Kreis Segeberg

SV Henstedt-Ulzburg bekommt große Geldprobleme

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Frank Best
Der Leiter der Geschäftsstelle des SV Henstedt-Ulzburg, Rosario Cassara, hält es für möglich, dass der mit 4700 Mitgliedern größte Sportverein im Kreis Segeberg unter den Rettungsschirm des Landes schlüpfen muss.

Der Leiter der Geschäftsstelle des SV Henstedt-Ulzburg, Rosario Cassara, hält es für möglich, dass der mit 4700 Mitgliedern größte Sportverein im Kreis Segeberg unter den Rettungsschirm des Landes schlüpfen muss.

Foto: Thorsten Ahlf

Dem größten Sportverein der Region drohen Einnahmeverluste von bis zu 100.000 Euro. Möglicherweise wird Soforthilfe beim Land beantragt.

Norderstedt. Der Sportbetrieb in Schleswig-Holstein ist stillgelegt. Komplett. Bis zum 19. April. Mindestens. Keine Punktspiele, kein Training, keine Kurse. Für die mehr als 2500 Vereine im nördlichsten Bundesland, die ihre Angestellten in vielen Fällen in Kurzarbeit schicken müssen, deren Betriebskosten weiterlaufen und die Beiträge einziehen, ohne dass sie ihren Mitgliedern das gewohnte Angebot bieten können, ein Albtraum…

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat auf die Situation reagiert und gemeinnützigen Sportclubs- und Verbänden, denen durch die Coronapandemie finanzielle Probleme entstehen, 12,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Vereine, die einen Liquiditätsengpass nachweisen können, sollen – basierend auf den Daten vom 1. Januar 2020 -- unbürokratisch eine Einmalzahlung in Höhe von 15 Euro pro Mitglied erhalten. „Unsere Sportvereine sind ein Eckpfeiler der Gesellschaft. Deshalb ist diese Unterstützung notwendig und selbstverständlich“, betonte der zuständige Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) in Kiel.

Die Ansage aus der Landeshauptstadt ist von den Vertretern der aus 22 Großvereinen bestehenden Interessen- und Arbeitsgemeinschaft Holsteiner Runde mit großem Interesse registriert worden. Besonders genau dürfte sich Rosario Cassara, der Leiter der Geschäftsstelle des SV Henstedt-Ulzburg, das Hilfsprogramm angeschaut haben. Denn der mit 4700 Mitgliedern größte Sportverein im Kreis Segeberg, dessen Etat für das Jahr 2020 schon vor der Krise „auf Kante genäht“ wurde, könnte zu den Clubs gehören, die unter den Rettungsschirm schlüpfen werden beziehungsweise müssen.

Vorerst fallen zwei Großveranstaltungen weg

Grund: Dem SVHU drohen geschätzte Einnahmen von 40.000 Euro aus zwei Großveranstaltungen wegzubrechen. „HU läuft“ ist auf den 11. September verlegt worden; ob der Volkslauf dann ausgetragen werden kann, steht in den Sternen. Und dass das für das Himmelfahrts- und das Pfingstwochenende angesetzte größte Jugendhandballturnier Norddeutschlands, der Ulzburg-Cup, wie geplant stattfindet, ist nach Stand der Dinge so gut wie ausgeschlossen.

Außerdem fehlt Geld aus den Gesundheitskursen, es gibt Probleme im Bereich des Sponsorings, Versicherungen und Verbandsabgaben müssen gezahlt, die Sportanlagen gewartet und instand gehalten, Kredite bedient werden. „Im schlimmsten Fall entstehen uns durch die Coronapandemie Verluste zwischen 80.000 und 100.000 Euro, sagt Cassara, „das lässt sich durch die Reduzierung der Personalkosten durch Kurzarbeit sowie die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen nicht kompensieren.“ Einen Antrag auf Soforthilfe durch die Landesregierung, der nach Aussage des Vorstands der Holsteiner Runde bis zum 30. Mai eingereicht werden müsste, wird der SV Henstedt-Ulzburg aber zurzeit noch nicht stellen. „Wir haben uns mit den anderen Clubs der Interessengemeinschaft darauf verständigt, dass wir die Lage noch beobachten und gegebenenfalls im Mai tätig werden“, betont Rosario Cassara.

Deutlich entspannter als beim SVHU ist die Lage bei den drei großen Norderstedter Vereinen TuRa Harksheide (4000 Mitglieder), Norderstedter SV (3100) und 1. SC Norderstedt (2000).

„Finanziell stehen wir vernünftig da, es gibt keinen Liquiditätsengpass. Unsere Sportler verhalten sich sehr solidarisch, beim Einzug der Beiträge zum 1. April hat es nur 25 Rückbuchungen gegeben“, sagt TuRa-Geschäftsführer Tobias Claßen, „deshalb hätten wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Chance, Geld aus Kiel zu bekommen. Trotzdem gibt es immer noch Fragen über Fragen.“ Um diese möglichst schnell zu klären, haben die Holsteiner Runde, zu der die Harksheider seit wenigen Wochen gehören, und der Landessportverband Schleswig Holstein eine Hotline eingerichtet.

Auch Steffen Liepold, Geschäftsführer des NSV, sieht seinen Club stabil aufgestellt. „Wir haben in der Vergangenheit solide gewirtschaftet und Rücklagen im sechsstelligen Bereich gebildet. Zwar kostet uns unsere Reitabteilung monatlich 20.000 Euro, doch wir können trotzdem einige Zeit ohne Hilfe über die Runden kommen.“

Liepold empfindet den Rettungsschirm der Landesregierung als ungerecht. „Mit dieser Lösung werden diejenigen bevorzugt, die in der Vergangenheit schlecht gewirtschaftet haben. Clubs wie der NSV sind dagegen in den Po gekniffen. Ich hätte mir ein anderes Modell gewünscht, um Vereinsmitglieder, die wegen der Coronakrise knapp bei Kasse sind, besser unterstützen zu könnnen.“

1. SC Norderstedt will Ende Juni Kassensturz machen

Für Frank Fröhlich, Geschäftsführer des 1. SC Norderstedt, ist Hilfe aus Kiel trotz der laufenden Fixkosten und diverser Einnahmeverluste wegen der Schließung des Sportparks Scharpenmoor zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls kein Thema. Er blickt – wie seine Kollegen Claßen und Liepold – indes nicht ganz ohne Sorgen dem 30. Juni entgegen.

„Erst nach diesem Termin ist ein aussagekräftiger Kassensturz möglich. Noch ist alles ruhig. Und dass uns die Stadt Norderstedt früher als im vergangenen Jahr die Zuschüsse für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie die Bewirtschaftung der Sportanlagen überwiesen hat, hilft ein Stück weiter. Aber wer weiß, wie unsere Mitglieder reagieren, wenn bis dahin der Sportbetrieb immer noch nicht richtig angelaufen ist? Sie könnten dann regulär kündigen. Und eine große Austrittswelle würde für uns fatale Folgen haben, denn wir sind auf die Beiträge angewiesen.“

Gänzlich gelassen gibt sich Bodo Wittmann, der Vorsitzende des vergleichsweise kleinen Glashütter SV. „Wir liegen stabil bei 1200 Mitgliedern, unsere Ausgaben sind bis auf Weiteres durch Einnahmen und Rücklagen gedeckt.“ Der GSV kann sich sogar den Luxus leisten, seine im Ruhemodus befindlichen 70 Übungsleiter weiterhin zu bezahlen. „Das ist durch die Vereinssatzung gedeckt. Und wir brauchen sie ja, wenn alles wieder hochgefahren wird“, so Wittmann.

Ein Problem in Zusammenhang mit der Coronakrise hat der GSV dann aber doch: Es gibt immer wieder Jugendliche, die sich nicht an die Regeln halten und trotz Verbots auf dem von der Poppenbütteler Straße aus einsehbaren Kunstrasenplatz Fußball spielen…

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