Rätsel-Kolumne

Der Mann konnte einem ganz schön auf den Geist gehen

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel geht es heute um einen Philosophen der Antike, der nichts Schriftliches hinterlassen hat, aber trotzdem weltbekannt ist.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, die wöchentliche Gymnastikstunde im Sportverein ebenfalls, die Museen sind dicht, und mit den Kumpels vom Stammtisch können Sie sich vorerst auch nicht mehr treffen. Was tun mit der ganzen freien Zeit? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir suchen jeden Tag den Namen einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s – und viel Spaß beim Rätseln!


Während raue Germanenfürsten in Streitfällen schlagend mit Keulen und dem Recht des Stärkeren argumentierten, debattierte man an einem weiter südöstlich gelegenen Ort feinsinnig über Ethik und entwickelte das Prinzip der Demokratie. Trotz der Diskussionsfreude bewies man hier jedoch in Fragen der Außenpolitik große Entschlossenheit. Teilnahme an Feldzügen war Bürgerpflicht. Das galt auch für den gelernten Bildhauer und stadtbekannten Philosophen, der mehrere Jahre seines Lebens als gemeiner Fußsoldat verbrachte. So entwickelte sich die Stadt zum Mittelpunkt der antiken südeuropäischen Welt.

Große Kulturen hinterlassen zahlreiche Trümmer. Im innersten Ring der heutigen Großstadt nehmen Grundstücksbesitzer nur ungern größere Erdbauarbeiten vor – das Risiko, die Baustelle im Fall eines archäologischen Zufallsfundes monatelang von forschungsfreudigen Wissenschaftlern blockiert zu sehen, ist immens. Trotzdem gelang es seit 1931, nach der Umsiedlung von 5000 Einwohnern und dem Abriss ihrer Häuser, das Gelände der historischen Altstadt freizulegen.

Hier lebte der 469 v. Chr. geborene Bildhauers, Philosoph und Fußsoldat. Mit zunehmendem Lebensalter beschäftigte er sich ausschließlich mit Philosophie – zum Leidwesen seiner Frau, die dem Denker derartige Szenen lieferte, dass ihr Name noch heute als Synonym für zankende Gattinnen gebräuchlich ist.

Die Frau war allerdings nicht die einzige Person, der die Tätigkeit ihres Gatten auf den Geist ging. Viele Mitbürger fühlten sich von ihm provoziert. Er lief stets im selben Mantel herum – meist barfuß –, suchte den Kontakt zum gemeinen Volk und bezweifelte regelmäßig in der Öffentlichkeit die Kompetenz hochrangiger Persönlichkeiten. Dabei bevorzugte er eine bestimmte Gesprächstechnik: Durch die einleitende Feststellung, er selbst wisse nichts, brachte er sich vermeintlich in die Defensive, um dann durch bohrende Fragen die Unwissenheit des Gegners zu entblößen. Dass viele dieser Dialoge die Jahrtausende überdauerten, ist ein Verdienst seiner als Chronisten tätigen Schüler. Von seiner Hand ist kein schriftliches Zeugnis überliefert.

Auf dem Trümmerfeld der einstigen Stadt besichtigen heute Touristen die alten Fundamente einer Schusterwerkstatt. Hier diskutierte der Denker im Kreise seiner Schüler. Der Grundriss des ehemaligen Staatsgefängnisses, nur wenige Meter vom Schusterhaus entfernt, markiert die letzte Lebensstation des Philosophen: Der 70-Jährige hatte einflussreiche Mitbürger zu einer Klage und das daraufhin tagende Gericht zur Verhängung des Todesurteils provoziert – man reichte ihm einen Schierlingsbecher.

An den steinernen Resten seiner Wirkungsstätten nagt der Smog. Diese moderne Zivilisationsgeißel fordert in der Stadt alljährlich vor allem während der sommerlichen Hitze zahlreiche Todesopfer.


Wie heißt der Philosoph, dessen Lehre primär in seiner eigenen Person bestand? Und wie heißt die Stadt, in deren sprichwörtlichen „Dunstkreis“ mittlerweile annähernd jeder zweite Landesbürger wohnt?

Die Antwort können Sie morgen im Abendblatt lesen. In der gestrigen Ausgabe fragten wir nach der Wissenschaftlerin, die eine internationale pädagogische Bewegung ins Leben rief. Es war Maria Montessori, und der Stadtteil San Lorenzo gehört zu Rom!

( jasch )

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