Kreis Segeberg

Gewerkschaft fordert Schutzschirm für Köche und Kellner

Berlin: Gastronomie-Stühle stehen hochgeklappt an einem Haus. Wegen der Corona-Krise haben Restaurants aktuell geschlossen.

Berlin: Gastronomie-Stühle stehen hochgeklappt an einem Haus. Wegen der Corona-Krise haben Restaurants aktuell geschlossen.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Corona-Krise – Die NGG kritisiert die Arbeitgeber im Gastrogewerbe, weil diese keinen Tarifvertrag über Kurzarbeit abschließen wollen.

Kreis Segeberg.  „Die Arbeitgeber des Gastgewerbes bekommen vom Staat Hilfen in Milliardenhöhe, entziehen sich aber ihrer sozialen Verantwortung und lassen ihre Beschäftigten im Regen stehen.“ Finn Petersen, stellvertretender Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Landesbezirk Nord, erhebt Vorwürfe gegen den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Schleswig-Holstein, weil der angesichts der Coronapandemie keinen Tarifvertrag über Kurzarbeit mit der NGG abschließen wolle. Der andere große Arbeitgeberverband der Branche, der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), der Unternehmen wie McDonald’s, Burger King, Starbucks oder Pizza Hut vertritt, habe gezeigt, was möglich ist. Mit dem BdS habe die NGG in der vorigen Woche einen Tarifvertrag zur Kurzarbeit abgeschlossen, mit Aufstockung auf 90 Prozent des Nettogehaltes und Kündigungsschutz von zwei Monaten nach der Kurzarbeit.

„Die Beschäftigten der Gastronomie brauchen jetzt einen Schutzschirm. Wer im Service einer Gaststätte, am Empfang oder in der Küche eines Hotels nur knapp über dem Mindestlohn verdient, kommt mit 60 Prozent Kurzarbeitergeld nicht über die Runden. Der wird seine Miete nicht zahlen und seine Familie davon nicht ernähren können“, befürchtet Petersen. Seit Jahren würden die Beschäftigten des Hotel- und Gaststättengewerbes aufgrund des Fachkräftemangels und chronischer Unterbesetzung am Limit arbeiten.

Der Hotel- Und Gaststättenverband weist die Vorwürfe zurück: „In dieser schwierigen Situation einen Tarifvertrag zu verlangen, ist äußerst unsensibel und für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Dehoga in Schleswig-Holstein.

Die Betriebe kämpften um ihre Existenz und bräuchten jetzt keine Grundsatzdiskussion über den Tarifvertrag, in dem Kurzarbeit nie ein Thema gewesen sei, weil in der Branche, im Unterschied beispielsweise zum wetterabhängigen Baugewerbe, immer voll gearbeitet werde. „Unabhängig vom Tarifvertrag melden natürlich jetzt auch Gastronomen und Hoteliers Kurzarbeit an, weil sie ihre Mitarbeiter für die Zeit nach den Einschränkungen durch die Coronakrise halten wollen“, sagt Scholtis. Die Forderung der Gewerkschaft, das Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent des Nettogehalts aufzustocken, sei aber unrealistisch: „Arbeitgeber, die das leisten können, brauchen keine staatliche Hilfe.“ Die Aussage der NGG, die Gastrobranche werde mit Milliardenbeträgen gefördert, sei nicht haltbar. Wie viel Geld die einzelnen Betriebe bekommen, stehe noch gar nicht fest.