Norderstedt
Kiel/Ellerau

Dreister Porsche-Dieb zu fünf Jahren Haft verurteilt

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Kieler Landgericht (Symbolbild).

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Kieler Landgericht (Symbolbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Der international aktive Täter muss 200.000 Euro an die Opfer zurückzahlen. Eine gestohlene Kreditkarte wurde zum Verhängnis.

Kiel/Ellerau.  Wegen Einbruchsdiebstahls bei einer Unternehmerfamilie in Ellerau hat das Kieler Landgericht einen vorbestraften Mann aus Lettland zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Indizien überführten den 39-Jährigen als Dieb eines Porsche Panameraund eines Fiat Wohnmobils. Die Verteidigung hatte trotz erdrückender Beweislage Freispruch gefordert und legte Revision ein.

Der Luxussportwagen und das Wohnmobil im Gesamtwert von 200.000 Euro verschwanden in der Nacht zum 5. August 2019 spurlos vom Grundstück der Besitzer. Die sechsköpfige Familie schlief friedlich in ihrer Villa, als mindestens drei Autodiebe den Abtransport des Fuhrparks vorbereiteten. Ein Täter muss zwei Komplizen als Fahrer zum Zielort chauffiert haben.

Die Einbrecher hatten leichtes Spiel: Die Schlüssel der Fahrzeuge lagen abholbereit im Eingangsbereich des Hauses. Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten, dass er eine der dort eingesteckten EC-Karten mit beiliegender PIN-Nummer noch in derselben Nacht am nächsten Geldautomaten eingesetzt hatte. Beim Abheben der Scheine filmte ihn die Überwachungskamera.

Die Opfer-Familie fühlt sich in ihrem Haus nicht mehr sicher

Gegen den 39-Jährigen sprach zudem, dass sein Handy in der Funkzelle des Tatorts eingeloggt war. Dies galt auch für einen weiteren Einbruch in Scharbeutz. Als der 39-Jährige bei einem Ladendiebstahl festgenommen wurde, hatte er noch die Fahrzeugpapiere des Porsche bei sich. Auf seinem Handy stellte die Polizei Foto- und Videoaufnahmen weiterer Zielobjekte bis hin zur Hamburger Elbchaussee sicher. Sein Smartphone dokumentiert eine Verfolgungsfahrt zum Ausspähen weiterer hochwertiger Fahrzeuge.

Beim Ellerauer Einbruch stahlen die Männer auch 7500 Euro Bargeld und ein Apple MacBook. Das Angebot der Strafkammer, als Gegenleistung für ein Geständnis maximal vier Jahre Haft zu verhängen, hatte der Angeklagte zu Prozessbeginn im Januar ausgeschlagen. Am Ende ging das Gericht noch zwei Monate über den Antrag des Staatsanwalts hinaus. Der Angeklagte muss den Wert des Diebesgutes in Höhe von 200.000 Euro zurückzahlen.

Strafschärfend wirkten sich eine einschlägige Haftstrafe in Schweden und die Traumatisierung der geschädigten Familie aus, die sich seit dem Einbruch in ihrem Haus nicht mehr sicher fühlt und einen Ortswechsel in Erwägung zog. Wegen ähnlicher Tatvorwürfe haben die Behörden in Lettland die Auslieferung des 39-Jährigen beantragt.