Norderstedt
Kreis Segeberg

Corona-Krise – Das Nachbarschaftsnetzwerk steht

Der Einkaufsservice des DRK steht bereit: Helfer Thomas Kohl und Jürgen Kling, Gruppenleiter beim DRK (r.).

Der Einkaufsservice des DRK steht bereit: Helfer Thomas Kohl und Jürgen Kling, Gruppenleiter beim DRK (r.).

Foto: Christopher Herbst

Einkaufen, Medikamentenversorgung: Im ganzen Kreis Segeberg wollen Bürger mit anpacken – mehr Helfer als Hilfesuchende.

Kreis Segeberg. Die Solidarität unter den Bürgern im Kreis Segeberg ist kein Lippenbekenntnis. Tausende Menschen in den Städten und Gemeinden bieten anderen ihre Unterstützung an, jenen, die während der Corona-Krise Hilfe gebrauchen können. Das Problem ist derzeit, dass Helfer und Hilfesuchende nicht zusammen finden. Und es gibt deutlich mehr Helfer als Hilfsbedürftige.

Die Stadt Norderstedt will die Angebote in der Stadt jetzt koordinieren. „Wir wollen die Versorgung von gesundheitlich besonders gefährdeten Gruppen sicherstellten“, sagt Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Also ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen, außerdem jene, die unter häuslicher Quarantäne stehen. Wer für Einkäufe, Medikamentenversorgung oder andere wichtige Anliegen nicht auf die Familie, Freunde oder Nachbarn zählen kann und auf fremde Hilfe angewiesen ist, kann sich ab sofort über das Bürgertelefon unter 040/53 59 56 58 (Montag bis Sonntag, 8 bis 18 Uhr) an die Stadt Norderstedt wenden. „Am Bürgertelefon haben sich bislang sehr viele Menschen gemeldet, die helfen wollen“, sagt Struppek. „Es gab bis dato nur einige wenige Anrufer die berichteten, dass eine dritte Person vermutlich Hilfe benötige.“

Gleichwohl: Das Angebot steht. Wer zum Beispiel nicht aus dem Haus kann oder will und Lebensmittel oder andere Dinge des Alltags benötigt, der wird von der Stadt zum Kooperationspartner des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Norderstedt verwiesen. Der Vorsitzende Christoph von Hardenberg hat dort mit aktuell zehn Freiwilligen einen Einkaufsservice aufgebaut, der in den Startlöchern steht. Die Idee: Teams aus Einkäufern und Fahrern sorgen für die Beschaffung von Waren des täglichen Lebens – selbstredend unter Wahrung jeglicher Corona-Schutzvorgaben der Behörden. Lebensmittel müssen vor der Haustür abgelegt werden. Sie dürfen von dort erst aufgenommen werden, wenn die Helfenden sich mindestens zwei Meter weit entfernt haben. Es dürfen keine Gegenstände aus der häuslichen Quarantäne an Helfende oder Dritte übergeben werden, dazu zählen etwa Bargeld oder Einkaufstaschen.

Beim DRK geht alles kontaktlos. Die bedürftigen Bürger können zum Beispiel per E-Mail aus einem Sortiment von etwa 30 Waren wählen und bestellen. Die Waren werden vom DRK in Kooperation mit der Norderstedter Bank bezahlt und später mit den Kunden abgerechnet. „Wir würden gerne loslegen mit dem Service“, sagt von Hardenberg.“ Allein: Es fehlen derzeit noch die Kunden.“ Er habe sogar schon freiwillige Helfer vertröstet. „Es ist ja auch nicht gerade motivierend, wenn man helfen will und nicht zum Einsatz kommt.“ Am Montagmittag schließlich bekommt das DRK die ersten Bestellungen. „Zwei Norderstedter Bürger wollen unseren Service jetzt nutzen“, sagt von Hardenberg.

Beim Bürgertelefon der Stadt Norderstedt können sich aber auch jene melden, die einen Boten brauchen, der für sie zu Apotheken und Ärzten geht. Oder jene, die sich einfach jemanden zum Reden wünschen. Hier kooperiert die Stadt mit den Gruppen des Nachbarschafts-Netzwerks Norderstedt, die vom Sozialwerk angeboten werden.

In Henstedt-Ulzburg läuft die Hilfe online

Wer in anderen Städten und Gemeinden des Kreises Segeberg nachhakt, trifft auf ein ähnliches Bild wie in Norderstedt. In Henstedt-Ulzburg hatte der Verein „HU bewegt“ das Forum „hilfe.henstedt-ulzburg.de“ eingerichtet. Einige Kontakte konnten hierüber vermittelt werden, vorrangig geht es um Hilfe beim Einkauf. „Die Leute tragen sich bei uns ein, das funktioniert. Aber der Bedarf ist noch überschaubar“, sagt Frank Bueschler, Vorstandsmitglied des Vereins. „Die Menschen helfen sich innerhalb der Familien.“ Auch die Jugendorganisation der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Henstedt-Ulzburg hat eine Nachbarschaftshilfe für Henstedt-Ulzburg, aber auch für Kaltenkirchen und Kisdorf initiiert. Ansprechpartner ist Danial Wadood (0160/507 77 71).

In der Gemeinde Tangstedt können sich Bürger, die Hilfe beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen benötigen, aber auch die freiwilligen Helfer im Bürgermeisterbüro melden, sagt Bürgermeister Jürgen Lamp (04109/5142). „Bisher gibt es mehr Helfer als Hilfsbedürftige“, so Lamp, „aber ich würde gern vorbereitet sein.“

Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause hat die Hilfe in der Stadt ebenfalls koordiniert. Bedürftige Bürger werden in Zusammenarbeit mit Helfern des Vereins Regenbogen und der Tausendfüssler-Stiftung versorgt. Von Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr, können sich Bürger (und neue Helfer) an die Stadtverwaltung wenden (04191/9390 und 939 444, info@kaltenkirchen.de) oder direkt an die Tausendfüssler-Stiftung (04191/957 96 47; info@tf-stiftung.de) und den Verein Regenbogen (04191/4115; info@regenbogen-kaltenkirchen.de).

Krause denkt bei der Vermittlung von Helfern auch an die Sicherheit. „Alle Helfer haben von der Stadt Kaltenkirchen einen offiziellen Ausweis zu Legitimation mit Namen, Geburtsdatum sowie Wappen, Siegel der Stadt und mit meiner Unterschrift bekommen“, sagt Krause.