Eekholt

Coronavirus – mit Sicherheitsabstand in den Wildpark

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Frank Knittermeier
Falknerin Kristin Höpner (von links) und Uhu Moosi begrüßen am Montag Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) und den SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Weber. Ganz rechts der Geschäftsführer des Wildparks Eekholt, Wolf von Schenck.

Falknerin Kristin Höpner (von links) und Uhu Moosi begrüßen am Montag Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) und den SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Weber. Ganz rechts der Geschäftsführer des Wildparks Eekholt, Wolf von Schenck.

Foto: Wolf v. Schenck / Schenck

In Eekholt können die Tiere wieder besucht werden. Doch es gelten Abstandsregeln. Mehrere Zehntausend Euro an Spenden eingegangen.

Eekholt. Der 67 Hektar große Wildpark Eekholt hat seit Montag wieder geöffnet. Umweltminister Jan Philipp Albrecht war für die Wiedereröffnung nach der erzwungenen Coronapause extra von Kiel nach Großenaspe gereist, um dabei zu sein, wenn der Park mit seinen 700 Tieren unter strengen Hygiene-Auflagen und Abstandsregeln erstmals seit Wochen wieder die Tore für Besucher öffnet. Für die Tierparks sei es enorm wichtig, wieder Einnahmen erzielen zu können, um existenzielle Nöte abwenden zu können, sagte der Minister.

Dem Geschäftsführer des Wildparks, Wolf von Schenck, eröffnete Albrecht während seines Besuches die Möglichkeit, Geld aus einem speziellen Förderprogramm des Landes für Einrichtungen im Umwelt- und Naturschutzbereich zu erhalten. Fünf Millionen Euro stünden bereit, „damit gerade dort, wo eben nicht große Gewinne erzielt werden, der Weiterbetrieb organisiert werden kann und kein Tierpark in Schleswig-Holstein zumachen muss“.

Hilfsbereite Bürger helfen dem Wildpark Eekholt

Die Soforthilfe der Landesregierung wird für maximal drei Monate als Zuschuss gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss. Anträge müssen bis spätestes 31. Mai gestellt werden.

Der Wildpark Eekholt hat in den vergangenen Wochen viele Höhe und Tiefen durchlebt. Wolf von Schenck freut sich über eine beispiellose Spendenbereitschaft der Freunde des Tierparks. Mehrere 10.000 Euro seien in der Coronapause zusammengekommen. Hilfsbereite Bürger und Organisationen haben Geld überwiesen, um den Betrieb des Wildparks zu sichern. Eine Familie hat sogar einen fünfstelligen Betrag zur Verfügung gestellt. Die Itzehoher Versicherung verdoppelt jede im April eingehende Spende bis zu einem Limit von 15.000 Euro.

Ein Maskenverkauf für den Tierpark brachte 3000 Euro

Manche Spender wurden kreativ. In Norderstedt haben sich Uta Laue und ihre Nachbarin Andrea Gericke aus der Tannenallee an die Arbeit gemacht und Atemschutzmasken genäht, die sie für drei Euro pro Stück verkaufen. Vor dem Haus von Uta Laue steht ein kleines Verkaufsgestell mit Masken und Sparschwein.

Diese Aktion hat sich in Windeseile herumgesprochen. Seit 15. April haben die beiden Frauen gut 1000 Masken angefertigt und verkauft. Die eingenommenen 3000 Euro werden dem Wildpark Eekholt überwiesen. Aber damit ist noch längst nicht Schluss: „Wir wollen 5000 Euro erreichen“, sagt Uta Laue und fügt sehr selbstbewusst hinzu: „Das schaffen wir.“ Inzwischen liegen auch andere Aufträge vor: Das Alstergymnasium in Hen­stedt-Ulzburg hat bei den beiden eifrigen Näherinnen zum Beispiel 200 Masken in Auftrag gegeben.

Hilfe für den Wildpark kommen zur rechten Zeit

Auf eine andere Idee ist der freie Journalist und Fotograf Jann Roolfs aus dem 90-Einwohner-Ort Rade im Kreis Steinburg gekommen. Er stellt 24 seiner schönsten Eekholt-Motive zur Verfügung, die gegen eine Spende von 25 Euro erworben werden können.

Abzüglich der Produktions- und Versandkosten geht das Geld an den Wildpark. „Ich habe den Park in den vergangenen Jahren bei vielen Besuchen als wertvolle Einrichtung für den Naturschutz und die Umweltbildung kennengelernt“, begründet Roolfs sein Engagement für die Einrichtung. Die 24 Motive stehen unter der Internetadresse eekholt.jann.roolfs.de zur Auswahl bereit. Sie bieten interessante Einblicke in das Eekholter Tierleben.

Für den Wildpark kommen all diese Hilfen zur rechten Zeit. Sie sichern das Überleben der Einrichtung, die Gehälter können bezahlt, die Tiere mit Futter versorgt werden. Trotzdem geht das Bangen weiter: Der Wildpark Eekholt ist als außerschulische Einrichtung durch die Landesregierung Schleswig-Holstein als Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit zertifiziert – aber der Bildungsbereich liegt zurzeit völlig danieder.

Bis zum Ende der Sommerferien sind zum Beispiel alle Schulreisen abgesagt. Vier Wochen lang keine Einnahmen, dazu die fehlenden Einnahmen aus dem Bildungsbereich: Wolf von Schenck weiß, dass er die Auswirkungen im kommenden Winter spüren wird. Denn jetzt wird das Geld eingenommen, um die Ausgaben für die besucherarme Zeit bis zum nächsten Frühjahr abzudecken.

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