Norderstedt
Corona-Krise

Frauenhaus Norderstedt rechnet mit erhöhter Nachfrage

Eine junge Frau steht in einem Zimmer eines Frauenhauses. Die Einrichtungen rechnen mit einer erhöhten Nachfrage durch das Corona-Virus.

Eine junge Frau steht in einem Zimmer eines Frauenhauses. Die Einrichtungen rechnen mit einer erhöhten Nachfrage durch das Corona-Virus.

Foto: Peter Steffen / dpa

Häusliche Gewalt: Frauen und Kinder sind während der Corona-Krise gefährdet, da sich das Leben vor allem Zuhause abspielt.

Norderstedt.  Derzeit spielt sich das Leben in vielen Familien und Partnerschaften fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden ab. Was gegen das Coronavirus schützen soll, bringt einige Frauen und ihre Kinder in Gefahr: Experten befürchten während der Corona-Pandemie einen Anstieg von häuslicher Gewalt. „In den letzten Tagen haben wir keine Anfragen bekommen“, berichtet Anita Brüning, die das Frauenhaus in Norderstedt leitet. Allerdings rechnet sie damit, dass viele Hilferufe erst noch kommen werden.

„Nicht an Weihnachten direkt erhalten wir Anfragen von Frauen, sondern erst danach“, sagt Brüning. Weihnachten verbringe man besonders viel Zeit mit der Familie, deshalb steige das Risiko von häuslicher Gewalt, erklärt sie. „Die Frauen wollen ihren Kindern das Weihnachtsfest nicht verderben, deswegen melden sie sich erst danach bei uns.“ Ein ähnliches Verhalten erwartet sie auch in der Corona-Krise. „Wenn Frauen Gewalt erleben, entscheiden sie nicht sofort zu gehen. Sie brauchen oft eine lange Zeit, um sich zu entscheiden“, sagt Brüning.

Im Frauenhaus Norderstedt sind derzeit alle 28 Plätze belegt. Die Häuser in ganz Schleswig-Holstein sind voll. Um bei einer erhöhten Nachfrage reagieren zu können, führt das Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung von Schleswig-Holstein derzeit Gespräche mit den Einrichtungen. Die Unterbringung in Hotelzimmern oder die Aufteilung der Frauen auf andere Bundesländer könnten mögliche Lösungen sein. Das Ministerium hat den Frauenhäusern jedenfalls seine Unterstützung zugesichert, auch finanziell.

Das Norderstedter Frauenhaus ist auf Corona-Fälle in der Einrichtung vorbereitet und hat bereits Vorkehrungen getroffen. Da die Küche gemeinsam genutzt wird, wurden Kochzeiten eingeführt, damit so wenig Frauen wie möglich aufeinandertreffen. Die Mitarbeiter haben sich in zwei Gruppen aufgeteilt. So bliebe die Versorgung der Frauen auch im Quarantäne-Fall gesichert.

Kreis Segeberg präzisiert die Ausgangsbeschränkungen

34 Infizierte Die Kreisverwaltung Segeberg meldet im Vergleich zu Montag vier neue Fälle von bestätigten Corona-Infizierungen im Kreisgebiet. Die Gesamtzahl steigt auf 34. Bei zwei Personen handelt es sich um Reiserückkehrer mit wenigen Kontaktpersonen, die alle ermittelt und abgesondert wurden. Bei zwei Personen ist die Infektionsquelle unklar. Beide sind in häuslicher Isolation. Kontaktpersonen gab es keine. Derzeit sind 544 bestätigte Fälle in Schleswig-Holstein gemeldet, davon sind 50 Personen in klinischer Behandlung. Zwei Menschen starben an den Folgen der Infizierung.

Nur noch zwei Präzisiert wurden vom Kreis die Ausgangsbeschränkungen. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet. Der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche,Teilnahme an Sitzungen, Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft bleiben weiter möglich. Private Partys oder Feiern bleiben verboten. Es drohen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren und Geldstrafen.

Nachbarschaftshilfe Christina Juhl, Jan Brüggemann und Bernd Tietjens haben „ellerauhilft“ gegründet. Sie wollen über www.ellerauhilft.de Kontakt zwischen ehrenamtlichen Helfern und Hilfesuchenden in der Gemeinde vermitteln. „Auf unseren Aufruf bei Facebook haben sich in sehr kurzer Zeit mehr als 15 Ellerauer bereiterklärt, beim Einkaufen und Gassigehen zu helfen oder Wege zur Post und Apotheke zu übernehmen.“ Helfer oder Hilfesuchende können sich über die Internetseite, unter 01520/630 05 20, per E-Mail an team@ellerauhilft.de oder schriftlich bei Bernd Tietjens, Berliner Damm 25, 25479 Ellerau, melden.

Holstenstraße gesperrt Damit in Corona-Zeiten der Wochenmarkt in Kaltenkirchen genug Platz für Sicherheitsabstände zwischen Händlern und Kunden hat, verfügte Bürgermeister Hanno Krause am Dienstag, dass ab dem 28. März sonnabends zwischen 5 und 14 Uhr die Holstenstraße teilweise gesperrt wird.

Kirchen rufen zu gemeinsamer Gebetsaktion auf

Die Kirchengemeinden Henstedt-Ulzburgs – St. Petrus Henstedt-Rhen, die Kreuzkirche Ulzburg und die Erlöserkirche Henstedt – laden unter dem Motto „Wir halten uns fern und sind für einander da – Licht der Hoffnung!“ alle Menschen dazu ein, jeden Abend um 19 Uhr zuhause eine Kerze oder ein Licht ins Fenster zu stellen als Licht der Hoffnung und ein Gebet, beispielsweise das Vaterunser, zu sprechen.

Gemeinsam könne für Kranke, Einsame und alle beteiligten und betroffenen Personen oder auch für Henstedt-Ulzburg, für unser Land oder die ganze Welt gebetet werden. „So betet jeder Haushalt für sich, doch beim gemeinsamen Gebet wissen sich dabei alle mit allen verbunden und von Gott gehalten“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Kirchengemeinden werden dafür jeden Abend um 19 Uhr ihre Glocken läuten und jeweils die Osterkerze in ihren Kirchen entzünden.

Die Kirchengemeinden rufen damit zur gedanklichen Zusammenkunft auf und möchten mit dem Licht der Kerzen ein Zeichen des Zusammenhalts und der Verbundenheit und der Hoffnung in schwieriger Zeit senden.