Norderstedt
Kreis Segeberg

Kunden sollen verzichten – damit andere überleben können

Unterstützt die IHK-Aktion: Fitness-Unternehmer Cyrus A. Rahman (v.) freut sich mit seinem Team über die Solidarität der Kunden.

Unterstützt die IHK-Aktion: Fitness-Unternehmer Cyrus A. Rahman (v.) freut sich mit seinem Team über die Solidarität der Kunden.

Foto: IHK SH

Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein startet eine Hilfsaktion für Unternehmen, Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige.

Kreis Segeberg.  „Lieber FAIRzichten als verzichten“: Damit Kulturstätten, Fitnessstudios, Restaurants, Campingplätze und somit ein Teil der Wirtschaft nicht dauerhaft verloren gehen, hat die IHK Schleswig-Holstein die Initiative „Wir FAIRzichten“ ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: Verbraucher können mit einem Onlineformular ganz einfach und unbürokratisch auf einen Teil ihrer gesetzlichen Erstattungsansprüche verzichten.

„Viele Unternehmen leiden massiv unter dem Coronavirus und mehr noch unter den Maßnahmen zu dessen Eindämmung. Wir spüren aber, dass die Solidarität bei den Verbrauchern gerade jetzt zunimmt. Unsere Initiative soll den betroffenen Unternehmen in ihrer bedrohlichen Situation unbürokratisch helfen, indem ein Teil ihrer Geschäftsausfälle solidarisch aufgefangen wird“, sagt Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein.

Tickets für ein abgesagtes Konzert? Oder der schon gezahlte Monatsbeitrag im Fitnessstudio? Die Plattform bietet in vielen Fällen die Möglichkeit, Betriebe ganz einfach mit einem freiwilligen Verzicht zu entlasten. „Kunden können möglicherweise einmalig auf 10, 50 oder sogar 100 Prozent einer Rückzahlung verzichten. Für die Unternehmen können unabhängig von Größe und Branche derzeit aufgrund der gesetzlichen Risikoverteilung allerdings schnell existenzbedrohende Situationen entstehen“, sagt Ipsen.

Cyrus A. Rahman, Inhaber von Bodystreet, einem Studio für Elektrostimulationstraining in Kiel, steht exemplarisch für viele Unternehmen im Land. Er spürt die Solidarität seiner Mitglieder: „Wir ziehen wochenweise bei unseren Kunden einen Mitgliedsbeitrag ein. Da wir als kleiner Betrieb bei einer Schließung pro Woche rund 5000 Euro verlieren, hätte es nur zwei bis vier Wochen gedauert, bis wir finanzielle Schwierigkeiten bekommen hätten oder endgültig schließen müssten.“ Doch 95 Prozent der Mitglieder würden auf eine Rückerstattung verzichten, freut sich Rahmann.

Gerade Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige bekommen die Krise zu hart zu spüren. Der selbstständige Fotograf Fabian Frühling ist jedoch beeindruckt, welche Unterstützung ihm die Kunden entgegenbringen: „Projekte werden vorgezogen, Ausfälle und Absagen werden kompensiert, auf Forderungen wird verzichtet.“ Das Prozedere ist einfach: Verbraucher geben auf der Internetseite alle relevanten Daten ein und bestimmen die Höhe des Verzichts. Im Anschluss generiert die Webanwendung ein Dokument und leitet es automatisch an eine angegebene E-Mail-Adresse des Unternehmens weiter.

Mehr unter www.wir-FAIRzichten.de