Denksport-Rätsel

Sie war die „Witwe der vier Künste“

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Heute suchen wir im Denksport-Rätsel eine Persönlichkeit der Musik-, Kunst- und Literaturszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Norderstedt.  Das Konzert ist abgesagt, und die Kumpels vom Stammtisch können Sie auch nicht mehr treffen. Was tun? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Los geht’s!


André Heller nennt die Stadt eine „hässliche, alte Frau“. Diese wenig charmante Einschätzung teilen offenbar die wenigsten Menschen. Mit jährlich mehr als 7,5 Millionen Übernachtungen liegt die Stadt auf den vordersten Plätzen der europäischen Touristen-Hitliste. Die Besucher genießen Kunst, Kultur und Barockfassaden – zwei Fünftel aller hiesigen Wohnungen entstanden vor 1914. So liegt über dem Ganzen noch ein raffinierter Hauch des Fin de siècle, der Zeit, da die Stadt den Höhepunkt einer Ära und gleichzeitig deren Umbruch erlebte.

Damals kreierte der lokale Volksmund, ohnehin berühmt für zuckersüße Schmähungen, als Ausdruck allgemeinen Lebensgefühls den Spruch: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ In dieser Zeit machte unter den im „Café Grien­steidl“, „Central“ oder „Herrenhof“ versammelten Künstlerkreisen eine junge Frau von sich reden, die eine spätere Biografin als letzte „Femme fatale“ des Jahrhunderts bezeichnete. Sie war intelligent, schön und eine nicht untalentierte Musikerin. Ihre größte Begabung bestand jedoch darin, künstlerische Genies zu betören und deren Kreativität zu fördern. Dreimal heiratete sie.

Ehemann Nr. 1 war 20 Jahre älter, Operndirektor und Komponist. In der gemeinsamen Wohnung in der Auenbruggergasse verordnete der Maestro seiner Gattin „nur einen Beruf: mich glücklich zu machen!“ Doch allmählich kehrte sich die Abhängigkeit um. Noch todkrank buhlte der Komponist um die Liebe der Frau und quälte sich mit Spekulationen: „Wenn ich abkratze, dann bist du jetzt eine gute Partie, jung bist du, schön bist du, also wen werden wir heiraten?“

Die Nachwelt ist darüber im Bilde. Ehemann Nr. 2 beglückte die „gute Partie“ bereits zu Lebzeiten von Nr. 1 als Kurschatten. Der Architekt begründete in Weimar und Dessau einen neuen Baustil, emigrierte später nach England und in die USA und erlangte auch dort Prominenz. Da allerdings hatte er bereits den Status des gewesenen Ehemannes inne – seine Frau bekam ein Kind, von dem sie selbst nicht genau sagen konnte, wer der Vater war. In Frage kamen Ehemann Nr. 2 oder ein junger Schriftsteller, dessen Werke die Kritik zu seinen Lebzeiten mit denen Thomas Manns auf eine Stufe stellte. Er avancierte schließlich zum Ehemann Nr. 3. Neben und zwischen ihren Ehen führte die Künstlermuse zahlreiche Liebesaffären. Zu ihren ersten Eroberungen zählte Gustav Klimt. Oskar Kokoschka machte ihr bereits nach 24-stündiger Bekanntschaft einen ernst gemeinten Heiratsantrag und verewigte sie auf zahlreichen Bildern.

Als sie ihre letzten Jahre in New York verlebte – sie starb 1964 – verliehen ihr einige Zeitungen in etwas hämischer Anspielung auf ihre Ehemänner und Geliebten den Beinamen „Witwe der vier Künste“.


Wie hieß diese vielseitige Frau? Und wie heißt die Stadt mit dem speziellen Schmäh? Die Antwort steht morgen im Hamburger Abendblatt. In der gestrigen Ausgabe suchten wir den bekanntesten Schriftsteller eines kleinen Landes. Es ist Hans Christian Andersen, der 1805 in Odense zur Welt kam und 1875 in Kopenhagen starb.

( jasch )

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