Norderstedt
Corona-Update

Pflegekammer vermittelt freiwillige Fachkräfte

Ein Pfleger auf der Intensivstation in einem Krankenhaus zieht sich Handschuhe an (Symbolbild)

Ein Pfleger auf der Intensivstation in einem Krankenhaus zieht sich Handschuhe an (Symbolbild)

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Einrichtungen können bei dringendem Bedarf Unterstützungen anfordern. Acht neue Corona-Fälle im Kreis Segeberg. Trinkwasser ist sicher.

Kreis Segeberg.  Der Aufruf der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein in Neumünster, sich freiwillig für den Einsatz in Krankenhäusern, stationären Pflegeeinrichtungen oder ambulanten Diensten zu melden, war nur ein paar Stunden alt – da meldeten sich schon die ersten Freiwilligen. Menschen, die Pflegefachkräfte sind aber derzeit nicht im Beruf arbeiten. Nun können sich Einrichtungen mit dringendem Bedarf an Pflegefachpersonen an die Kammer wenden.

In Abstimmung mit dem Sozialministerium hat die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein deshalb eine zweite Stufe der Vermittlung zum Laufen gebracht: Nach dem Aufruf an freiwillige Pflegefachpersonen erfolgt jetzt ein Aufruf an Einrichtungen, ihren durch die Krise bedingten Personalbedarf zu melden. Der Aufruf richtet sich an an alle Akteure, die einen Bedarf an Pflegepersonal haben. Dazu gehören Krankenhäuser/Kliniken, Pflegeheime, Praxen, MVZ, Ambulanzen, Rettungsdienst, Feuerwehr und Gesundheitsämter.

„Die Dynamik der Corona-Pandemie und die Rückmeldungen aus den Einrichtungen zeigen, dass der Bedarf schon in absehbarer Zeit da sein könnte“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Wir können den Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten schon jetzt helfen.“ Die Kontaktaufnahme einige Zeit vor einem Einsatz ist sinnvoll, um eine Einarbeitung zu ermöglichen. Kontakt per E-Mail hilfebedarf@pflegeberufekammer-sh.de.

Kreis untersagt private Veranstaltungen

30 Fälle Zwischen Freitag und Sonntag ist die Zahl der bestätigten Infizierung mit dem Coronavirus im Kreis Segeberg von 22 auf 30 angewachsen. Dabei handelt es sich um zwei Reiserückkehrer und vier Kontaktpersonen von bereits Infizierten. In zwei Fällen sind die Infektionsquellen noch unbekannt. Bereits am Donnerstag wurde die zweite Arztpraxis im Kreis aufgrund einer Infektion geschlossen. Eine Mitarbeiterin des Praxisteams hat einen positiven Befund. Neun enge Kontaktpersonen sind alle ermittelt, darunter Kollegen, Familienangehörige und auch ein Patient. Im Land gibt es 436 bestätigte Fälle (Freitag: 321), davon 33 Personen in klinischer Behandlung.

Nicht mehr als 5 Der Kreis hat private Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Grillabende oder Ähnliches sowie Ansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als fünf Personen untersagt, sofern kein Verwandtschaftsverhältnis ersten Grades besteht. Neu ist seit Freitag auch, dass weitere Eltern mit Jobs in der „Kritischen Infrastruktur“ ihre Kinder von der Kita bis zur 6. Klasse in Betreuung geben können, dazu zählen nun auch Pflegedienste, Sanitätsdienste der Bundeswehr sowie Fürsorge-Leistungsangebote der Eingliederungshilfe, stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe und ambulante sowie teilstationäre Angebote der Jugendhilfe.

Trinkwasser ist sicher Die Stadtwerke Norderstedt bekommen Anfragen von Bürgern, die sich Sorgen um sauberes Trinkwasser machen, sagt Sprecher Oliver Weiß. „Trinkwasser gehört in Deutschland zu den am besten überwachten Lebensmitteln. Leitungswasser ist sehr gut gegen alle Viren, einschließlich des neuartigen Coronavirus, geschützt und kann bedenkenlos getrunken werden.“ Eine Übertragung des Virus über die öffentliche Trinkwasserversorgung sei nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich.

Kita zahlt zurück Die Kommunen sollen mit 50 Millionen Euro aus dem Corona-Soforthilfeprogramm unterstützt werden, damit Eltern landesweit die Kita-Beiträge für zwei Monate zurückerstattet werden können. Das haben die Koalitionsfraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP gemeinsam mit der SPD-Fraktion und dem SSW im Landtag anlässlich einer Kabinettssitzung beschlossen. Demnach sollen die Beiträge für die Ü3- und die U3-Betreuung erstattet werden.

Hilfe für Eltern Die Frühen Hilfen der Diakonie Altholstein im Kreis Segeberg bietet telefonische Beratung und Unterstützung für Schwangere und junge Familien mit Kindern bis drei Jahren an. Montags, 11 bis 12 Uhr, unter der Nummer 0160/432 66 88, mittwochs, 11 bis 12 Uhr, und donnerstags,
15 bis 18 Uhr, unter 0176/64 04 14 33.

Geld fließt Die Landesregierung will Freiberufler, Selbstständige, Kulturschaffende und Unternehmen schnell mit Zuschüssen oder Darlehen über die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) versorgen. Der Schutzschirm besteht aus Zuschüssen aus einem Corona-Soforthilfeprogramm, einem Mittelstandssicherungsfonds, weiteren Liquiditätshilfen und Bürgschaften sowie Steuerstundungen. Zunächst 100 Millionen Euro stehen für Kleinstunternehmer, kleine Gewerbetreibende und Solo-Selbstständige bereit: Ein-Mann-Betriebe bekommen 2500 Euro, wer bis zu fünf Angestellte hat 5000 Euro, bei bis zu zehn Arbeitskräften gibt es 10.000 Euro.

Wohnen sichern Einen „Sicher-Wohnen-Fonds“ fordern Schleswig-Holsteins große Vermieter und die vermietenden privaten Grundeigentümer von der Landesregierung. Der Fonds solle Geld als Zuschuss oder zinslosen Kredit gewähren, um eine Kündigung des Mieters für eine bestimmte Zeit auszuschließen. Ziel müsse es sein, „Wohnraum ohne Wenn und Aber zu sichern und gleichzeitig die Liquiditätskette rund um die Wohnungswirtschaft“ zu erhalten. Anderenfalls drohe ein Domino- Effekt, der das Gegenteil dessen bewirke, was Bund und Länder mit ihren Notprogrammen erreichen wollten, teilen Andreas Breitner vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und Alexander Blažek von Haus & Grund mit.

Tangstedter Mühle startet Hilfsaktion

Ihr Restaurant, die Tangstedter Mühle, haben sie schon vor einer Woche geschlossen, alle frischen Lebensmittel bereits verschenkt. Doch statt vor der Corona-Krise zu kapitulieren, wollten Tim Regel-Riebling (41) und sein Bruder Philipp Riebling ein Zeichen setzen. Aus diesem Grund haben sie am Sonntag 120 Liter Kartoffel-Lauch-Creme Suppe ausgeschenkt – kostenlos.

„Gerade in schlechten Zeiten ist es wichtig, dass die Menschen füreinander da sind und nicht nur an sich denken“, sagt Tim Regel-Riebling, der die Aktion im Internet angekündigt hatte. Auf Facebook und Instagram schieb er: „Unser Restaurant bleibt geschlossen – aber nicht unsere Herzen.“

Zwei große Kessel Suppe wurden gekocht und vor der Küche der Mühle aufgestellt – neben einem Tisch mit Desinfektionsmitteln. Damit die Hygienevorschriften eingehalten werden, baten die Brüder die Besucher, den vorgeschrieben Abstand von 1,50 Metern einzuhalten – und sich die Suppe selbst in mitgebrachte Behälter einzufüllen. Die Resonanz war groß: Bereits nach einer Stunde war der erste Kessel mit 60 Litern leer. „Viele Menschen haben Suppe für ältere Mitbürger geholt – das hat uns besonders gefreut“, sagt Tim Regel-Riebling. Für ihn und seinen Bruder steht fest, dass die Aktion nächsten Sonntag ab 11 Uhr fortgesetzt werden soll. Dann soll es Steckrübensuppe geben.

Freie Wähler wollen die regionale Wirtschaft stärken

In Anbetracht der Corona-Krise fordert Rainer Schuchardt, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag Segeberg, eine Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe. „Ich hoffe, dass diese Krise ein Umdenken einleitet. Wir müssen uns wieder mehr auf regionale Produkte und die Wertschöpfung vor Ort besinnen“, sagt Schuchardt. „Dadurch stärken wir auch unsere Region, sichern Arbeitsplätze vor Ort, verbessern die Steuerkraft der Gemeinden und schonen Umwelt und das Klima.“

Die globalen Lieferketten müssten kritisch hinterfragt werden. Dies gelte besonders für die Versorgung mit Lebensmitteln, medizinischen Produkten, Medikamenten und Waren des täglichen Bedarfs. „Diese um den halben Erdball zu transportieren, verursacht nicht nur unnötige Transporte, sondern macht uns auch in hohem Maße abhängig und verwundbar“, sagt Schuchardt. Die regionale Produktion und Versorgung ist dagegen krisenfester.

Besitzer von Zweitwohnungen nicht erwünscht

In Norderstedt gibt es etwa 2300 Menschen, die einen Zweitwohnsitz in der Stadt haben – und ihn jetzt besser nicht nutzen sollten. Die Landesregierung hat Zweitwohnungsbesitzer, die sich in Schleswig-Holstein aufhalten, erneut dringend zur Abreise in ihre Heimatorte aufgefordert. Zudem verbiete sich Zweiwohnungsbesitzern angesichts der Corona-Pandemie eine Anreise zu einer Zweitwohnung in Schleswig-Holstein. Ministerpräsident Daniel Günther verwies darauf, dass die Regionen im Land in unterschiedlicher Weise durch die Nutzung von Zweitwohnungen betroffen seien. Aus diesem Grund sei eine landesweite Regelung derzeit nicht erforderlich. Am meisten betroffen seien nach den vorliegenden Informationen die Kreise Nordfriesland und Ostholstein. Zielführend sei daher eine regional differenzierte Regelung, die betroffene Kreise in eigener Zuständigkeit vornehmen könnten und sollten.

Jede Zweitwohnungsnutzung unterlaufe die derzeitigen Anstrengungen der Landesregierung, das Reiseaufkommen drastisch zu verringern und die Gesundheitssysteme in den Tourismusregionen bestmöglich zu entlasten, sagte Günther. Von der Nutzung der Zweitwohnungen sei daher im Moment dringend abzuraten.

Betreuungsverein des Kreises berät am Telefon

Die Corona-Krise betrifft auch die Arbeit des Betreuungsvereins im Kreis Segeberg. „Unsere persönlichen Sprechstunden sowie Veranstaltungen in Bad Bramstedt, Bad Segeberg, Kaltenkirchen und Norderstedt können leider bis auf Weiteres nicht stattfinden“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Betreuungsverein bietet aber auch in diesen Tagen in allen Fragen zu den Themen Betreuungsrecht, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung eine ausführliche telefonische Beratung an. Informationsmaterial kann auch per Post verschickt werden. Und selbstverständlich können sich auch weiterhin ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuern bzw. bevollmächtigen Personen an den Verein wenden.

Die telefonischen Sprechzeiten sind montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und donnerstags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr unter 04192/816 23 50 und 04551/96 76 36.