Kreis Segeberg

Anträge auf Kurzarbeit überfluten die Arbeitsagentur

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Andreas Burgmayer
Thomas Kenntemich, Leiter der Arbeitsagentur Elmshorn.

Thomas Kenntemich, Leiter der Arbeitsagentur Elmshorn.

Foto: Michael Schick

Aktuelle Zahlen in Norderstedt und dem Kreis zeigen noch nicht, was Corona in der regionalen Wirtschaft anrichtet.

Norderstedt.  Die Zahlen des Arbeitsmarktes für Norderstedt und den Kreis Segeberg muten fast nostalgisch an. Denn sie wurden von der Agentur für Arbeit in Elmshorn Mitte März erhoben, mitten in der „Frühjahrsbelebung“ und noch vor den ganz schweren Einschränkungen des öffentlichen Lebens. 2192 Arbeitslose gab es danach in Norderstedt, 43 weniger noch als einen Monat zuvor, die Arbeitslosenquote steht stabil bei 4,6 Prozent. Im Kreis Segeberg ist sie sogar gesunken, um 0,1 Prozent auf jetzt 4,3. Arbeitslos waren im Kreis 6574 Menschen, 158 weniger als im Februar.

Was Corona mit der Wirtschaft und den Arbeitnehmern macht, das wird man erst bei der nächsten Statistik in einem Monat ablesen können, sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Arbeitsagentur. „Die Coronakrise hat innerhalb weniger Tage unser Leben und unseren Alltag in einem nie dagewesenen Umfang verändert.“ Die aktuellen Rückmeldungen seiner derzeit an der Belastungsgrenze arbeitenden Kollegen belegen das. Die meisten Neu- und Wiedereinstellungen bleiben wegen der in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft aus. Die Zahl der Anträge auf konjunkturelle Kurzarbeit ist in den letzten beiden März-Wochen sprunghaft angestiegen. In den Kreisen Segeberg und Pinneberg, für die man in Elmshorn zuständig sei, wurden von den Unternehmen 2300 Anzeigen auf Kurzarbeit aufgrund der Coronakrise eingereicht.

Agentur bündelt ihre Kräfte beim Kurzarbeitergeld

„Die Anzeige-Flut traf uns praktisch von einem Tag auf den anderen. Wir haben sofort reagiert und das Kurzarbeitergeld-Team personell aufgestockt“, sagt Kenntemich. Mitarbeiter aus anderen Teams wurden umgeschult und stiegen in die Bearbeitung der Anzeigen und Abrechnungen ein. „Den Unternehmen wollen wir zeitnah eine Rückmeldung zu ihren Anträgen geben. Helfen können die Betriebe uns, wenn sie nach der Anzeige von wiederholten Nachfragen zum Bearbeitungsstand absehen. Meine Kollegen arbeiten mit Hochdruck daran, die notwendigen Rückmeldungen zu geben. Wir tun alles, um Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern!“, sagt Kenntemich.

Kurzarbeit hält der Arbeitsmarktprofi für das richtige Instrument. „Es kommt darauf an, Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Es ist vernünftig, dass die Unternehmen die Kurzarbeit so zahlreich in Anspruch nehmen.“ Die Beschäftigten bleiben in Lohn und Brot und die Arbeitgeber verlieren keine Fachkräfte. „Dies erlaubt den Unternehmen, den Betrieb nach der Krise schneller wieder anzufahren und vermeidet die Suche nach neuem Fachpersonal.“

Der Weg zum Kurzarbeitergeld bestehe aus drei Schritten: Beratung, Anzeige und monatliche Abrechnung. Unternehmen nehmen Kontakt mit der Agentur für Arbeit (0800/455 55 20, 8 bis 18 Uhr) auf und schildern ihren Fall. Wenn die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld erfüllt sind, folgt die schriftliche Anzeige bei der Arbeitsagentur. Aktuelle Informationen, Erklärvideos, Merkblatt und Vordrucke gibt es online unter www.arbeitsagentur.de.

Die Anzeige ist mit wenigen Angaben ausgefüllt und kann dann sofort online oder postalisch übermittelt werden. Nach der Förderzusage werden monatlich die tatsächlich entstandenen Ausfallzeiten abgerechnet.

Thomas Kenntemich: „Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur und der Jobcenter sind hochmotiviert und tun alles, um den Menschen, die um Arbeitsplatz oder Berufsexistenz bangen, schnell und unbürokratisch die zugesagten Hilfen zukommen zu lassen.“ Wer sich neu arbeitslos melden muss, macht dies über die eServices (www.arbeitsagentur.de/eservices) oder telefonisch. Das elektronische Serviceangebot (eService) bietet die Möglichkeit, bequem von zu Hause und rund um die Uhr viele Angelegenheiten online zu erledigen. So ist es beispielsweise möglich, sich arbeitssuchend zu melden, die eigenen Daten in der Jobbörse zu pflegen oder Vermittlungsvorschläge zu erhalten. Ein Antrag auf Arbeitslosengeld lässt sich ebenfalls online stellen, und beim Ausfüllen wird der Nutzer interaktiv begleitet. Kenntemich: „Wir sind weiter für unsere Kunden da, auch wenn wir die persönlichen Gespräche auf ein Minimum reduzieren mussten. Online, telefonisch und postalisch bleiben wir erreichbar.“

Die Arbeitsagentur Elmshorn hat für Arbeitnehmer-Fragen aus dem Kreis Segeberg zusätzlich zum Servicecenter mit der Nummer 0800/455 55 00 (kostenfrei) eine lokale Servicerufnummer 04121/48 01 00 freigeschaltet. Für Arbeitgeber bleibt es bei der bekannten Nummer 0800/455 55 20. Beide sind von Mo–Fr, 8.00–18.00, zu erreichen.

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