahin müssen noch Plexiglasscheiben zum Schutz vor dem Coronavirus eingebaut werden. Außerdem muss jede der vier Büchereien ihre Kunden so durch die Regale lotsen, dass sie sich nicht zu nahe kommen. Sobald der Termin genau feststeht, will die Bücherei die Öffentlichkeit informieren. „Noch haben wir kein Datum“, sagt der Chef der Bibliotheken, Ingo Tschepe.

Er würde lieber heute als morgen öffnen, denn die Nachfrage sei groß. „Doch wir müssen auch unsere Mitarbeiter schützen“, sagt Tschepe. Auch nach der Öffnung wird das Angebot reduziert bleiben. Ausleihe und Rückgabe werden möglich sein, nicht aber der längere Aufenthalt zum Zeitungslesen, für die Recherche am PC oder zum Spielen. „Wir müssen das Angebot leider beschränken, das ist jetzt der erste Start“, sagt Tschepe. Auch die Öffnungszeiten werden eingeschränkt.

In den Büchereien müssen sich die Besucher darauf einstellen, dass nur eine bestimmte Zahl an Besuchern zur selben Zeit die Räume betreten darf. Außerdem sollen in den Bibliotheken quasi Einbahnstraßen eingerichtet werden, damit sich Kunden nicht begegnen und buchstäblich zu nahe kommen. Pfeile auf dem Boden werden die Wege weisen.

Die Büchereien im Rathaus, in Glashütte und in Friedrichsgabe sind seit dem 14. März geschlossen. Wann der Normalbetrieb wieder beginne, sei offen, sagt Tschepe. Er sorgt sich, dass bereits bei der eingeschränkten Wiedereröffnung ein Ansturm einsetzt und viele Kunden entliehene Medien zurückgeben werden. Vor der Schließung hatten sich viele Kunden mit Büchern, Spielen und DVDs eingedeckt. „Am letzten Tag hatten wir 10.000 Entleihungen“, sagt Tschepe. Normalerweise sind es 2000. Säumnisgebühren werden auch weiterhin nicht fällig.

Mit dem Auto oder dem Rad werden Bücher ausgeliefert

Wie groß der Wunsch nach Informationen und Unterhaltung ist, erleben die Mitarbeiter der Bücherei im Stadtteil Garstedt seit Wochen. Sie bieten seit dem 7. April einen Bücherlieferservice an, der in der Region einmalig ist. Kunden können bis zur Eröffnung der Räume per Mail oder Telefon Medien bestellen, die dann mit dem gemeinsamen Dienstauto von Bücherei und Volkshochschule oder mit dem Fahrrad von den Bibliothekaren ausgefahren werden.

Außerdem hat die Bücherei seit Donnerstag einen Abholservice eingerichtet, den bereits 50 Kunden genutzt haben. Um Coronainfektionen durch das Anfassen der Bücher zu verhindern, werden sie 48 Stunden in einem separaten Raum in „Quarantäne“ gelagert.

Büchereileiterin Karin Sträter freut sich über die vielen Anfragen. „Wir haben vielen Menschen eine Freude gemacht“, sagt sie. Die zehn Garstedter Bibliothekare liefern im gesamten Stadtgebiet aus. Die Bücherei am Herold-Center ist derzeit die einzige, die noch im Betrieb ist. Auch Abholungen vor Ort sind nach einer Bestellung möglich. Der Besucher erhält seine Medien am Eingang in einem Stoffbeutel verpackt. Um die räumliche Distanz sicherzustellen, schieben die Büchereimitarbeiter die Beutel mit einem Schrubber über einen langen Tisch zum Besucher.

Die Beutel sind stets prall gefüllt. Pro Bestellung haben die Norderstedter in der Regel sieben bis acht Medien bestellt, berichtet Bibliothekarin Ariane Kleinemeyer. Besonders am Anfang hätten sich sehr viele Familien gemeldet und Kinderbücher, Spiele, Lernmaterial für die Schule und Kochbücher bestellt, sagt sie. „Viele Kinder haben sich auf die Bücher gestürzt“, sagt sie.

In normalen Zeiten kommen 65.000 Besucher im Monat

Lachend berichtet sie von „Entzugserscheinungen“ mancher Leser. Welche Medien im Bestand sind, können die Nutzer online abfragen. Kleinemeyer und Sträter räumen jedoch ein, dass dabei ein wichtiges Erlebnis fehlt, das zum Besuch einer Bibliothek dazu gehört: das Stöbern. Manche Kunden haben die Mitarbeiter gebeten: „Suchen Sie mir bitte fünf schöne Romane aus.“ Und immer wieder hören sie die Frage: Wann machen Sie wieder auf? „Der Bedarf ist groß“, sagt Sträter. Normalerweise verleihen die Büchereien pro Monat 50.000 Medien und zählen 65.000 Besucher. Dagegen konnten mit dem Lieferservice nur 90 Kunden erreicht werden.

In Henstedt-Ulzburg ist die Gemeindebücherei bereits seit dem 27. April wieder geöffnet. Auch dort gelten Sicherheitsregeln zum Schutz vor Ansteckungen. Die Mitarbeiter haben einen enormen Anstieg bei den Entleihungen von E-Books festgestellt.

Die Stadtbücherei in Kaltenkirchen bleibt weiter geschlossen. Doch Besucher können Medien bestellen und abholen oder zurückgeben.

Den gleichen Service will die Bibliothek in Bad Bramstedt ab 11. Mai anbieten.

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