Norderstedt

Schwedischer Investor will Schülke & Mayr kaufen

| Lesedauer: 4 Minuten
Blick in die Produktion bei Schülke & Mayr in Noderstedt: Hier läuft das Desinfektionsmittel Octenisept vom Band.

Blick in die Produktion bei Schülke & Mayr in Noderstedt: Hier läuft das Desinfektionsmittel Octenisept vom Band.

Foto: Schülke & Mayr

Der Norderstedter Desinfektionsmittlerhersteller gehörte seit 1996 zu Air Liquide – Schülke-Chef begrüßt den Verkauf.

Norderstedt.  Dass der französische Industriegaskonzern Air Liquide den Desinfektionsmittelhersteller Schülke & Mayr GmbH in Norderstedt verkaufen möchte, wurde schon im November 2019 ruchbar. Mehr als eine Milliarde, so berichteten damals Insider, könnte der Verkauf des nicht mehr ins französische Portfolio passenden Norderstedter Unternehmens in die Kassen der Franzosen spülen. Nun ist es vollbracht.

In einem seit Monaten anhaltenden Bieterverfahren, das offenbar auch von der wütenden Coronapandemie zusätzlich befeuert wurde, hat sich offenbar der schwedische Finanzinvestor EQT AB als Sieger behauptet. Air Liquide bestätigte, dass man exklusive Verhandlungen über den Kauf von Schülke führe. Beobachter sagen, der Deal sei nur noch eine Formalie. Die etwa 600 Mitarbeiter von Schülke in Norderstedt und 1250 weltweit bekommen nun also einen neuen Eigentümer. Für das Unternehmen im Allgemeinen und den Standort Norderstedt im Speziellen scheint das eine gute Nachricht zu sein – zumindest wenn man den offiziellen Verlautbarungen des Unternehmens folgt.

Schülke-Chef Christian Last hat die Schweden bereits als neuen Partner ausdrücklich begrüßt. Die Investmentorganisation EQT habe starke Wurzeln und eine Basis in Deutschland. „EQT ist ein wachstumsorientierter Investor mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz bei der Entwicklung starker Unternehmen im deutschen Gesundheitssektor“, heißt es in einer Schülke-Mitteilung.

Kartellbehörden müssen dem Deal noch ihren Segen geben

„Nach Abschluss der möglichen Übernahme wird EQT die Schülke & Mayr GmbH bei der kontinuierlichen Entwicklung und dem Wachstum, auf Basis gemeinsamer und nachhaltiger Werte, unterstützen.“ In Norderstedt verspreche man sich dadurch einen Mehrwert für eine breite Palette von Interessengruppen: Profitieren würden sowohl die Investoren und Portfoliounternehmen, als auch ihre Mitarbeiter sowie die Gesellschaft.

Schülke betont, dass der Verkauf unter Vorbehalt stehe, schließlich gebe es noch keine endgültige Vereinbarung, und auch die „relevanten sozialen Prozesse einschließlich des laufenden Dialogs mit den Arbeitnehmervertretern“ seien noch nicht abgeschlossen. Auch die Kartellbehörden müssten dem Deal noch ihren Segen geben.

Auf den Hochbetrieb, unter dem das Unternehme gerade Desinfektionsmittel zur Bekämpfung des Coronavirus herstelle, hätten die Verhandlungen mit EQT keine Auswirkung. „Schülke wird seine Kunden weiterhin bestmöglich unterstützen und mit den benötigten Produkten versorgen.“ Die Produktion sei optimiert worden, im März habe sich die ausgelieferte Menge bei den am dringendsten benötigen Produkten mehr als verdoppelt. „Das gesamte Team von Schülke leistet in dieser herausfordernden Zeit großartige Arbeit.“

Die Firmengeschichte von Schülke & Mayr ist geprägt von wechselnden Eigentumsverhältnissen, Neugründungen und Auflösungen. 1886 gründeten Kapitän Rudolf Schülke und der Amsterdamer Kaufmann Julius Mayr die Firma. Mit Lysol und Sagrotan hatten sie echte Verkaufsschlager auf dem Desinfektionsmittelmarkt. Lange stand das Fabrikgebäude in Winterhude, produziert wurde im heutigen Goldbekhaus. 1963 zog das Unternehmen nach Norderstedt, 1982 trennte die Geschäftsleitung Verwaltung und Herstellung, die Bürokratie zog an die Heidbergstraße. Als 1996 der französische Konzern Air Liquide das Unternehmen übernahm, rückten die Firmenteile wieder zusammen. 1997 legte Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) den Grundstein für das neue Gebäude im Gewerbegebiet Glashütte, 1998 zogen die Mitarbeiter um. Ende 2009 wurde das neue Logistikzentrum eingeweiht.

Hauptgeschäft sind Hygiene und Desinfektion. Doch Wirkstoffe von Schülke & Mayr finden sich auch in Kosmetika, in Beton und im Diesel – auch im Kraftstoff bekämpfen sie mögliche Keime. Nicht nur die Produktpalette wurde kontinuierlich erweitert, auch geografisch weitete Schülke & Mayr seine Aktivitäten aus, heute hat das Unternehmen Standorte in China, Italien, Polen, Tschechien, Malaysia, der Schweiz, USA, Frankreich, Niederlanden, Singapur, Indien, Aus­tralien, Großbritannien und Österreich.

( abm/ms )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt