Norderstedt

Friseurbesuch mit Coronazuschlag und Schutzmaske

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Laureen Schmidt (Friseur Thomas) geht davon aus, dass die Zahl der Plätze halbiert werden muss.

Laureen Schmidt (Friseur Thomas) geht davon aus, dass die Zahl der Plätze halbiert werden muss.

Foto: Miriam Opresnik / Opresnik

Friseure dürfen wieder öffnen, allerdings mit Einschränkungen. Wegen der strengen Hygiene-Auflagen erhöhen viele die Preise.

Norderstedt.  Seit Tagen sind Gabriele und Laureen Schmidt schon in ihren Salons. Sie haben Trennwände montiert, Desinfektionsmittel aufgestellt, Handschuhe ausgelegt – und ihre Kunden kontaktiert. Hunderte von Anfragen sind bei ihnen eingegangen, alle wollen einen Termin. „Nach sieben Wochen Schließung können es die Menschen kaum erwarten, dass die Friseure wieder öffnen“, sagt Laureen Schmidt. Sie betreibt mit ihrer Mutter die beiden Salons Friseur Thomas in Norderstedt und Kaltenkirchen. Die Nachfrage nach Terminen ist riesig, beide Läden sind für die nächsten Wochen ausgebucht.

So wie ihnen geht es vielen Friseuren im Kreis Segeberg. Doch was viele Kunden noch nicht wissen: Die meisten Friseurbesuche werden teuer. Wegen der strengen Hygienevorgaben im Zuge der Corona-Krise haben viele Friseure die Preise erhöht – oder nehmen eine pauschale Hygiene-Zulage. Welche Mehrkosten auf die Kunden zukommen, das variiert ja nach Salon.

Der Landesinnungsverband des Friseurhandwerks und der Kosmetiker in Schleswig-Holstein rechnet damit, dass die meisten Betriebe einen Hygiene-Zuschlag von etwa drei Euro nehmen werden. „So eine Zulage ist für die Kunden eher zu verstehen, als wenn die Kosten für einen Haarschnitt erhöht werden“, sagt Geschäftsführer Lutz Martensen. Mit der Zulage sollen zum einen die Kosten für die erforderlichen Schutzmaßnahmen sowie der zeitliche Mehraufwand gedeckt werden.

Auch die Friseure Sibylle und Peter Adamczyk aus Norderstedt erheben eine Hygiene-Zulage von 1,50 bis zwei Euro. „Wir sehen leider keine andere Möglichkeit“, sagt Sibylle Adamczyk, die bereits im Vorfeld der Öffnung mehr als 1500 Euro investiert hat, um den Hygiene-Auflagen nachzukommen. „Wir haben Trennwände aus Plexiglas anfertigen lassen, Desinfektionsspray, Masken, Handschuhe und spezielle Einmal-Umhänge angeschafft, die nach jedem Kunden entsorgt werden müssen – weil unsere bisherigen Umhänge nicht wie vorgeschrieben bei 60 Grad gewaschen werden können“, sagt die Unternehmerin und spricht damit stellvertretend für eine ganze Branche.

Um das Risiko einer Ansteckung in Zeiten von Corona für Friseure und deren Kunden zu reduzieren, hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) den „Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk“ erarbeitet. Darin ist unter anderem festgelegt, dass die Anzahl der Friseurarbeitsplätze angepasst werden muss, um den Mindestabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten. „Das bedeutet für die meisten Betriebe, dass sie weniger Kunden gleichzeitig bedienen können“, sagt Sibylle Adamczyk, die in den vergangenen Tagen eine Hygiene-Unterweisung mit ihren Mitarbeitern gemacht hat.

Im Maßnahmenkonzept zum Arbeitsschutz ist unter anderem geregelt, wie Arbeitsutensilien und Plätze nach jedem Kunden gereinigt werden müssen und welche Tätigkeiten künftig nicht mehr erlaubt sind – zum Beispiel alle „gesichtsnahen“ Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege. Außerdem dürfen sich Kunden nicht mehr selbst die Haare föhnen, und es gibt weder Bewirtung noch Zeitschriften. Eine der größten Veränderungen für die Kunden ist jedoch die verpflichtende Haarwäsche. „Bei jedem Kunden, bei jeder Kundin sind die Haare zu waschen“, heißt es.

„Allein bei einem Herrenhaarschnitt, der sonst oft trocken gemacht wird, verlängert sich die Arbeitszeit damit von etwa 15 bis 20 Minuten auf zirka 30 Minuten“, sagt Laureen Schmidt und fügt hinzu: „Obwohl all diese Maßnahmen natürlich wichtig und sinnvoll sind, erschweren sie uns die tägliche Arbeit enorm.“

Bei Friseur Thomas geht man davon aus, dass die Anzahl der Plätze im Salon halbiert werden muss – um die Sicherheitsabstände einzuhalten und die vorgeschriebenen Arbeitsabläufe zu gewährleisten. „Jemanden zwischendurch die Haare zu schneiden, während bei einem anderen die Farbe einwirkt – das ist ab sofort nicht mehr möglich“, so Mutter und Tochter Schmidt, in deren Salons künftig in Teams gearbeitet wird, die sich tageweise abwechseln. Um die verringerte Kundenzahl pro Tag ausgleichen zu können, öffnen sie künftig länger: montags bis sonnabends in der Zeit von 8 bis 20 Uhr. „Wir sind natürlich froh, dass wir überhaupt wieder Einnahmen haben – nachdem wir sieben Wochen nichts verdient haben“, sagt Laureen Schmidt. Aber so richtig Sinn mache das alles für sie dennoch nicht. Mehr als 3000 Euro hat sie bis jetzt in die Maßnahmen investiert – „doch ob und wann sich das rentiert, weiß ich nicht“, so die Chefin. Sie berechnet in ihrem Kaltenkirchener Salon einen Aufschlag pro Dienstleistung von zwei bis sechs Euro. „Wir probieren, die Preise so human wie möglich zu machen, sehen aber keinen anderen Ausweg.“ Sie weiß, dass sie dadurch vermutlich einige Kunden verlieren wird. Eine Alternative gebe es dennoch nicht. „Hier geht es um unser Überleben – und das einer ganzen Branche“, so die 32-Jährige. Sie geht davon aus, dass viele Salons die Zeit nicht überstehen werden.

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