Quarantäne-Tagebuch

Erlaubt oder nicht erlaubt, das ist hier die Frage

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, schreibt hier jeden Tag aus der Quarantäne.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, schreibt hier jeden Tag aus der Quarantäne.

Foto: Wolfgang Klietz

Autovermietung ja, Autohändler nein – Welche Geschäfte in der Krise öffnen dürfen und welche nicht, scheint Jan Schröter recht willkürlich.

Kreis Segeberg.  In Niedersachsen sollen die Baumärkte auch für nicht-professionelle Kunden wieder geöffnet werden. In Hamburg unterliegen diese Geschäfte nämlich nicht der im Nachbarland praktizierten Einschränkung. Was zur Folge hatte, dass sich ein regelrechter „Baumarkt-Tourismus“ entwickelte. Heerscharen niedersächsischer Heimwerkerinnen und -werker mit akuten Do-it-yourself-Entzugserscheinungen entwickelten eine ganz eigene Form der Beschaffungskriminalität, indem sie die Corona-Präventionsverordnungen massenhaft durch bundeslandübergreifende Baumarkt-Beutezüge aushebelten. Für ein Päckchen Spax-Schrauben mal eben von Uelzen, Tostedt oder Buchholz nach Hamburg und zurück, solche Strecken legte man als Nikotinsüchtiger nicht mal in den 70ern für eine „Camel“ zurück.

Wenn irgendwo eine Lücke ist, gehen Menschen hindurch. Sogar, wenn sie auf der anderen Seite eigentlich gar nichts zu suchen haben. Vielleicht braucht mancher Niedersachse gar keine Schrauben. Aber allein die Vorstellung, dass es dort welche gibt und auf der eigenen Seite nicht, genügt meistens schon als Motivation. Und, ehrlich gesagt, erschließt sich auch nicht zwingend der Sinn einer Maßnahme, wenn irgendwo etwas verboten ist, was woanders erlaubt ist. Es gibt ja noch mehr coronabedingte Neuregelungen, die einen darüber ins Grübeln bringen, wieso sie eigentlich erlassen wurden. Autohändler müssen schließen, Autovermieter dagegen nicht. Dabei würde ich mein neues Auto doch nur selber fahren. Schon, weil ich darin optimaler vor hinterlistig lauernden Viren geschützt wäre als im voll besetzten Bus. Gut, mit dem Autohändler müsste ich während der Transaktion verhandeln, aber das ließe sich ja, ähnlich wie an der Supermarktkasse, mit einer Plexiglasscheibe regeln. Eisdielen dürfen zwar außer Haus verkaufen, der Kunde darf die Köstlichkeit aber nicht im Laden verzehren. Möglicherweise ist diese Regelung als Konjunkturhilfe gemeint. Denn nun ist der Kunde gezwungen, mit dem Eis in die Sonne zu treten. Die Kugel schmilzt dann so schnell, dass man nur die Hälfte davon verzehrt, während die andere Hälfte über die Klamotten tropft. Also muss man noch eine Kugel erwerben. Sind die Coronaregeln vielleicht sogar ein Produkt gezielter Lobby-Arbeit? Was stünde dann hinter der neuerdings geltenden Bestimmung, dass Friseursalons geschlossen bleiben müssen, Hundesalons jedoch keinerlei Einschränkung unterliegen? „Worüber denkst du nach?“, erkundigt sich meine Frau. Ich zucke ratlos mit den Achseln. Fahrradwerkstätten sind geöffnet, aber Fahrräder dürfen jetzt nicht verkauft werden. Friseurladen, Hundesalon, manches wird auf immer ein Rätsel bleiben.

„Meine Haare sind schon viel zu lang“, seufzt meine Gattin. Ich habe eine Erleuchtung. „Sag mal: Wuff!“ schlage ich vor.

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