Kreis Segeberg

„Es gibt nichts Sichereres als Campingurlaub“

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Jörg Riefenstahl
Die Betreiber vom Seecamping Segeberg, Brigitte Schmidt und Uwe Maletzki.

Die Betreiber vom Seecamping Segeberg, Brigitte Schmidt und Uwe Maletzki.

Foto: Heike Hiltrop / HA

Eventuell am 4. Mai können die Campingplätze in der Region wieder öffnen. Viele Inhaber sind dennoch verunsichert.

Kreis Segeberg . Die Vorbereitungen zum Saisonstart auf den Campingplätzen in der Region laufen auf Hochtouren. Typische Dinge wie Instandsetzungen, Umbauten, die Pflege von Wegen und Parzellen und Papierkram werden in diesen Tagen erledigt. Alles so wie immer, könnte man meinen. Doch in diesem Frühjahr ist es anders. Corona hat den Campingplatzbetreibern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die wunderschönen Plätze an der Holsteinischen Schweiz sind auf Anordnung der Landesregierung zur Eindämmung der Coronapandemie weiterhin geschlossen. Frühestens am 4. Mai soll sich daran etwas ändern. Doch ob es wirklich dazu kommt und was dann tatsächlich erlaubt sein wird, weiß zur Stunde niemand ganz genau. Die Verunsicherung unter den Platzbetreibern und bei Campingfreunden ist entsprechend groß.

Bei Seecamping Segeberg kümmert sich Inhaberin Brigitte Schmidt um das Büro und den Internet-Auftritt, während ihr Mann Uwe Maletzki draußen Plätze für Mobilheime herrichtet. An der Anmeldung tauchen zwei Motorradfahrer auf. Schäferhund Amigo wird etwas unruhig. „Die wollen bestimmt wissen, wann wir wieder öffnen“, sagt Brigitte Schmidt. Sie kennt solche Anfragen zur Genüge. „Nicht mal unsere Dauercamper dürfen den Platz betreten. Die rufen immer wieder an, fragen, was los ist“, sagt die Geschäftsfrau.

Wie alle Campinglatz-Betreiber in der Region müssen auch sie und ihr Mann erhebliche Einbußen hinnehmen. Das Ostergeschäft fiel flach, sämtliche Konzerte am Kalkberg mit Top-Acts wie Santiano und Sarah Connor, die Schlagernacht, das Felsenbergfestival an diesem Wochenende und die Karl May Festspiele wurden ebenfalls abgesagt. Damit verliert der Platz, der zum großen Teil von den Übernachtungen Tausender Konzertbesucher und Festivalgäste lebt, seine Haupteinnahmequelle. „Uns wurde Soforthilfe bewilligt. Das Geld ist auf dem Konto. Aber es ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Brigitte Schmidt. 220.000 Euro hat das Paar, das den Platz 2016 übernommen hat, in die Renovierung gesteckt – allein 50.000 Euro kostete der Einbau einer modernen WC-Anlage im Spätherbst. Obwohl die Betriebskosten drastisch gesenkt wurden, steht das Paar finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und die Hausbank zögere, ihnen einen Überbrückungskredit zu gewähren, betont die Betreiberin.

Dass nicht einmal Dauercamper auf den Platz dürfen, versteht sie nicht. „Abstand halten ist bei uns kein Problem. Die Campingwagen müssen schon aus Brandschutzgründen mindestens drei Meter Abstand halten. Man kann sich aus dem Weg gehen. Man muss nicht die WCs benutzen. Die Leute bringen ihr eigenes Essen mit. Es gibt in diesen Zeiten nichts Sichereres als Campingurlaub.“

Während Nordrhein-Westfalen und auch Mecklenburg-Vorpommern seine Campingplätze für Dauercamper geöffnet hat, wartet man in Kiel noch ab. „Wir haben ein Schreiben aus NRW mit den dortigen Regelungen als gutes Beispiel an das Amt Leetzen weitergeleitet. Doch dort finden diese Ideen anscheinend kein Gehör“, sagt Tim Ratajcak, seit einem Jahr Inhaber von Seecamping Weißer Brunnen in Wittenborn. Er nutzt die Zeit, seinen elf Hektar großen Betrieb mit 400 Stellplätzen – davon 175 für Dauercamper - für die Saison fit zu machen. Die Plätze für fünf Campingfässer wurden aufgehübscht, zwei Baumzelte, in denen man schwebend übernachten kann, werden gerade aufgespannt. „Wir bauen in diesem Jahr erstmals ein Camping-Pod mit gewölbtem Dach und Seeblick auf“, sagt Ratajcak.

Die Corona-Abstandsregeln auf dem Platz einzuhalten, sei kein Problem. „In unseren offenen Waschräumen können wir jedes zweite Becken sperren. Dann ist der Abstand da. Wir haben eine vollautomatische Toilettenreinigungsanlage – die Reinigung geschieht ohne Körperkontakt. Die meisten reisen mit dem eigenen Wagen an und haben ohnehin eine eigene Toilette.“

Soforthilfe habe er sofort beantragt, aber noch nichts bekommen, sagt der Campingplatzbetreiber. Seine beiden Angestellten sind in Kurzarbeit. Das Restaurant beschränkt sich auf Außer-Haus-Verkauf.

Sechs Angestellte arbeiten normalerweise im Sommer auf dem Platz. Ratajcak kann sich auch eine stufenweise Öffnung vorstellen. Nachdem Kiel den ursprünglich für den 19. April angekündigten Öffnungstermin der Plätze auf den 4. Mai verschoben hat, hoffen er und seine Kolleginnen nun auf Himmelfahrt, Pfingsten und vor allem auf die Hauptsaison.

Mit 500 Stellplätzen auf 25 Hektar ist das Klüthsee-Camp in Klein Rönnau der größte Platz zwischen Segeberger See und Klüthsee in der Holsteinischen Schweiz. Hier haben die Zwangsschließung und die Stornierungswelle ebenfalls voll durchgeschlagen. Staatliche Soforthilfe wurde abgelehnt, selbst die Betriebsschließungsversicherung für das Restaurant will nicht zahlen. Der Versicherer stelle sich auf den Standpunkt, Pandemien seien nicht versichert, sagt Platzinhaberin Evelin Erdmann – ein Problem, mit dem sich in diesen Coronatagen viele Gastwirte herumschlagen müssen. Der Gaststättenverband Dehoga hat sich mittlerweile der Sache angenommen.

„Wir zahlen keine Miete und fallen durch sämtliche Raster“, sagt Evelin Erdmann. „Meine Verluste wird mir wohl keiner erstatten.“ Die Sauna und der Wellnessbereich auf ihrem Gelände sind ebenfalls dicht. „Ich kümmere mich um Post, Telefon und Dinge, die liegen geblieben sind“, sagt die Betreiberin. Von ihren 20 Angestellten sind die meisten in Kurzarbeit. „Die einzigen, die da sind, sind der Platzwart und die Reinigungskräfte, die dreimal am Tag alles desinfizieren. Wir müssen jetzt einfach durchhalten.“

Einen Lichtblick für ihr Geschäft sieht Brigitte Schmidt von Seecamping Segeberg in der aktuellen Meldung des Auswärtigen Amtes, wonach alle deutschen Urlauber voraussichtlich dazu verdonnert sein werden, ihre Ferien in diesem Sommer im eigenen Land zu verbringen. „Vielleicht merken viele, die sonst nur für ein Wochenende für Karl May bei uns bleiben, wie schön es hier bei uns ist.“

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