Norderstedt
Kreis Segeberg

Corona-Krise – Zu Hause eine Familienandacht halten

Aufgrund der Corona-Krise sind alle Gottesdienste in Kirchen abgesagt. Alternativ können Andachten und Gottesdienste auch zu Hause gefeiert werden.

Aufgrund der Corona-Krise sind alle Gottesdienste in Kirchen abgesagt. Alternativ können Andachten und Gottesdienste auch zu Hause gefeiert werden.

Foto: Jens Schulze / epd

Der Norderstedter Pastor Eckhard Wallmann unterstützt alle, die in der Corona-Krise eine alte Tradition neu interpretieren wollen.

Norderstedt.  Die Kirchen sind geschlossen – Gottesdienste fallen bis auf Weiteres aus. Doch gerade in Krisenzeiten suchen viele Menschen Halt im Glauben und innere Einkehr. Eine Alternative zum Gottesdienst kann in diesem Falle eine sogenannte Familienandacht sein. Eckhard Wallmann, evangelischer Pastor in Norderstedt, erklärt, wie eine Andacht zu Hause funktioniert.

,,Familienandachten haben eine sehr alte Tradition“, sagt Wallmann. Im 19. Jahrhundert gehörte die Andacht in frommen Kreisen dazu. ,,Morgens kamen alle zur Morgenandacht zusammen. Diese Tradition können wir heute wieder aufgreifen und sie neu interpretieren.“

Jeder in der evangelischen Kirche könne predigen. Und jeder in der evangelischen Kirche könne sogar notfalls taufen, betont der Geistliche. Für eine Familienandacht brauche es nicht viel: Man nehme zum Beispiel die tägliche Losung, gegebenenfalls eine Kerze – und benötige fünf bis zehn Minuten Zeit.

Aber was ist überhaupt eine Losung? ,,Losungen sind Bibelverse, die seit gut 200 Jahren für jeden Tag ausgelost werden“, erklärt Eckhard Wallmann. ,,Losungen geben einen Impuls zum Nachdenken. Viele Christen lesen jeden Tag in den Losungen.“ Die Verse sind im Internet auf der Seite www.losungen.de abrufbar oder werden auf Wunsch täglich per E-Mail auf das Smartphone gesendet.

,,Bei der Familienandacht kommen Eltern und Kinder zusammen. Zum Beispiel vor oder nach dem Mittagessen“, sagt der Pastor. Als Erstes liest ein Elternteil eine Losung vor. Und äußert anschließend seine Gedanken zu dem Bibelvers, die idealerweise mit einem Dank an Gott verbunden werden.

„Wichtig ist, dass man sich schon vorher ein paar Gedanken zu der Losung gemacht hat“, rät der Pastor. Ebenso wichtig sei es, dass Mutter und Vater sich einig sind und beide die Andacht wollen.

Nach der Losung wird gebetet. Dabei kann jedes Familienmitglied Bitten und Wünsche äußern. Die Andacht endet mit dem gemeinsamen Vaterunser und mit dem Segen ,,Gott behüte Dich“. Eine brennende Kerze kann die Familienandacht als Ritual wirkungsvoll unterstützen.

Aber ist es nicht peinlich, wenn sich die Familie zum ersten Mal zu einer Andacht zusammen an einen Tisch setzt? ,,Ja, es kann peinlich sein, wenn man ungeübt ist“, sagt der Pastor. ,,Das ist aber nichts Schlimmes. Die Peinlichkeit lässt sich durch praktische Erfahrung überwinden.“

Eine Familienandacht könne den Tag strukturieren. ,,Man könnte zum Beispiel am Sonntag um 10 Uhr damit beginnen“, sagt der Pastor. ,,Die Form der Andacht ist frei. Wer will, kann auch singen. Abends passt zum Beispiel ,Der Mond ist aufgegangen’.“