Rätsel-Kolumne

Der Vogelfänger und sein gefälschtes Gerippe

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. Im Denksport-Rätsel geht es heute um einen sächsischen Herzog, der zum König gekrönt wurde.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, die wöchentliche Gymnastikstunde im Sportverein ebenfalls, die Museen sind dicht, und mit den Kumpels vom Stammtisch können Sie sich vorerst auch nicht mehr treffen. Was tun mit der ganzen freien Zeit? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir suchen jeden Tag den Namen einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s – und viel Spaß beim Rätseln!


In manchen Gassen unterhalb des Schlossbergs ist die Simulation des Mittelalters nahezu perfekt. Wo auskragendes Fachwerk penetrant lärmenden Verkehrsmitteln den Weg über buckeliges Kopfsteinpflaster verlegt, wähnen sich Spaziergänger auf einer Zeitreise. Mehr als 1000 Fachwerkbauten stehen in der Stadt. Von dieser malerischen Kulisse gelten mehr als 300 Häuser als ausgewiesene „Baudenkmale von hervorragender Bedeutung“.

Prägendes Element der Stadtsilhouette ist die auf einem Sandsteinfelsen errichtete Burganlage mit der romanischen Stiftskirche. Als die heutige Stadt zu Beginn 10. Jahrhunderts erst aus einigen Hütten bestand, machte sich eines frühen Morgens ein sächsischer Herzog auf, zu Füßen des Felsens seinem Hobby zu frönen – dem Vogelfang. Statt gefiederter Beute erschien jedoch eine Reiterschar auf der Bildfläche. Ein traditionelles Schulbuchpoem beschreibt der Ereignisse Lauf: „Der Staub wallt auf, der Hufschlag dröhnt, es naht der Waffen Klang./‘Dass Gott! Die Herren verderben mir den ganzen Vogelfang.’“

Die Störenfriede erwiesen sich als Delegation der deutschen Fürsten mit der Mission, den herzoglichen Vogelfänger zum König zu krönen. Keine schlechte Wahl: Der neue König konsolidierte während seiner 17-jährigen Regentschaft die Innenpolitik des Reiches durch kunstvolle Anwendung militärischer Drohungen und ausgeklügelter Kompromisse. Auch außenpolitisch zeigte er Stärke. Das Sandsteinmassiv in seinem geliebten Vogeljagdrevier avancierte nach dem Ausbau der vorhandenen kleinen Burganlage zur Königspfalz zum Zentrum der Reichspolitik. Diese Tatsache bedeutete für den kleinen Ort unterhalb der Pfalz den wesentlichen Anstoß zur Stadtentwicklung.

Nach dem Tod des Königs wurde seine Leiche in der Pfalzkapelle beigesetzt. Irgendwann im stürmischen Verlauf der Jahrhunderte kamen die Gebeine abhanden – zum großen Bedauern des SS-Führers Heinrich Himmler, der in dem längst verblichenen Herrscher eine Symbolfigur sah und die bleichen Knochen gern zur großdeutschen Reliquie erklärt hätte. Da der 1000. Todestag des Königs anstand, griff Himmler zum probaten Mittel der Geschichtsfälschung. Bei eiligst initiierten Grabungen auf dem Schlossberg fand sich alsbald ein Gerippe, das die Nazis als angeblichen sterblichen Überrest des Sachsenherzogs feierlich zu Grabe trugen. Bis 1944 gedachte man alljährlich im Rahmen pompös-patriotischer Feierlichkeiten auf dem Schlossberg des historischen Königs am falschen Leichnam.


Wie hieß der gekrönte Vogelfänger, und in welcher alle Stilrichtungen des Fachwerkbaus vereinenden Stadt steht seine Königspfalz? Die Antwort können Sie morgen im Abendblatt nachlesen. Im Denksport-Rätsel am Mittwoch suchten wir nach dem griechischen Philosophen Sokrates und nach der Stadt Athen.

( jasch )

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