Kreis Segeberg

Norderstedt spannt ein Hilfe-Netz in der Krise

| Lesedauer: 4 Minuten
Annabell Behrmann
Karen Demuth von der Frauenberatungsstelle Norderstedt telefoniert mit Frauen, die häusliche Gewalt oder andere Nöte erleben.

Karen Demuth von der Frauenberatungsstelle Norderstedt telefoniert mit Frauen, die häusliche Gewalt oder andere Nöte erleben.

Foto: Demuth / demuth

Eine Stadt im Corona-Ausnahmezustand: Für viele Menschen ist die Krise belastend. Wer jetzt Unterstützung braucht, wird nicht allein gelassen.

Norderstedt.  Die Coronakrise ist für viele Menschen herausfordernd und belastend. Eltern müssen ihre Kinder plötzlich zu Hause beschulen, gleichzeitig sitzen sie im Homeoffice. Frauen und Männer in medizinischen Berufen sind einer enormen physischen und psychischen Belastung ausgesetzt. Möglicherweise kommt noch die Betreuung von pflegebedürftigen Familienmitgliedern hinzu. Oder finanzielle Sorgen durch Kurzarbeit und Entlassung.

Das alles führt dazu, dass Anspannung und Aggressionen zunehmen können. Die Stadtverwaltung möchte den Menschen in der Krise helfen und hat eine Übersicht der vielfältigen Hilfsangebote in Norderstedt zusammengestellt.

„Vielleicht kann ein Anruf bei einem der verschiedenen Hilfetelefone zu einer Entlastung beitragen. Es ist sehr wichtig, in diesen Zeiten möglichst gut für sich selbst zu sorgen – daran denken besonders Frauen eher nicht. Aber nur, wer selbst gestärkt wird, kann dann auch anderen helfen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Norderstedt, Claudia Meyer. Die kompetenten Beraterinnen verschiedener Anbieter von Hilfen stehen oft rund um die Uhr per Telefon oder Chat zur Seite. „Wenn es um partnerschaftliche Konflikte geht, mit körperlicher oder seelischer Gewalt, ist es richtig, sich an das bundesweite Hilfetelefon unter 0800/0116 016 zu wenden“, sagt Claudia Meyer. „Die Gespräche werden auf Deutsch und in 17 weiteren Sprachen geführt.“

Hilfe bietet auch die Frauenberatungsstelle Norderstedt: Es gibt nach wie vor Beratungen, besonders für durch häusliche Gewalt betroffene Frauen oder jene, die in Trennung leben. Unter 040/529 69 58 gibt es montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 15 Uhr Unterstützung. „Seit einer Woche spüren wir einen deutlichen Anstieg von Anrufen“, sagt Karen Demuth. Zwei Frauen konnten bisher Plätze in ein Frauenhaus vermittelt werden. In den Gesprächen geht es aber nicht nur um häusliche Gewalt. „Viele Frauen sind aktuell einfach verunsichert“, sagt Demuth.

Auch für Kinder und Jugendliche ist diese Zeit nicht einfach: Das gewohnte Umfeld aus Schule, Sport im Verein und Treffen mit Freunden ist weggebrochen, „Homeschooling“ stellt außergewöhnliche Anforderungen, und man verbringt viel Zeit in der Familie. Kommt es hier zu Konflikten, dann steht bundesweit die Nummer gegen Kummer unter 116 111 (Montag bis Sonnabend, von 14 bis 20 Uhr, auch als Onlineberatung) anonym und kostenlos zur Verfügung.

Für Eltern bietet das Elterntelefon unter 0800/111 05 50 Hilfestellung. Hier in Norderstedt bieten die Beratungsstellen von Sozialwerk (040/523 73 80), Diakonischem Werk (040/525 58 44) und den Frühen Hilfen (040/300 394 12) Eltern in schwierigen Lagen ihre Unterstützung an. „Die jetzige Situation stellt viele Familien vor große Herausforderungen. Eltern sollten sich nicht scheuen, Unterstützung in Krisensituationen anzufragen. Das kann helfen, Konflikte zu deeskalieren“, rät Anette Reinders, Norderstedts Erste Stadträtin. Bei der der Stadtverwaltung ist trotz Schließung des Rathauses das Jugendamt unter der Telefonnummer der Geschäftsstelle 040/535 95 401 und unter jugendamt@norderstedt.de erreichbar.

In Norderstedt funktionieren Austausch und Unterstützung in der Nachbarschaft oft gut. Das zeigt zum Beispiel das Netzwerk Norderstedt (NeNo), koordiniert von Bärbel Joppien. NeNo dient als Anlaufstelle für Hilfe in der Nachbarschaft, für kranke oder alleinstehende Menschen. NeNo möchte in Zeiten der Coronakrise Telefonketten aufbauen für Menschen, die sich über einen täglichen Anruf freuen würden. Diese Maßnahme soll Isolation vermeiden. In der vergangenen Woche konnte Bärbel Joppien zudem zehn Einkaufshilfen vermitteln. Rund 20 Menschen haben bisher ihre Hilfe angeboten. „Wer Bedarf hat, darf sich gern bei uns melden“, sagt Joppien. Wer helfen möchte oder Hilfe benötigt, kann sich montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0151/573 791 92 melden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt