Norderstedt

Einzelhandel – Die Kunden sind endlich wieder da

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Christopher Herbst
Bastian Foedisch, Filialleiter Zippel's Läuferwelt, mit Kundin Louisa Rode: Großer Andrang beim kleinen Laden an der Ulzburger Straße.

Bastian Foedisch, Filialleiter Zippel's Läuferwelt, mit Kundin Louisa Rode: Großer Andrang beim kleinen Laden an der Ulzburger Straße.

Foto: Christopher Herbst

Der Norderstedter Einzelhandel atmet auf: Nach den Schließungen wegen Corona war der Montag wieder ein normaler Handelstag – zumindest beinahe.

Norderstedt.  Es ist ein erster kleiner Schritt zurück zur Normalität: Wie überall in Schleswig-Holstein haben am Montag auch im Kreis Segeberg weite Teile des Einzelhandels wieder öffnen dürfen. Alles geschah unter klaren Bedingungen: Nur Geschäfte mit maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche erhielten die Genehmigung, größere Häuser müssen sich auf bestimmte Bereiche ihrer Angebote beschränken. Ebenso vorgeschrieben: maximal ein Kunde pro zehn Quadratmeter. Autohändler, Fahrradläden und der Buchhandel ist es unabhängig der Größe gestattet, wieder zu öffnen.

Ein Einkaufsbummel durch Norderstedt. In Zippel‘s Läuferwelt an der Ulzburger Straße rotiert Filialleiter Bastian Foedisch. In dem kleinen, 80 Quadratmeter umfassenden Fachgeschäft ist deutlich mehr los als sonst an einem Montagvormittag: „Zehn Personen in den ersten zwei Stunden“. Klar, das Wetter ist seit Wochen überwiegend gut, und Jogging ist eine der wenigen Disziplinen, die uneingeschränkt erlaubt ist. Viele Stammkunden hätten auf den Moment gewartet, an dem er wieder öffnen könne, so Foedisch. Doch nicht nur routinierte Sportler kommen vorbei. „Ich fange jetzt mit dem Laufen an“, sagt Louisa Rode (18) aus Winsen bei Kaltenkirchen. „Dafür musste ich mich hier beraten lassen.“ Ulrike Schiedat, Verkäuferin bei Ernsting‘s Family in der Moorbek-Passage, ist glücklich, wieder Kunden begrüßen zu können. „Und die Kunden freuen sich, dass wir wieder da sind. Sie halten sich hervorragend an die Hygieneregeln. Das ist jetzt schon ein richtiger Montag, es ist viel los.“ Eine Frau, die mit ihrem Sohn gekommen ist, wünscht sich, dass sie mit dem Kind bald wieder mehr unternehmen kann. „Die Isolation stört. Ich wünsche mir, dass bald auch die Spielplätze wieder aufgemacht werden.“

Eine lange Schlange hat sich vor „Der Stoff“ an der Ulzburger Straße gebildet. Hier können nur bis zu acht Personen zeitgleich stöbern. Teilweise beträgt die Wartezeit über eine halbe Stunde, die ersten Wartenden waren schon vor Ort, als noch gar nicht geöffnet war. Mitarbeiterin Christina Schubert fungiert quasi als „Türsteherin“. Sie sagt, dass viele Kunden weiterhin Stoff für Masken kaufen wollen. „Alle verhalten sich wirklich zivilisiert, das ist toll. Ein großes Lob an die Kunden“, so Schubert.

Am Schmuggelstieg ist für Buchhändler Tobias Mährlein der erste Tag nach wochenlanger Zwangspause. „Was das Thema Buch angeht, haben die Menschen offensichtlich Nachholbedarf. Auch die Kinder brauchen neuen Lesestoff“, sagt er. Maximal zwei Personen lässt er zeitgleich in das Geschäft, mehr ist auf 45 Quadratmetern nicht praktikabel. Zwar habe er auch versucht, Bücher zu liefern, „aber das ist jetzt etwas anderes, auch quantitativ“.

Im Herold-Center sind etwa zwei Drittel der Geschäfte geöffnet. Einige prominente Ausnahmen sind H&M, C&A und Douglas sowie Saturn. Karstadt und Karstadt Sports haben das Sortiment reduziert. Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Andreas Finster vom Ordnungsamt waren gemeinsam mit Centermanager Thomas Krause auf Kontrollgang. Norderstedts Verwaltungschefin zeigte sich im Anschluss zufrieden. „Ich bin begeistert davon, wie viel Kreativität die Einzelhändler an den Tag gelegt haben, um das, was gefordert ist, umzusetzen. Da sieht man die unterschiedlichsten Varianten.“

Ein Beispiel ist Schuhkay. Hier wurde der Boden penibel mit Pfeilen und Symbolen markiert, die Kunden werden entsprechend geleitet. „Wir haben den Laden am Wochenende hergerichtet“, sagt Verkäuferin Anja Arendt. „Aber es ist für uns alle noch ungewohnt.“ Für einen Montag sei es im Herold-Center vergleichsweise leer.

Ein Sonderfall ist die Hesebeck Home Company in Henstedt-Ulzburg. Eigentlich wäre das Einrichtungshaus mit seinen 6500 Quadratmetern viel zu groß, um wieder öffnen zu können. Doch man hat sich etwas einfallen lassen. „Wir wollen den Kunden etwas bieten und werden im täglichen Wechsel Küchenstudio und Möbelflächen öffnen“, sagt Stefan Langbehn, Mitglied der Geschäftsführung. Immer so, dass die 800 Quadratmeter nicht überschritten werden. „Die letzten Wochen waren für unser Unternehmen kräftezehrend. Wir hoffen, dass wir im nächsten Schritt komplett öffnen dürfen – wenn sich die Infektionszahlen positiv entwickeln.“

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