Kreis Segeberg

Corona-Krise: Marcel Kösling darf nicht mehr zaubern

| Lesedauer: 3 Minuten
Frank Schulze
Marcel Kösling vor seiner Zauber-Bibliothek. Der Itzstedter hat jetzt mehr Zeit, als ihm lieb ist, um sich auf sein neues Programm, das erst im Oktober Premiere hat, vorzubereiten.

Marcel Kösling vor seiner Zauber-Bibliothek. Der Itzstedter hat jetzt mehr Zeit, als ihm lieb ist, um sich auf sein neues Programm, das erst im Oktober Premiere hat, vorzubereiten.

Foto: Marcel Kösling

Das berufliche Leben des Künstlers ist zum Stillstand gekommen: Sämtliche Auftritt für März und April abgesagt.

Kreis Segeberg. Als zunächst Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen abgesagt wurden, fühlte er sich noch nicht persönlich getroffen. Als es dann allerdings hieß, dass alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen sind, da stand bei Marcel Kösling das Telefon nicht mehr still. „Binnen 48 Stunden wurden sämtliche Auftritte für März und April gecancelt. In einigen Fällen wird versucht, einen Nachholtermin zu vereinbaren, in vielen Fällen wird das nicht möglich sein“, schreibt der selbstständige Kabarettist und Zauberer aus Itzstedt in einer Mail an das Abendblatt.

Wie bei so vielen freischaffenden Künstlern, Musikern und Schauspielern, ist durch das Coronavirus das berufliche Leben komplett zum Stillstand gekommen. Kösling: „Mit einem Schlag sind meine sämtlichen Einnahmen für die nächsten Wochen (und Monate?) bei null. Gerade März und April sind für uns selbstständige Bühnenkünstler wichtig.“

Normalerweise ist Kösling 100 Tage im Jahr unterwegs

Statt jetzt Rücklagen für die Sommermonate zu bilden, sitzt der Zauberer zu Hause – und hat seine Steuerunterlagen 2019 fertiggestellt. Kösling: „Normalerweise bin ich über 100 Tage im Jahr unterwegs. Quer durch die Republik, jede Nacht in einem anderen Hotel. Für uns Künstler ist der Lockdown schon da. Viele sitzen zu Hause und fragen sich, was sie mit der freien Zeit anstellen sollen.“

Tatsächlich habe er als Zeitvertreib angefangen, seine Zauber-Bibliothek näher unter die Lupe zu nehmen. „Dabei passt es ganz gut, dass ich gerade mein neues Programm plane. So eine intensive Vorbereitungsmöglichkeit hatte ich noch nie“, sagt der Itzstedter, dessen Frau ebenfalls seit einigen Tagen im Homeoffice ist. Der einzige, der das neue Zusammenleben wirklich genießen könne, sei zurzeit Hund Barney. Kösling: „Mein innerstes Bedürfnis ist es, dass ich so schnell wie möglich wieder vor Publikum spielen kann. Um den Menschen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, aber auch, damit ich wieder das machen kann, was mir selber so große Freude bereitet.“

Premiere für sein neues Solo-Programms „Streng geheim!“ ist für den 15. Oktober in Alma Hoppes Lichtspielhaus in Hamburg geplant. Kösling: „Die Coronakrise wird dann sicherlich ein Thema werden. Hoffentlich aber nur als böse Erinnerung.“

Auch die Quickborner Komödiantin Bibi Maaß (60), die in der Region unter anderem mit ihren „Mädelsabenden“ bekannt wurde, ist zur Untätigkeit verurteilt: „Mein kreativer Kopf sehnt sich nach Beschäftigung und mein Konto nach Einnahmen“. Zwölf Auftritte wurden bisher abgesagt. „Ich habe mir Selbstdisziplin auferlegt, den Kühlschrank saubergemacht, die Fenster geputzt und unterstütze meinen Maulwurf bei der Gartenarbeit.“ Ihr Glück sei, dass sie ihr neues Soloprogramm „Ein Dreier – allein!“ fertig geschrieben habe, das müsse sie jetzt nur noch auswendig lernen, „aber dafür habe ich jetzt ja jede Menge Zeit“. Die Ungewissheit, wie es weitergehen wird, wann sie wieder auf die Bühne kann, um Geld zu verdienen, nage zwar an ihr, „aber andere Menschen sind schlimmer betroffen.“ Um Kontakt zu ihren Fans zu halten, habe sie sich eine Kamera bestellt und will ab nächster Woche via Internet (www.bibi-maass.de) kleine Geschichten erzählen, denn: „Irgendwas fällt mir immer ein.“

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