Schröters Wochenschau

Was ist die gesündeste Art zu (über-)leben?

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

Schon im Mai könnten die Campingplätze in Schleswig-Holstein wieder öffnen. Und wer sich dort nicht an die Hygieneregeln hält, fällt sofort auf.

Kreis Segeberg.  In unserem Landkreis gibt es viele schöne Landschaften. Seen, Wälder, Wiesen. Friedliche Gegenden, in denen man auf etlichen Campingplätzen übernachten kann. Normalerweise. Momentan gerade nicht, man weiß, warum.

Es gibt erste Signale, dass die Campingplätze bei uns vielleicht ab dem 4. Mai wieder den Betrieb aufnehmen könnten. Zunächst dürften wahrscheinlich die Dauercamper wiederkommen, später die Urlaubsgäste. Ich weiß nicht, was passieren wird, sollten sich nach Aufhebung aller Reiseeinschränkungen irgendwann wieder sämtliche Hotelzimmer und Ferienwohnungen an der Küste füllen und die Massen am Strand übereinander purzeln. Auf unseren Campingplätzen allerdings, diese Prognose wage ich, wird man vor Corona sicher sein. Aus lebenslanger Erfahrung als Reisender in diversen Zelten, Wohnmobilen und Wohnwagen weiß ich: Camper beherrschen grundsätzlich die Fähigkeit, jeden und alles diskret zu übersehen – weil man im Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil relativ öffentlich haust. Man sieht eben von seinen Nachbarn auf einem Campingplatz mehr als vom Nachbarn im beliebigen City-Hochhaus. Anonymität ist auf Campingplätzen nur bedingt gegeben. Also lässt man sich in Ruhe und wird in Ruhe gelassen, man will sich schließlich erholen.

Unter diesen Gegebenheiten fällt allerdings auch jeder sofort auf, der aus der Reihe tanzt. Sollte es hierzulande auch im Sommer noch gebotener Konsens sein, Abstand voneinander zu halten, eine Schutzmaske zu tragen und größere Versammlungen zu vermeiden, dann wird die Einhaltung dieser Regeln dank sozialer Rund-um-die-Uhr-Kontrolle auf einem Campingplatz wesentlich effektiver funktionieren als in jeder anderen Wohnform menschlichen Zusammenlebens. Vielleicht hätten wir alle gleich bei Ausbruch der C-Krise auf einen Campingplatz ziehen sollen, dann wäre unser Homeoffice noch schöner. Und die Krise bestimmt längst vorbei, weil wir uns bei dem schönen Wetter kaum in geschlossenen Räumen aufgehalten hätten. Nicht mal im Waschhaus gibt’s Gedränge, denn der Camping-Profi findet rasch heraus, zu welchen Zeiten man hier antizyklisch unterwegs ist und stets eine freie Dusche findet. Und das Theater mit dem gehamsterten Klopapier hätten wir auch nicht gehabt, für sowas sorgt hier nämlich der Platzwart.

Also bitte, sobald es irgendwie möglich erscheint: Öffnet die Campingplätze. Ich käme sofort.

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