Kreis Segeberg

Energiewende: Als die Windkraft das Land eroberte

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Die historische Aufnahme zeigt den Windenergiepark Westküste im Kaiser-Wilhelm-Koog, der 1987 als bundesweit erster ans Netz gegangen war.

Die historische Aufnahme zeigt den Windenergiepark Westküste im Kaiser-Wilhelm-Koog, der 1987 als bundesweit erster ans Netz gegangen war.

Foto: SH Netz

Ende der 80er-Jahre wurden in Norddeutschland die ersten Windkraftanlagen installiert. Ein Mann der ersten Stunde erinnert sich.

Quickborn. Aller Anfang ist klein. „Vor 30 Jahren hatten wir noch nicht einmal 50 Windanlagen am Netz“, sagt Dieter Haack. „Wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass es im Jahr 2020 mehr als 3000 Anlagen in Schleswig-Holstein sein würden – ich hätte ihn für verrückt erklärt.“ Dabei ist Dieter Haack einer, der sich sein gesamtes Berufsleben lang mit nahezu nichts anderem als mit Windenergie beschäftigt. Die ersten „Windmühlen“, mit denen Ende der 80er-Jahre alles begann, wirken verglichen mit den heutigen Rotoren geradezu niedlich.

Haack, 56 Jahre alt, ist ein Mann, der für die Energiewende brennt. Heute arbeitet er als Abteilungsleiter Betrieb Spezialnetze – nach wie vor bei SH Netz mit Sitz in Quickborn. Eine seiner Hauptaufgaben ist es, dafür zu sorgen, dass der Strom vom Windrad zur Steckdose kommt. Dafür baut er die Netze aus – und das eben schon sein halbes Leben lang. In Norddeutschland hat sich die Windkraft aus einer anfänglichen Nische heraus zu einem der Hauptproduzenten von Strom entwickelt. 1989 lag die im Netzbereich der SH Netz installierte Windkraftleistung bei 5 Megawatt (MW), 30 Jahre später liegt sie bei 6450 MW.

Auch bei der Technik hat sich einiges geändert. Heute kann ein einziges Windrad eine Leistung von bis zu 2900 KW haben. Vor 30 Jahren lag die Leistung bei 55 bis 165 KW. Zusammen mit Biomasse- und Solaranlagen haben Windanlagen am Netz von SH Netz damit rund 15,9 Milliarden Kilowattstunden Strom im vergangenen Jahr produziert. Das reicht aus, um schon heute rechnerisch ganz Schleswig-Holstein mit Strom zu versorgen.

„Das hätte damals niemand für möglich gehalten“, sagt Haack. „Dennoch ist der Weg zu einer gelingenden Energiewende noch lang. Windanlagen und Solarparks konnten verhältnismäßig schnell errichtet werden. Stromtrassen, – insbesondere jene unserer vorgelagerten Höchstspannungs-Netzbetreiber –, die teilweise durch ganz Deutschland führen, müssen mit Hunderten von Kommunen abgestimmt werden. Und auch die Speicherproblematik ist noch nicht gelöst.“

Deswegen sei es neben dem Netzausbau so wichtig, dass die erneuerbaren Energien auch vermehrt vor Ort genutzt werden. So könne „grüner Strom“ beispielsweise in Wasserstoff umgewandelt und in anderen Sektoren wie Mobilität und Wärme genutzt sowie im Gasnetz gespeichert werden. Dafür bedürfe es aber der Weichenstellung durch die Bundespolitik, heißt es in einer Mitteilung von Haacks Arbeitgeber. Denn noch sei „grüner Strom“ aufgrund verschiedenster Umlagen zu teuer.

Nichtsdestotrotz: „Neben den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen machen die Zahlen aber auch deutlich, dass wir in den vergangenen 30 Jahren schon eine ganze Menge erreicht haben“, sagt Dieter Haack und fügt an: „Wie heißt es so schön: Der Mensch neigt dazu, das, was in einem Jahr möglich ist, zu überschätzen, und was in zehn Jahren möglich ist, zu unterschätzen.“ Vor 30 Jahren hätte kaum jemand eine Prognose gewagt, die das heutige Bild beschreibt. Und sagt mit einem optimistischen Lächeln: „Das macht Mut für das, was noch kommt. Wenn jetzt die richtigen Rahmenbedingungen gestellt werden – wer weiß – vielleicht sind wir dann in 30 Jahren schon viel weiter, als wir es heute für möglich halten.“

( HA )

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