Schröters Wochenschau

Die große Stille in der Segeberger Kalkbergarena

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, schreibt hier jeden Tag aus der Quarantäne.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, schreibt hier jeden Tag aus der Quarantäne.

Foto: Wolfgang Klietz

Trotz der Corona-Krise laufen die Vorbereitungen für den 500. Geburtstag von Heinrich Rantzau weiter. Warum? Die Festlichkeit findet 2026 statt.

Kreis Segeberg.  In der Stadt Bad Segeberg bereitet man Großes vor. Nein, nicht die jährlichen Karl-May-Festpiele – deren Stattfinden steht heuer noch in den Himmelskörpern des Sternzeichens „Corona“. Was man im Arbeitskreis „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ plant, findet auch erst in sechs Jahren statt. Bis dahin sollten sich hoffentlich jegliche Ausgangsbeschränkungen erübrigt haben. Andernfalls fiele unsere Zivilisation zurück auf Steinzeitniveau. Die Segeberger Bürgerinnen und Bürger würden vermutlich alle in der Kalkberghöhle hausen, Flintsteine bearbeiten und an Tierknochen herumschnitzen, um ihre Liebsten mit erotischen Fruchtbarkeitsamuletten zu beglücken. Das möchte keiner.

Zurück zum Arbeitskreis und dem löblichen Projekt „500 Jahre Heinrich Rantzau“. Nämlicher lebte von 1526 bis 1598, war Diplomat, Gelehrter, einstiger Amtmann von Segeberg und Statthalter gleich dreier Dänenkönige und gilt allgemein als bedeutendster Schleswig-Holsteiner aller Zeiten – abgesehen natürlich von Winnetou, der bekanntlich in Bad Segeberg verlässlich wiedergeboren wird.

Heinrich Rantzau feiert also in sechs Jahren seinen 500. Geburtstag. Nicht er selbst, logischerweise. Der Arbeitskreis wird ihn feiern, Rantzaus Nachkommen auf Gut Pronstorf und viele andere feiern sicherlich mit.

Rantzau-Arbeitskreis sammelt Spenden für eine Doktorarbeit

Ich feiere jetzt schon. Obwohl ich, Schande über mich, kaum mehr über Heinrich Rantzau weiß, als in seinem „Wikipedia“-Eintrag steht. Aber das kann ich ja noch ändern, indem ich noch ein bisschen mehr über diesen Mann lese. Der Arbeitskreis sammelt nämlich Spenden, um eine Doktorarbeit über Heinrich Rantzau zu finanzieren, die zum Jubiläum erscheinen soll und dann ganz bestimmt eine erleuchtende Lektüre zu diesem Thema ist.

Und genau diese typisch menschliche Neugierde feiere ich. Sich für etwas zu interessieren, was vor Jahrhunderten war, vor unserem Dasein. Es wird dadurch lebendig, wird bewahrt und interessiert so wohl auch in Zukunft die Menschheit. Zum Beispiel, wenn anno 2526 Heinrich Rantzaus 1000. Geburtstag ansteht.

Hoffentlich betreibt man die Archiv- und Recherchearbeit dann auch noch so akribisch wie heutzutage. Nicht, dass der Arbeitskreis „1000 Jahre Heinrich Rantzau“ schlecht sortiert ist und alles durcheinanderbringt. Sonst feiern die am Ende diesen Mann als Statthalter Karl Mays und Lehnsherren der Apatschen. Wobei, Hauptsache natürlich, es wird überhaupt mal wieder gefeiert. Ich frage mich, was wohl die Fledermäuse in der Kalkberghöhle von der momentanen Stille da draußen halten.

Wahrscheinlich wären die für etwas Lärm von einer Autobahn 20 ganz dankbar.