Norderstedt
Norderstedt

Coronavirus: Flüchtlingshilfe läuft nur noch per Telefon

Ilka Bandelow, Vorsitzende des Norderstedter Willkommen-Teams, hält telefonisch Kontakt zu Familien.

Ilka Bandelow, Vorsitzende des Norderstedter Willkommen-Teams, hält telefonisch Kontakt zu Familien.

Foto: BIANCA BOEDEKER / Bianca Boedeker

Das Willkommen-Team Norderstedt stellt seine Tätigkeiten weitgehend ein. Die Stadt sieht keine Gefährdung der Unterkünfte.

Norderstedt. Die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie haben auch auf die Flüchtlingshilfe und die Unterstützung von Obdachlosen große Auswirkungen. So hat das Willkommen-Team Norderstedt, das normalerweise Flüchtlinge mit offenen Armen empfängt, seine Angebote eingestellt und das Büro geschlossen. Deutschunterricht, Nachhilfe, Spielerunden und sämtliche andere Aktivitäten entfallen. „Wir haben unseren Mitgliedern schon vor einer Woche empfohlen, alle Kontakte aus Sicherheitsgründen einzustellen“, sagt die Vorsitzende Ilka Bandelow.

Das Willkommen-Team, das derzeit rund 170 Mitglieder zählt, besteht überwiegend aus Menschen im Rentenalter. Für sie ist das Coronavirus besonders gefährlich. Genau wie Bandelow tauschen sie sich deshalb telefonisch mit vielen Flüchtlingsfamilien aus. „Ich gebe wichtige Informationen zum Virus an über 50 Geflüchtete weiter. Mit vielen bin ich privat befreundet. Natürlich halte ich Kontakt“, sagt sie.

Für die Menschen in den Unterkünften – stadtweit gibt es zwölf – sei es schwer, direkte Kontakte zu vermeiden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. „Sie wohnen häufig mit sechs bis acht Personen in einer Wohnung“, berichtet Bandelow. Auch die Geflüchteten in Norderstedt würden die aktuellen Nachrichten verfolgen und hätten Angst. „Aber alle haben verstanden, worum es geht und dass die Maßnahmen gerade wichtig sind.“ Telefonisch bleibt das Willkommen-Team unter der Nummer 0162/746 14 80 erreichbar.

In den Unterkünften werden die geltenden Einschränkungen übersetzt verteilt und ausgehängt. „Der Großteil der Unterkünfte besteht aus Einheiten mit Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit eigenen Sanitär- und Küchenräumen“, so Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Gemeinschaftsräume sind die Ausnahme. Das gilt auch für die durch das Diakonische Werk betreute Obdachlosenunterkunft am Langenharmer Weg, wo es überwiegend Einzelwohnungen und nur im Altbau Gemeinschaftsbereiche gibt. Die Tagesaufenthaltsstätte am Herold-Center ist geschlossen, allerdings erfolgt eine Ausgabe von Mittagessen.

In Kaltenkirchen gibt es laut Bürgermeister Hanno Krause keine Probleme, die vorgegebenen Kontaktbeschränkungen einzuhalten. Ein Teil der Flüchtlinge ist in 48 Wohnungen am Kamper Stieg untergebracht, es gibt dort keine Gemeinschaftsküchen oder -badezimmer. Auch in den 40 Wohncontainern hinter dem Festplatz leben die Geflüchteten allein oder innerhalb ihrer Familien.

Ähnlich sieht die Lage in Bad Bramstedt aus. Hier sind die Flüchtlinge vorwiegend in angemieteten Wohnungen sowie in einem städtischen Objekt am Tegelbarg untergebracht. Sie wurden von der Stadt mit reichlich Infomaterial zum Coronavirus versorgt.

In Henstedt-Ulzburg leben derzeit 291 Geflüchtete in Immobilien der Gemeinde. In der zentralen Unterkunft am Kirchweg sind derzeit 23 Personen, darunter auch Obdachlose, untergebracht. Hier hat jede Wohnung eine eigene Küchenzeile und ein eigenes Bad, Desinfektionen sind laut Verwaltung nicht notwendig. Die Flüchtlingskoordinatoren der Gemeinde und weitere Helfer sorgen dafür, dass die öffentlichen Informationen verbreitet werden – weitere Möglichkeiten, das zu optimieren, werden derzeit geprüft.

Der Kreis Segeberg nutzt seine mehrsprachige „Integreat“-App, um alle wichtigen Hinweise zum Coronavirus weiterzuvermitteln. Dort sind alle Verhaltensmaßgaben hinterlegt, über Push-Nachrichten werden Nutzer auf neue Entwicklungen hingewiesen.