Norderstedt
Kreis Segeberg

Kontaktverbot – In Norderstedt kaum Probleme

Cornelia Hoyer und Stefan Hellpap aus Norderstedt unternahmen mit ihrer Tochter Charlotte eine Fahrradtour.

Cornelia Hoyer und Stefan Hellpap aus Norderstedt unternahmen mit ihrer Tochter Charlotte eine Fahrradtour.

Foto: Christopher Herbst

Corona-Krise: Bürgerinnen und Bürger in Norderstedt hielten sich an die Vorgaben – ruhiges Wochenende für Stadt und Polizei.

Norderstedt.  Einzelne Fußgänger und Radfahrer, Paare, Familien, Freizeitsportler – die ausdrückliche Aufforderung, sich nicht in größeren Menschenansammlungen von mehr als fünf Personen zusammenzufinden, ist in Norderstedt weitgehend befolgt worden. Das Abendblatt hat sich am Wochenende in der Stadt umgesehen. Viele Bereiche, etwa Norderstedt-Mitte, sind tagsüber fast leer, insbesondere Kinder kaum zu sehen, Passanten wechseln sogar oft die Straßenseite, um einander nicht zu nahezukommen. Einer der großen Supermärkte, Famila an der Stormarnstraße, ist mittags spärlich frequentiert, das gilt beispielsweise auch für die Budni-Filiale an der Rathausallee.

Auf dem Wochenmarkt in Harksheide beginnt der Andrang am Sonnabend dafür sehr früh. „Ab sechs Uhr morgens haben die Kunden bei uns Schlange gestanden und eingekauft“ sagt Obst- und Gemüsehändler Jörg Janoske. „Sehr diszipliniert, alle mit Abstand, bei allen Ständen. Die Leute haben sich angepasst. Aber es wird sehr viel Ware eingekauft, die sich nicht lange hält. Das tut mir weh.“ Der 54-Jährige beziffert das Aufkommen mit „50 Prozent mehr“ als normalerweise.

Am Feuerwehrmuseum ist Maria-Theresia Brandt mit dem Hund einer Bekannten unterwegs. Die 70-Jährige ist überrascht, dass sogar der Durchgang über den großen Spielplatz zwischen den Wohnblöcken dicht ist. „Es ist nicht einfach für Familien, das durchzuhalten“, sagt Brandt. „Jetzt kommen den Kindern das Internet und Computerspiele zugute.“ In der Öffentlichkeit einen Mindestabstand einzuhalten, sieht sie nicht als Problem.

Da es gestattet ist, sich an der frischen Luft aufzuhalten, nutzen viele Norderstedter das gute Wetter für ein paar Stunden in den Wäldern. So auch im Rantzauer Forst. Florian absolviert zusammen mit seinem Kumpel Nico den Trimm-dich-Pfad – ihr Sportstudio Crunchfit ist geschlossen. „Draußen zu trainieren, ist eine gute Alternative. Wir haben uns umgestellt, der Kontakt zu den Leuten läuft über WhatsApp und Telefon“, sagt der 20-Jährige.

Christian Möller (39), der mit seiner Familie den Sonntag im Forst verbringt, beschreibt die eigene Umstellung. „Wir gehen bewusster durch den Alltag, versuchen, uns mehr zu reduzieren. Man nimmt die freie Natur anders wahr, lernt sie mehr zu schätzen.“ Sein dreijähriger Sohn ist seit zwei Wochen zu Hause und nicht mehr in der Kita. „Es ist schwierig, dem Kind beizubringen, dass man gewisse Sachen nicht machen darf, nicht ins Schwimmbad gehen oder mit Freunden treffen.“

Cornelia Hoyer und Stefan Hellpap radeln mit Tochter Charlotte durch den Wald. „Hier ist man relativ unter sich“, sagt Hellpap. Seine Frau würde auch eine Ausgangssperre befürworten. „Die jungen Leute halten sich nicht an die Einschränkungen, das sehen wir bei uns im Park am Feuerwehrmuseum, da sehen wir eine Kombination aus Schnapsflaschen und Desinfektionsmitteln an den Bänken.“ Als Familie isolieren sich die drei soweit wie möglich. „Wir sind gesund, haben keine Symptome.“

Um 18 Uhr spielten Musiker auf Balkonen und Terrassen

„Freude schöner Götterfunken“ schallt es von der Terrasse der Familie Hugger in Norderstedt. Jan (13) und sein Bruder Nils spielen die Europa-Hymne von Beethoven auf Posaune und Euphonium. So wie die beiden Schüler der Musikschule Norderstedt gingen auch andere Musizierende am Sonntag pünktlich um 18 Uhr auf ihre Balkone und Terrassen, um den Menschen zu danken, die sich in dieser schweren Zeit für andere Menschen einsetzen.

„Viele Jugendliche aus den Orchestern des Musikvereins Norderstedt machen bei dieser Aktion des Landesmusikrats Schleswig-Holstein mit“, sagte Tanja Behnken, Leiterin des Jugendorchesters „BlasWars“. Sie ließ mit Michael Jensen die „Götterfunken“ mit Posaune und Trompete vom Balkon erklingen. Mit dabei war auch Rüdiger George. Der Leiter der Musikschule spielte auf der Querflöte „Tea For Two“ und „Der Mond ist aufgegangen“.

Die Stadt hat am Wochenende mit dem kommunalen Ordnungsdienst und in Abstimmung mit der Polizei kontrolliert, ob die Gruppenbeschränkungen und die Spielplatzverbote eingehalten werden und ob sich Gastronomie und Einzelhandel an die Vorgaben halten. „Es wurden insgesamt nur drei Ansammlungen von mehr als fünf Personen angetroffen und aufgelöst“, so Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Bei der Polizei und beim Bürgertelefon habe es fünf Anrufe gegeben mit Beschwerden über zu große Gruppen. „Auf den meisten Spielplätzen wurden keine Personen angetroffen. Auf zwei Bolzplätzen wurde gespielt.“

Künftig wird die Stadt noch genauer hinschauen müssen, da das öffentliche Limit für ein Treffen für die nächsten 14 Tage auf zwei Personen reduziert worden ist. Ausgenommen: Familien oder Bewohner eines Haushaltes.