Kreis Segeberg

Kaltenkirchener Hotelier vermietet Zimmer als Büros

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Home Office im Hotelzimmer bietet Uwe Heymann vom Hotel Dreiklang in Kaltenkirchen an.

Home Office im Hotelzimmer bietet Uwe Heymann vom Hotel Dreiklang in Kaltenkirchen an.

Foto: Dreiklang

Home Office aus dem Hotelzimmer: Uwe Heymann öffnet sein Business & Spa Ressort Dreiklang für Menschen, die zum Arbeiten Ruhe brauchen

Kaltenkirchen.  „Dem einen oder anderen fällt schon langsam die Decke auf den Kopf“, sagt Uwe Heymann. Er ist der Direktor des Business & Spa Ressort Dreiklang in Kaltenkirchen. Und er hat eine Lösung für Menschen, die in ihrem Zuhause zwischen Küche, Wohnzimmer, den Kindern und dem Hund ihr Homeoffice eingerichtet haben und das jetzt nicht noch weitere Wochen aushalten.

Heymann macht seine 60 Hotelzimmer zu Büros auf Zeit. Mit Ruhe zum Arbeiten und Vier-Sterne-Concierge-Service. „Wir bieten Ruhe, keine Ablenkung und daher für manchen auch mehr Produktivität im Homeoffice an“, sagt Heymann. Als Vater von fünf Kindern weiß er, wovon er spricht. „Bei uns gibt es die Chance, sich mehrere Wochen ungestört auf sich und den Job zu konzentrieren.“ Das Angebot habe schon zu ersten Nachfragen geführt. Heymann hofft, dass es mehr werden. „Unsere üblichen Kunden fallen jetzt ja komplett weg.“ Der Betrieb in seinem Hotel läuft nur noch auf Sparflamme. 95 Prozent des Umsatzes sind futsch. „Bei uns übernachten derzeit nur noch Geschäftsleute, die sich wegen eines Termins in die Region verirren. Oder wenige Monteure, die für Firmen in den Industriegebieten von Kaltenkirchen Maschinen oder Geräte warten müssen.“

Belegschaft ist in Kurzarbeit – bis auf die Auszubildenden

Die Belegschaft des Dreiklang hat Heymann in die Kurzarbeit geschickt. „Aber die Auszubildenden, mit denen geht das nicht, die sind noch da. Und erledigen das, was in so einer Situation eben anfällt.“ Die Azubis gehen also durch die Zimmer, sorgen dort regelmäßig für frische Luft und durchgespülte Kalt- und Warmwasserleitungen.

Auch für Uwe Heymann, der seit 35 Jahren Hotelier und Koch ist, kommt die Coronakrise einer noch nie dagewesenen Herausforderung gleich. Zimmer als Büros anzubieten, das versuchen auch andere Hoteliers. Heymann will mit seinem Service punkten. Denn er betreibt zudem einen eigenen Gourmet-Lieferservice. „Daher ist es für uns einfach, unsere Gäste mit Frühstück, Mittag- und Abendessen zu versorgen. Wir bringen alles kontaktfrei bis vor die Zimmertür.“

Der Gast kommt also nicht in ein Hotel im Stillstand, sondern er kann zum Beispiel kulinarisch aus 20 frischen Gerichten wählen, hergestellt aus regionalen Produkten. Rund um die Uhr sind Mitarbeiter des Hotels für die Gäste zu erreichen. „Wir möchten unseren Gästen stets einen perfekten Service bieten und versuchen, alle Wünsche zu verwirklichen – auch jetzt zu Coronazeiten“, sagt Heymann. Die Preise für das neuartige Homeoffice variieren je nach Länge des Aufenthalts und der Größe des Zimmers. Einzelzimmer ohne Frühstück kosten bei Heymann regulär 96 Euro.

Dass andere Geschäftsleute nun langsam wieder in den normalen Betrieb übergehen können, beobachtet Heymann von zwei Standpunkten aus. „Ich bin zum einen Geschäftsmann und Hotelier, zum anderen Privatperson.“ Als Privatperson verstehe er, dass die Beschränkungen für Hotels und andere noch bestehen bleiben müssen. Als Geschäftsmann denkt er natürlich eher an die weiterlaufenden Kosten und die Rechnungen auf seinem Schreibtisch. „Was ich aber noch mehr fürchte, ist einen zweiten Lockdown, weil wir den ersten nicht lange genug durchgehalten haben – dann können wir die Wirtschaft in Deutschland begraben.“

( abm )

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