Coronakrise

Norderstedter Stadtpark wird wiedereröffnet

Wo sich bei Sonnenschein normalerweise die Norderstedter drängen, herrscht am Donnerstag gähnende Leere: Die Seepromenade im Stadtpark.

Wo sich bei Sonnenschein normalerweise die Norderstedter drängen, herrscht am Donnerstag gähnende Leere: Die Seepromenade im Stadtpark.

Foto: Thorsten Ahlf

Naherholung rund um den Stadtparksee ist ab dem 1. Mai wieder möglich – aber alle Veranstaltungen für diese Saison werden abgesagt.

Norderstedt.  Stadtpark-Chef Kai Jörg Evers kann sich an kein Jahr im Stadtpark seit der Landesgartenschau 2011 erinnern, für das so viele und große Veranstaltungen geplant waren wie in diesem Jahr. 2020 sollte ein Höhepunkt in der Geschichte des Stadtparks werden. Dann kam Corona. Und nun wird 2020 als das bislang größte Fiasko der Stadtpark GmbH in Erinnerung bleiben.

Alles abgesagt. Die großen Stadtpark-Festivals ebenso wie die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Stadt. „Wir können ja noch von Glück sagen, dass wir nicht von Eintrittsgeldern abhängig sind und als Gesellschaft unter dem Dach der Stadtwerke und damit der öffentlichen Hand stehen“, sagt Evers.

Gleichwohl brechen ihm in diesem Jahr komplett die kalkulierten Einnahmen weg – während die Kosten für den Unterhalt des Parks und das Personal bleiben. „Kurzarbeit kann ein Thema werden. Manche Mitarbeiter setzen wir in anderen Bereichen der Stadtwerke ein“, sagt Evers. Am Ende des Jahres wird aber ein noch nicht beziffertes Defizit bleiben. Aufgefangen wird es – wie in jedem Geschäftsjahr – aus den Einnahmen der Stadtwerke.

Der Stadtpark als Naherholungsgebiet für alle Norderstedter ist seit dem 19. März geschlossen. Weil sich zu viele im Park nicht an die Kontaktbeschränkungen gehalten hatten, blieb der Stadt nichts anderes übrig.

Nun soll der Park aber wieder behutsam geöffnet werden. Seit Jahren feiert die Stadtpark GmbH immer zum 1. Mai sein „ParkErwachen“ – in diesem Jahr fällt es zum ersten Mal aus. Aber der Park wird wiedereröffnet, vorerst täglich nur von 9 bis 18 Uhr. Und nur unter Wahrung der Vorschriften: Rein darf man nur alleine, mit Angehörigen aus dem eigenen Haushalt oder mit einer weiteren Person. Alle Besucher müssen Abstand halten, und nach wie vor dürfen Spielplätze und Sportanlagen nicht betreten werden. „Grillen und Picknicken ist ebenfalls nicht drin. Wenn die Leute das nicht beachten, müssen wir wieder schließen“, sagt Evers. Die meisten Norderstedter freuen sich aber eher darauf, endlich wieder am Stadtparksee spazieren zu gehen, Rad zu fahren, die Sonne und die Natur zu genießen und Frischluft zu tanken.

Unterdessen warten Evers und sein Team auf die Entscheidung der Landesregierung, wie es mit den Veranstaltungen im Land weitergehen soll. Bis Ende April soll eine Verordnung stehen, heißt es in Kiel. Sie soll regeln, wie Veranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern zwischen dem 3. Mai und dem 31. August möglich gemacht werden können. Ministerpräsident Daniel Günther will einen Stufenplan entwickeln, mit konkreten Regelungen für Konzerte, Theateraufführungen und Sportveranstaltungen.

Doch selbst mit der Verordnung wird es schwierig für den Stadtpark. „Wir müssen ja langfristig planen. Und wir haben Veranstaltungen, für die eine exakte Zuschauerzahl nicht planbar ist“, sagt Evers. Es hänge vom Wetter und von der Lust und Laune der Menschen ab, ob zu einer Veranstaltung im Stadtpark 500, 1500 oder noch mehr Menschen kommen.

Einen Craft Beer Day wird es dieses Jahr auch nicht geben

Rajas Thiele-Stechemesser hingegen, der Chef der Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH (MeNo), Hausherr der „TriBühne“ und Wirt der städtischen Brauerei Hopfenliebe, weiß durch den Kartenvorverkauf immer ziemlich genau, wie viele Leute zu Theateraufführungen, Konzerten, Messen oder Kabarettabenden in die „TriBühne“ oder ins Kulturwerk kommen. Derzeit ist das ganz einfach. „Null Leute. Totalausfall“, sagt er. Gerade musste er den bereits verschobenen 8. Craft Beer Day am 8. August endgültig absagen. Ebenso das 3. Bier- und Genussfestival auf dem Rathausmarkt, das für den 14. August in Planung war.

Diese erfolgreichen Formate sind normalerweise Umsatzbringer für die MeNo, ebenso wie die zahlreichen Abi-Bälle oder das Oktoberfest im Herbst. Sie gestatten, dass auch Aufführungen oder Konzerte im Programm möglich sind, die wirtschaftlich weniger erfolgreich sind. Nun fallen sie ersatzlos aus. Verschieben geht nicht, weil das Programm ab September schon keine Termine mehr zulässt.

Wirtschaftlich wird 2020 für die MeNo ein dickes Minusgeschäft. „Wir müssen mal sehen, wie es Ende des Jahres ausschaut. Noch kommen wir ohne Kurzarbeit hin und leben von Rücklagen“, sagt Thiele-Stechemesser. Schlimm ist für ihn die Unsicherheit in der Planung. „Die Landesregierung macht sich zu wenig Gedanken um den Veranstaltungsbereich. Wir brauchen schnell Klarheit, damit wir planen können.“ Zum Beispiel habe er Großveranstaltungen wie die Bodybuilding-WM im Herbst vor der Brust. „Da wollen Leute aus 100 Ländern anreisen. Fraglich, ob das was wird.“ Außerdem hat Thiele-Stechemesser schon das komplette Theaterabonnement-Programm für die Saison 2020/21 fertig in der Schublade, weiß aber nicht, ob er es verkaufen kann oder wieder alles absagen muss.

Für die Hopfenliebe wünscht er sich, dass die Gastronomie bald öffnen darf. „Das Brauen haben wir eingestellt. Unsere Tanks sind voll mit Bier. Wir können von jetzt auf gleich loslegen!“