Kreis Segeberg

Schulen starten schrittweise wieder mit Unterricht

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Michael Schick
Bis es in den Schulen in Norderstedt wieder gefüllte Klassenzimmer gibt, kann es noch dauern. Vor dem 4. Mai wird das auf jeden Fall nicht passieren.

Bis es in den Schulen in Norderstedt wieder gefüllte Klassenzimmer gibt, kann es noch dauern. Vor dem 4. Mai wird das auf jeden Fall nicht passieren.

Foto: Frank Molter / dpa

Zuerst kommt jetzt das Abitur auf Abstand ab dem 21. April. Welche Jahrgangsstufen ab dem 4. Mai Unterricht haben, steht noch nicht fest

Norderstedt.  Außer den Abschlussprüfungen wird bis zum 4. Mai kein Unterricht an den Schulen in Schleswig-Holstein stattfinden. Das hat Bildungsministerin Karin Prien (CDU) angekündigt. Dann soll der Schulbetrieb schrittweise starten, wobei die Ministerin keine Details nannte. „Wir werden jetzt gemeinsam mit den anderen Ländern in der Kultusministerkonferenz einen Fahrplan erarbeiten. Dabei werden besonders die vierten Jahrgänge der Grundschulen und die Schülerinnen und Schüler in den Fokus rücken, die im kommenden Schuljahr 2020/21 ihren Abschluss machen“, sagte Prien.

An den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe, zu der auch die Willy-Brandt-Schule in Norderstedt zählt, schreiben die Abiturienten ihre Klausuren von Dienstag, 21. April, bis Dienstag, 5. Mai. Die Termine für die schriftlichen Arbeiten für den Einfachen und Mittleren Schulabschluss an den Gemeinschaftsschulen hat das Ministerium auf die Zeit vom 11. bis 14. Mai festgelegt. Zu den Vorgaben aus Kiel gehört auch ein umfangreicher Katalog an Schutzmaßnahmen, damit sich die Schüler nicht mit dem Coronavirus infizieren: mindestens zwei Meter Abstand zwischen den Schülern, die sich die Hände desinfizieren müssen, wenn sie das Schulgebäude betreten.

„Wir haben den Vorteil, dass wir vier Eingänge haben und sich die Schüler verteilen“, sagt Heike Schlesselmann, Leiterin des Coppernicus-Gymnasiums. Reinigungskräfte werden die Tische desinfizieren, bevor die Abiturienten in die Unterrichtsräume kommen. Um die vorgeschriebene Distanz zu gewährleisten, werden höchstens neun Schüler in einem Raum sitzen. Bei 73 Abiturienten sind im Coppernicus-Gymnasium acht Klassenzimmer nötig.

Da einzelne durch andere Erkrankungen besonders gefährdet sind, werden weitere Räume gebraucht, damit diese Schüler allein die Klausur bewältigen können. „Wenn der Schulbetrieb wieder hochgefahren wird, müssen wir vor allem diejenigen im Blick haben, deren Versetzung gefährdet ist, die nach Klasse neun in die Oberstufe wollen oder nach Klasse sechs an eine Gemeinschaftsschule schräg versetzt werden sollen“, sagt Schlesselmann. Angesichts der kurzen Zeit bis zu den Sommerferien werde es schwierig, diesen Schülern noch ausreichend Gelegenheiten zu geben, ihre Noten zu verbessern.

An der Gemeinschaftsschule Harksheide wollen Schüler nach Klasse neun den Einfachen, andere nach Klasse zehn den Mittleren Schulabschluss machen. „Ab Dienstag werden wir sie darauf vorbereiten, maximal zehn pro Klasse“, sagt Schulleiter Rainer Bülck. Auch hier gelten die Schutzregeln. Damit das klappt, hat der Schulleiter 50 Liter Desinfektionslösung bestellt. Die Klausuren werden zwischen dem 11. und 14. Mai geschrieben. Bis dahin sind die Klassenräume für die anderen Schüler tabu, sie müssen weiterhin zu Hause lernen. „Wir haben eine einheitliche Lernplattform eingerichtet. Dort bekommen die Schüler ihre Aufgaben und können während der normalen Unterrichtszeit mit den Lehrern chatten oder Videokonferenzen abhalten“, sagt Bülck.

Angelika Aust, Leiterin der Grundschule Lütjenmoor, hat einen Brief an die Eltern geschrieben und ihnen mitgeteilt, dass die Schüler am Montag ihre Aufgaben für Zuhause abholen können. Auch an der Norderstedter Grundschule gelten die Auflagen zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. „Wir haben den Vorteil, dass alle Türen der Klassenräume nach draußen führen“, sagt die Pädagogin. Kollegen auf dem Hof werden auf den nötigen Abstand zwischen den Kindern achten, immer höchstens zwei dürfen in die Klasse, um die Aufgaben mitzunehmen.

Im Streit der Fachleute, ob erst die Älteren oder die Jüngeren wieder in die Schule dürfen, bezieht Angelika Aust Position: „Ich wünsche mir, dass wir zuerst die Jungen und Mädchen aus den ersten Klassen wieder hier haben. Wir müssen dringend das Lesenlernen fortsetzen, das ist wichtiger als der Übergang nach der vierten Klasse.“ Diesen Wunsch werden die Kultusminister nicht erfüllen, sie sprechen sich dafür aus, zunächst die Viertklässler in die Grundschulen zurückzuholen.

Die Grundschulleiterin hat mit einem Problem zu kämpfen, das auch in den anderen Schulen virulent ist: Lehrkräfte, die 60 und älter sind, sowie Pädagogen mit Vorerkrankungen zählen zur Risikogruppe und dürften in der Schule nicht unterrichten. Der Philologenverband Schleswig-Holstein plädiert für kleine Lerngruppen, wenn die Schulen nach dem 4. Mai wieder den Betrieb aufnehmen. Pausenzeiten müssten umschichtig gestaltet werden, sodass sich jeweils nur eine kleine Gruppe von Schülern auf dem Schulhof aufhält. Inhaltlich müsse sich die Arbeit auf das Wesentliche konzentrieren. „Die Vertiefung des Grundlagenwissens wird jetzt und im nächsten Schuljahr Vorrang haben vor Spezialthemen“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Jens Finger. Er fordert mehr Lehrkräfte, „eine Versorgung von 115 Prozent, damit wir Ausfälle von Risikogruppen und Erkrankten kompensieren können“. Bis zu den Sommerferien sollten die Schulen auf Exkursionen, Fahrten, Projektwochen und ähnliches zugunsten des Unterrichts verzichten.

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