Norderstedt
Kreis Segeberg

Schutzraum und Panzerglas für Segeberger Synagoge

Walter Blender, der hier in der Bücherei der Synagoge steht, ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg..

Walter Blender, der hier in der Bücherei der Synagoge steht, ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg..

Foto: Kullack, Lothar / Kullack

Um das jüdische Gotteshaus vor terroristischen Angriffen zu schützen, werden 90.000 Euro für ein Sicherheitskonzept investiert.

Bad Segeberg.  Die Sicherheit rund um das Jüdische Zentrum Bad Segeberg wird deutlich verstärkt. Rund 90.000 Euro werden in Sicherheitstechnik investiert, um die Synagoge am Jean-Labowsky-Weg vor terroristischen Angriffen zu schützen. Anlass für die Maßnahme ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Herbst vorigen Jahres. Am 9. Oktober hatte ein mit vier Schusswaffen und Dutzenden Sprengsätzen bewaffneter Mann (27) versucht, während des Gottesdienstes gewaltsam in die Synagoge einzudringen. Als das misslang, erschoss der von der Bundesanwaltschaft als rechtsextrem eingestufte Täter Stephan B. auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und einen 20 Jahre alten Mann in einem Dönerladen.

Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein hatte die jüdische Gemeinde Bad Segeberg nach dem Anschlag dazu aufgefordert, das Sicherheitskonzept für ihr Gebäude zu überarbeiten und die Pläne zügig umzusetzen. Im Oktober hat die Polizei bereits damit begonnen, ihre besonderen Sicherheitsvorkehrungen für die Segeberger Synagoge noch einmal zu verstärken.

Der Kindergarten auf dem Gelände wurde aus Sicherheitsgründen bereits Ende vorigen Jahres vorsorglich geschlossen. Die Kinder sind in einer anderen Einrichtung untergekommen. Die Arbeiten auf dem Gelände der Synagoge haben vor wenigen Tagen begonnen. „Die Bauarbeiten sind in vollem Gange“, sagt Walter Blender, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg dem Abendblatt. Der Umbau werde voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die Bibliothek der Synagoge wird zu einem hoch gesicherten Schutzraum umgebaut. Schusssichere Türen, vergitterte Fenster und schusssicheres Panzerglas sollen Eindringlinge fernhalten. Taschenkontrollen, eine Metallschleuse, Kameraüberwachung im und am Gebäude sowie eine Infrarot-Überwachung im Außenbereich gehören nach Angaben Blenders ebenfalls zum Sicherheitskonzept. Damit niemand ungehindert auf das Gelände vordringen kann, werden Übersteighindernisse an den Zaunanlagen installiert. Videoüberwachung im Außenbereich soll potenzielle Angreifer von vornherein abschrecken. Um freie Sicht zu bekommen, werden Büsche entfernt. Nähere Details zu den landesweiten Vorgaben der Polizei zum Schutz und zur Überwachung werden nicht genannt.

Die jüdische Gemeinde beziffert die Kosten für die Maßnahmen mit 90.000 Euro. Das Land Schleswig-Holstein hat 66.000 Euro bereitgestellt, der Kreis Segeberg beteiligt sich mit 24.000 Euro. Das hat der Kreistag mehrheitlich beschlossen: 50 Abgeordnete stimmten für den Beschluss – fünf Abgeordnete der AfD-Fraktion enthielten sich.

Neben der Synagoge in Bad Segeberg werden weitere Synagogen im Norden mit neuer Sicherheitstechnik ausgestattet – in Ahrensburg, Elmshorn, Pinneberg, Kiel und in Lübeck. Doch im Unterschied zu Segeberg finden dort auch fünf Monate nach dem Anschlag von Halle bisher keine Baumaßnahmen statt. „Wir haben die beiden jüdischen Landesverbände unmittelbar nach dem Anschlag gebeten mitzuteilen, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit ihrer Einrichtungen notwendig sind. Das haben sie getan“, sagte Patricia Zimnik, Sprecherin des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums.

Die Landesregierung habe sofort 320.000 Euro bereitgestellt, damit alle Maßnahmen unverzüglich umgesetzt werden könnten, so die Sprecherin. „Die Gemeinden entscheiden selbst, wann sie mit

welchen Maßnahmen beginnen.“ Zum Teil würden anstehende Sicherheitsmaßnahmen in geplante Bauarbeiten integriert, so Zimnik. „Wir sind darüber mit den Gemeinden im engen Austausch.“ Unterdessen schreiten die Arbeiten in Bad Segeberg sichtbar voran. Die Sicherheit des Gotteshauses bleibt auch während des Umbaus gewährleistet. „Die jüdischen Einrichtungen in Schleswig-Holstein stehen ohnehin im besonderen polizeilichen Fokus“, sagt Lars Brockmann, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg.

Auch wenn aktuell keine Bezüge des Tatgeschehens von Halle nach Schleswig-Holstein erkennbar seien und keine konkrete Gefährdung bestehe, seien die erforderlichen polizeilichen Maßnahmen intensiviert worden und dauerten an. Bisher habe es keine Auffälligkeiten gegeben, so Brockmann. „Zu Polizeieinsätzen ist es an der Synagoge in Bad Segeberg nicht gekommen.“