Kreis Segeberg

Das Projekt „Miteinander Wohnen“ trotzt der Coronakrise

| Lesedauer: 4 Minuten
Die offizielle Eröffnung des Wohnprojekts fand noch vor der Coronakrise statt. Von links: Rüdiger und Beata von Hanxleden, Elisabeth Ammon und Helmut Schönewolf.

Die offizielle Eröffnung des Wohnprojekts fand noch vor der Coronakrise statt. Von links: Rüdiger und Beata von Hanxleden, Elisabeth Ammon und Helmut Schönewolf.

Foto: Christopher Herbst

22 Männer und Frauen leben in dem Haus in Nahe. Nachbarschaftlicher Kontakt ist wegen der Pandemie zurzeit allerdings nur eingeschränkt möglich.

Nahe.  Sechs Jahre Planung, zwei Jahre Bauzeit und zahlreiche kleine und große Geduldsproben waren bis zur Fertigstellung der neuen Wohnanlage am Ortsrand der Gemeinde Nahe nötig – da ist auch schon erneut Durchhaltevermögen gefragt: Die rasche Ausbreitung des Coronavirus verhindert das Zusammenleben der insgesamt 22 Männer und Frauen.

Bis ins hohe Alter selbstbestimmt leben und zugleich Teil einer Gemeinschaft sein, das war die eigentliche Idee hinter dem Projekt „Miteinander Wohnen“ von Rüdiger und Beata von Hanxleden. Bereits vor neun Jahren führten die beiden erste Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister von Nahe, Ortwin Peters. Und der Bürgermeister war von Anfang begeistert von dem Konzept, das vorsieht, dass die Bewohner als Gemeinschaft zusammenleben und im Alter nicht vereinsamen.

Doch seit dem Ausbruch des Virus sind regelmäßiger Kontakt und nachbarschaftliche Unterstützung stark eingeschränkt. „Die meisten Bewohner leben jetzt eher zurückgezogen, treffen höchstens im Garten oder auf der Dachterrasse aufeinander“, sagt Beate von Hanxleden. Film-, Theater- und Sportangebote sowie zahlreiche geplante Veranstaltungen finden derzeit nicht statt. Auch die Gemeinschaftsräume für Treffen aller Art können momentan nicht wie gewünscht genutzt werden. „Das ganze Konzept ruht“, bedauert von Hanxleden.

Dass das Haus nach unzähligen Gesprächen und langen Jahren der Planung und Umsetzung größtenteils fertiggestellt und bewohnt ist, stimmt Beata von Hanxleden jedoch positiv: „Durch die Vollvermietung ist das Projekt erst einmal gerettet.“ Lediglich der Ausbau der Außenflächen verzögert sich, weil Handwerker aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zum Teil nicht arbeiten können. Denn viele Betriebe sind auf ausländische Fachkräfte angewiesen, die momentan nicht nach Deutschland kommen können.

Die Mieter kommen aus allen Teilen Deutschlands

Die Wohnanlage umfasst 23 barrierefreie Mietwohnungen. Der Bau von neun Sozialwohnungen wurde von der Investitionsbank gefördert, wohingegen die Kosten für die dazugehörigen 16 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche selbst übernommen werden mussten. Die geplante Gästewohnung fiel weg, stattdessen entstand eine weitere Mietwohnung.

Zusammen mit Nina Molz hatte Rüdiger von Hanxleden 2016 den Verein „Miteinander aktiv bleiben“ gegrünet, und zwar mit dem Ziel, das Areal in Nahe zu bebauen und zu bewirtschaften. Finanzielle Unterstützung gab es von der GLS Gemeinschaftsbank. Bereits im Jahr 2012 hatte die Aktiv-Region Alsterland einer Förderung des Wohnprojekts als Leuchtturmprojekt zugestimmt. Der von der Bau- und Wohnungsgesellschaft „Miteinander Wohnen in Nahe eG“ gestellte Bauantrag wurde schließlich 2015 vom Kreis genehmigt, und nachdem Bau und Erschließung der Straße Wischhoff beendet waren, konnten im Oktober 2017 die Arbeiten am Fundament beginnen.

Mieter aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Bergischen Land, Hamburg sowie aus der näheren Umgebung sind mittlerweile in das Haus eingezogen. Darunter auch Elisabeth Ammon, die zuvor 30 Jahre in Hamburg lebte. „Ich habe schon viel von solchen Wohnformen gehört und wollte es gerne ausprobieren“, sagt sie. Nach intensiver Recherche sei sie dann vor zwei Jahren auf zwei verschiedene Wohnungen gestoßen, die ihr zusagten. „Da ich aus der Großstadt raus wollte, habe ich mich dann für die Wohnung in Nahe entschieden, worüber ich sehr glücklich bin. Hier treffen viele bunte Lebensgeschichten aufeinander“, so Ammon. Zwar gestalte sich der Austausch untereinander momentan wegen der Coronakrise schwierig. Dass sich aber ab und an zwei bis drei Mitglieder des Handarbeitszirkels auf der Dachterrasse treffen könnten, sei sehr schön. „Mit genügend Abstand zueinander wird dann etwas geplaudert – und es werden Mundschutzmasken genäht“, betont Beata von Hanxleden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt