Schröters Wochenschau

Vermeintlich geniale Wortspiel-Vereinigung

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Mit einer großangelegten Kampagne will eine Organisation Werbung für Urlaub im Norden machen. Verbesserungsvorschläge von Jan Schröter.

Kreis Segeberg.  Ferien im Norden, da denkt man spontan an Dünen, Strand und Meer. Nord- und Ostseeküste sind Schleswig-Holsteins größtes touristisches Pfund. Die Gegend dazwischen ist ebenfalls sehr schön, aber – Hand aufs Herz – sowas gibt’s auch schon mal woanders.

Umso notwendiger ist eine griffige Werbekampagne, um den Tourismus im strandlosen Teil unseres Bundeslandes anzukurbeln. Darum kümmert sich die Organisation „Schleswig-Holstein-Binnenland-Tourismus“ (SHBT). Abgesehen davon, dass so eine sperrige Bezeichnung (36 Buchstaben) selbst von passionierten „Scrabble“-Profis bestenfalls noch mit dem all-time-Edeltrumpf „Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän“ (42 Buchstaben) zu toppen ist: Die jetzt öffentlich vorgestellte Werbekampagne für Ferien im Binnenland ist in ihrer sprachlichen Schlichtheit einzigartig. Hoffe ich zumindest, aber man weiß ja nie. Sie betitelt die touristischen Hinweise mit Slogans wie „binn‘ dabei“, „binn‘ im Fluss“ oder „binn‘ urlaubsreif“.

Binn‘ verwirrt. Binn‘ leider kein Blitzmerker. Immerhin steige ich endlich doch dahinter, dass das doppelte „nn“ mit Apostroph die vermeintlich geniale Vereinigung zweier Begriffe sein soll. Nämlich die des Wörtchens „bin“ (1. Person Singular, Präsens, Indikativ von „sein“) mit der Bezeichnung „Binnenland“ (Substantiv, Neutrum). Vermeintlich geniale Vereinigungen gehen meistens in die Hose, das wissen wir nicht erst seit der gescheiterten Ehe von „Brangelina“ (Brad Pitt Angelina Jolie). Die beauftragten Werbetexter müssen über ihre Aufgabe ziemlich verzweifelt gewesen sein. Dreieinhalb Kühe auf der Weide und flächendeckend Maisfelder zu hypen, stellt natürlich auch für kreative Geister eine gewisse Herausforderung dar.

Aber bitte, dafür fließen in die neue Vermarktungsstrategie immerhin satte 400.000 Euro, und zwar vorwiegend aus der Landeskasse. Binn‘ etwas enttäuscht von euch. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich finde das schleswig-holsteinische Binnenland nicht langweilig. Ich lebe dort, mit Absicht und freiwillig, ebenso wie etliche Leserinnen und Leser dieser Kolumne. Es ist schön dort. Schreibt von der grandiosen Weitsicht, die höchstens der nächste Knick begrenzt. Von der Entschleunigung, die sich auch in der Vermeidung von nutzlosem Gesabbel niederschlägt („Moin“. – „Moin“. Und tschüs.). Von der therapeutisch-meditativen Wirkung, die das Geräusch einer widerkäuenden Kuh auf gestresste Gemüter hat. Genügt das nicht?