Rätsel-Kolumne

Der russische Dämon mit dem klingenden Pseudonym

| Lesedauer: 2 Minuten
Wolkenformation in Form von einem Fragezeichen (Symbolbild).

Wolkenformation in Form von einem Fragezeichen (Symbolbild).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. Das heutige Denksport-Rätsel dreht sich um einen sibirischen Bauernsohn.

Kreis Segeberg.  Wenn Sie sich wegen der Corona-Krise in diesen Tagen nur sehr eingeschränkt körperlich betätigen, weil die Gymnastikstunde ausfällt und auch die Boule-Runde eine Pause einlegt, dann versuchen Sie es doch mal mit Denksport! Wir suchen täglich nach dem Namen einer bekannten Persönlichkeit. Viel Spaß!


Felix Jussupoff war jung, reich und schwer gelangweilt. Als angeheirateter Neffe der Zarenfamilie, Träger eines Fürstentitels und Besitzer etlicher Paläste und Liegenschaften konnte er sich fast alles leisten. Doch berühmt werden wollte er durch eine patriotische Tat. Endlich würde er es allen zeigen, was für ein Kerl in ihm steckte. Die Verschwörung hatten der Großfürst Dimitri und einige andere Mitglieder des Hochadels ausgeheckt, aber Jussupoff war auserkoren, den Plan zu vollziehen. Mit Zyankali vermischter Wein und ein Revolver lagen bereit. Es war der 30. Dezember 1916.

Grigori Jefimowitsch Nowych wurde vermutlich um 1865 im sibirischen Dorf Pokrowskoje geboren. Der Bauernsohn schloss sich um 1900 einer häretischen religiösen Sekte an, die ihre bizarren Riten mit der Erkenntnis begründete, der Mensch müsse zuerst sündigen, um später erlöst werden zu können. Gerüstet mit diesem ideologischen Überbau begab sich Grigori auf Wanderschaft, legte sich ein klingendes Pseudonym zu und betätigte sich als Wunderheiler. Sein Ruf wuchs schnell. Tatsächlich verfügte er über eindrucksvolles Charisma. Der Wunderheiler gelangte nach St. Petersburg. Als der einzige Sohn des Zaren nach einem Sturz innerlich zu verbluten drohte (er litt an Hämophilie) und die Ärzte den Kleinen aufgegeben hatten, ließ die Zarin den seltsamen Heiligen rufen. Prompt rettete er den Thronfolger. Fortan gewann Grigori immer stärkeren Einfluss auf das Zarenpaar. Bald bestimmte er die Besetzung einflussreicher Posten und traf wichtigste politische Entscheidungen. Die Mitglieder des Hochadels um Großfürst Dimitri und Jussupoff fassten den Entschluss, Grigori umzubringen.

Zwei Stunden lang traktierte Jussupoff ihn mit vergiftetem Wein. Nach Verzehr einer zehnfach tödlichen Dosis Zyankali lebte der Wunderheiler immer noch. Jussupoff feuerte ihm eine Revolverkugel ins Herz. Obwohl die Verschwörer ihrem Opfer später weitere Kugeln in den Leib schossen, es bestialisch verprügelten und mit gebundenen Gliedmaßen durch ein Eisloch in die Newa warfen, behaupteten sie später vor Grauen zitternd, der Geschundene habe noch geatmet und sie angesehen, als er ins Wasser glitt.

( jasch )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt