50 Jahre Norderstedt

Eine Pfälzerin, die sich hier zu 100 Prozent wohlfühlt

Melanie Grisard und Skelett Otto in der Gemeinschaftsschule Harksheide. Die Lehrerin lebt seit 2016 in Norderstedt: „Die Menschen hier sind mir von Anfang an sehr offen, freundlich und hilfsbereit begegnet“, sagt sie.

Melanie Grisard und Skelett Otto in der Gemeinschaftsschule Harksheide. Die Lehrerin lebt seit 2016 in Norderstedt: „Die Menschen hier sind mir von Anfang an sehr offen, freundlich und hilfsbereit begegnet“, sagt sie.

Foto: Thorsten Ahlf

Die 31 Jahre alte Melanie Grisard ist Lehrerin an der Gemeinschaftsschule Harksheide. In ihrer Freizeit drückt sie dem FC St. Pauli die Daumen.

Sie fühlt sich „pudelwohl“, ist angekommen in ihrer neuen Heimat. Und die heißt Norderstedt, seit Herbst 2016 lebt Melanie Grisard in Harksheide, hat mit ihrem Mann ein Reihenhaus gekauft, als die Preise noch deutlich unter dem heutigen Höchststand rangierten. „Und toll ist, dass es nur zwei Kilometer bis zur Arbeit sind“, sagt die 31-Jährige, die die Jugendlichen an der Gemeinschaftsschule Harksheide unterrichtet – ein weiterer Ort, an dem sich die Pädagogin „pudelwohl“ fühlt. Die Atmosphäre sei super. Mit den Kollegen trainiert sie einmal in der Woche beim Kollegiumssport den Körper, einige sind inzwischen zu Freunden geworden.

Vollzeit unterrichtet sie in den Fächern Wirtschaft, Politik, Naturwissenschaften, Weltkunde und Gesellschaftswissenschaften, und sie ist Klassenlehrerin der 7b. Als Verbindungslehrerin ist sie das Scharnier zu den Nachmittagsangeboten, die die Schüler buchen können, aber nicht müssen.

Als Kind hat sie oft Ferien auf Borkum gemacht

Freundlich, offen und lebendig berichtet sie aus ihrem Leben. Das begann im Jahr 1988 in Zweibrücken. In der Südwestpfalz wuchs Melanie Grisard auf, studierte in Kaiserslautern und lernte ihren jetzigen Mann kennen. Der kam aus Barmstedt, und schon stellte sich für die beiden die alles entscheidende Frage: Ziehen wir zu dir oder zu mir? „Meine Eltern sind mit mir immer nach Borkum gefahren. Ich liebe das Meer, und da war die Entscheidung klar“, sagt die gebürtige Pfälzerin, die den Ortswechsel nicht bereut, obwohl: „Das Wetter war im Süden besser, wärmer und trockener.“ An den Wind habe sie sich aber längst gewöhnt. An das Leben in Norderstedt auch.

„Die Verbindung nach Hamburg ist prima“, sagt die Pädagogin ganz wichtig für sie, ist sie doch ausgewiesener Fan der Zweitliga-Kicker des FC St. Pauli. Mit ihrem Mann steht sie auf der Warteliste für eine Dauerkarte – im Besitz eines Saisontickets sind die beiden bereits. Bei jedem Heimspiel sind sie im Stadion, sie mit wenig sichtbarem Bekenntnis im Kapuzenpulli des Vereins. „Mein Mann hat natürlich alles“, sagt der Fußballfan, auch einen Toaster in den Vereinsfarben. Momentan leiden die beiden mit, ihr Club ist im unteren Tabellendrittel verortet. Und jetzt während der Corona-Krise wird gar nicht gespielt,

„Mein Herz schlägt aber noch immer auch für den FCK“, sagt Melanie Grisard. Die Glanzzeiten der Fußballer aus Kaiserslautern sind längst vorbei, doch der Verein ist ein Stück Heimat. Die Familie lebt dort, der ältere Bruder, die jüngere Schwester und die Eltern. In jedem Urlaub fahren die Nordlichter hin. „Dort kann man herrlich wandern und sich erholen“, sagt die Norderstedterin. Natur ist auch das, was sie an ihrem neuen Wohnort schätzt, der Stadtpark vor der Tür und drumherum viele grüne Ausflugsziele, die sie gemeinsam mit ihrem Mann erradelt. Auf einem Tandem ist das Duo unterwegs, er vorne, seine zierliche Frau hinten, weil sie nicht genügend Kraft habe, um den Doppelsitzer zu steuern. Wenn es trocken ist, radeln die beiden zum Gut Wulksfelde in Tangstedt, um den wöchentlichen Bio-Einkauf zu erledigen. Ihren Lieblingsitaliener „Barolo“ haben sie auch gefunden, und zum Eisschlecken geht es zu „Alberto“, gern auch mal mit den Kollegen. Norderstedt gebe sich viel Mühe, den Bürgern das Leben angenehm zu gestalten. Da zeige sich gute finanzielle Situation der Stadt. „Das merkt man allein schon an den vielen Spielplätzen, die besonders junge Familien schätzen“, sagt Melanie Grisard, die selbst keine Kinder hat. Auch das Kulturprogramm in der „TriBühne“ sei wirklich sehens- und hörenswert.

Angenehm überrascht war die Süddeutsche von den Norddeutschen. „Keine Spur von Verschlossenheit, was man den Nordlichtern ja oft zuschreibt. Im Gegenteil, die Menschen hier sind mir von Anfang an sehr offen, freundlich und hilfsbereit begegnet“, sagt Melanie Grisard. Ganz anders als in ihrer Geburtsregion, wo die Bewohner eher zurückhaltend und schüchtern auftreten würden.

Bei aller Zufriedenheit hat sie dennoch einen Wunsch: Die Radwege könnten besser, das Netz weiter gespannt werden. „Wir waren im Urlaub mit unserem Tandem in Holland, da herrschen für Radler fast paradiesische Zustände“, sagt Melanie Grisard, die zugleich einräumt, dass sie, vor allem im Vergleich zu ihrer alten Heimat, auf hohem Niveau klagt. Wie gesagt, sie fühlt sich in Norderstedt „zu 100 Prozent wohl“.