Kreis Segeberg

Mehr Corona-Tests dank der Hilfe aus Borstel

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Andreas Burgmayer
Dank eines Diagnosegeräts aus Borstel können am UKSH in Kiel doppelt so viele Corona-Tests durchgeführt werden wie bisher (Symbolbild).

Dank eines Diagnosegeräts aus Borstel können am UKSH in Kiel doppelt so viele Corona-Tests durchgeführt werden wie bisher (Symbolbild).

Foto: Matthias Balk / dpa

Lungen-Forschungszentrum gibt Großgerät ab, mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein seine Testkapazität verdoppeln kann.

Borstel.  Der Cobas 6800 ist in der Coronapandemie so etwas wie der Heilige Gral – alle wollen ihn, aber keiner findet ihn. Er ist ein Diagnosegerät. Auf der Welt gibt es kaum ein anderes, dass so schnell und zuverlässig testet, ob jemand das Coronavirus Sars-CoV-2 auf seinen Schleimhäuten sitzen hat oder nicht.

Der Weltmarkt für den Cobas 6800 und seinen großen Bruder 8800 scheint leer gefegt zu sein. Zwar produziert Roche die mannshohen, weißen Diagnostikgeräte gerade unter Hochdruck in einem Werk im schweizerischen Zug. Doch spätestens seit der Pharmakonzern Mitte März von der US-Zulassungsbehörde die Genehmigung für einen extrem schnellen Coronavirus-Test bekam, übersteigt die Nachfrage das Angebot massiv.

Der neue Roche-Test läuft auf den Cobas-Geräten autonom, 1440 Tests pro Tag seien möglich (bei Cobas 8800 sogar 4128 pro Tag). Ergebnisse liegen in dreieinhalb Stunden vor – bislang soll das angeblich doppelt so lange gedauert haben. Roche-Chef Severin Schwan sprach von einem „Quantensprung“ gegenüber früheren Testverfahren.

Der Run auf die Cobas-Geräte brachte jetzt das Leibniz Lungenzentrum im Forschungszentrum Borstel (FZB) in den Fokus. Denn in der Klinik im Kreis Segeberg stand bis vor Kurzem das einzige noch käuflich zu erwerbende Cobas-6800-Gerät in ganz Deutschland. Wohlgemerkt stand. Mittlerweile ist es längst in Kiel. Beim Institut für Klinische Chemie und im Institut für Klinische Molekularbiologie am Universitätskrankenhaus Schleswig-Holstein. Das Wissenschaftsministerium hat das Gerät in Borstel für das UKSH gekauft. Der Preis? Unbekannt. Angeblich kosten Geräte wie das Cobas 6800 aber mehrere Hunderttausend Euro.

Cobas 6800 für Diagnose von Coronavirus eingesetzt

In Borstel wurde das Cobas 6800 für die Diagnose von multiresistenten Tuberkulose-Erregern eingesetzt. Das FZB ist in der Forschung zu dieser Lungenerkrankung eine der besten Adressen in Deutschland. „Die Lungenheilkunde in Schleswig-Holstein ordnet sich zurzeit neu. Dabei streben das UKSH Kiel und die Medizinische Klinik am Forschungszentrum Borstel eine noch engere Kooperation an“, sagt Professor Stefan Ehlers, Zentrumsdirektor am Leibniz-Lungenzentrum in Borstel.

Das FZB gebe aufgrund dieser kollegialen Zusammenarbeit das Cobas-6800-Gerät ans UKSH ab. „Zurzeit ist der Probendurchsatz für die Corona-Diagnostik höher als für die Tuberkulose. Dies ist ein Zeichen uneigennütziger Kooperation im Interesse der Corona-Diagnostik für das Land“, sagt Ehlers.

Für das UKSH ist der Kauf des Cobas 6800 aus Borstel ein großer Schritt in der Diagnostik des Coronavirus. Derzeit ist das Zentrallabor des UKSH auf einen Durchsatz von täglich bis zu 700 Tests ausgelegt, der durch das neue Gerät auf 1400 Tests pro Tag nun verdoppelt werde. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind im Norden seit Beginn der Coronakrise vor etwa fünf Wochen etwa 46.000 Labortests auf das Sars-CoV-2-Virus vorgenommen worden. Derzeit werden demnach im Land täglich etwa 2300 Labortests auf das Virus gemacht.

„Für die Verlangsamung der Ausbreitung von Sars-CoV-2 kommt dem Nachweis des Virus eine entscheidende Rolle zu. Dass wir in Deutschland gut aufgestellt sind, liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Labore gegenseitig unterstützen“, sagt Professor Ralf Junker, Ärztlicher Direktor des Diagnostikzentrums am UKSH, „wir sind dem Land Schleswig-Holstein für die Finanzierung dankbar, es hat damit die Voraussetzung geschaffen, kreative Lösungen in einer Situation zu finden, in der es deutschlandweit kein Gerät im Handel gibt.“

Der Roche-Schnelltest sei laut UKSH für den Hochdurchsatz in einem Krankenhaus nicht praktikabel. Ab sofort würden Geräte diverser Hersteller im Rund-um-die-Uhr-Dauereinsatz bis zu 1400 Tests täglich schaffen. Durch die Verwendung von Testsystemen unterschiedlicher Hersteller werde auch die Ausfallsicherheit erhöht.

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