Rätsel-Kolumne

Wer war der Kriegsgefangene, der mit dem Ball tanzte?

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. Im Denksport-Rätsel suchen wir heute einen Sportsmann, dessen Namen sicher auch viele Ungarn kennen.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, die Museen sind dicht, und mit den Kumpels vom Stammtisch können Sie sich auch nicht treffen. Was tun mit der ganzen freien Zeit? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir suchen jeden Tag den Namen einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


Nach einem Stadtbesuch urteilte Goethe in einem Brief an Frau von Stein: „Sie ist die Schönste, die wir gesehen haben.“ Das ist noch heute leicht nachzuvollziehen, denn im Kern bietet das Stadtbild den gleichen Anblick wie zu Goethes Zeiten. Entlang der mittelalterlichen Altstadtachse Marktgasse-Kramgasse-Gerechtigkeitsgasse liegen fahnengeschmückte Brunnen und historische Fassaden – Kramgasse 19 ist eine ehemalige Adresse Albert Einsteins. Lokale Spezialität sind die Laubengänge an den Gassenseiten. Sie entstanden, als einst der Stadtrat den Händlern und Handwerkern die Überbauung ihrer vor den Häusern liegenden Arbeitsplätze genehmigte. „Rohre“ nennt der Volksmund die tunnelartigen Arkaden, die auf der beträchtlichen Strecke von sechs Kilometern selbst bei schlechtestem Wetter einen Stadtbummel im Trockenen gestatten.

Die 60.000 Zuschauer, die sich am 4. Juli 1954 im städtischen Stadion befanden, standen in strömendem Regen, sofern kein Tribünenplatz sie schützte. Gebannt verfolgten sie den Kampf zweier Fußballmannschaften um die höchste Trophäe dieser Sportart. Das deutsche Team, als krasser Außenseiter ins Finale gelangt, spielte gegen Ungarn, die hoch favorisierte, seit vier Jahren ungeschlagene Wundermannschaft. Man spielte bereits in der zweiten Halbzeit, es stand 2:2, die Spannung war auf dem Höhepunkt.

Es war gleichermaßen der Höhepunkt in der langen Berufskarriere des deutschen Spielführers. Noch kurz vor dem Turnier hatten Kritiker moniert, er sei ausgebrannt, zu alt und könne die Mannschaft nicht mehr mitreißen – nun spielte er, als gelte es das Leben.

Neun Jahre zuvor galt dieser hohe Einsatz tatsächlich. Im Juni 1945 traf der kriegsgefangene Nationalspieler, gequält von einem Malariarückfall, auf dem Weg nach Sibirien im Durchgangslager Marmara-Szigett ein. Hier begann die Breitspur der sowjetischen Eisenbahn. Vor den Augen der auf einen Transportzug wartenden Gefangenen trugen Wachsoldaten ein Fußballmatch aus. Der Ball sprang dem Nationalspieler vor die Füße, und trotz Malaria und derber Militärstiefel begann er, damit zu jonglieren. Man forderte ihn zum Mitspielen auf. Er gab sein Bestes, ein Ungar erkannte den damals schon international berühmten Sportstar, und der Lagerkommandant entschied: Der Mann fährt nicht nach Sibirien. Und stellte ihm nach einiger Zeit sogar den Passierschein für die Rückkehr in die pfälzische Heimat aus.

In der 84. Spielminute schrien die Zuschauer im Stadion so laut, dass man es noch am Zytglogge-Turm in der Altstadt hören konnte. Die deutsche Mannschaft erzielte das dritte Tor, ein Radioreporter zelebrierte einen legendären Jubelschrei, und sechs Minuten später war der Außenseiter Weltmeister. Noch litten in Sibirien deutsche Kriegsgefangene, als Millionen Bundesbürger neben dem Wirtschaftswunder nun das Sportwunder feierten – vor allem den Mann, der durchnässt und fassungslos neben seinen erschöpften Kameraden stand, die Trophäe in der Hand.


Wie heißt der erste Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, und in welcher Stadt fand das WM-Finale 1954 statt? Die Lösung steht morgen im Abendblatt. In der Wochenendausgabe wollten wir wissen, wie der weltbekannte Bewohner einer imaginären Kleinstadt heißt: Es ist natürlich Donald Duck, der seit 86 Jahren in Entenhausen zu Hause ist.

( jasch )

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