Kreis Segeberg

Coronavirus – der Norderstedter Stadtpark schließt sein Tor

Stadtpark-Geschäftsführer Kai-Jörg Evers schließt am Donnerstag um 12 Uhr den Norderstedter Stadtpark für die Öffentlichkeit.

Stadtpark-Geschäftsführer Kai-Jörg Evers schließt am Donnerstag um 12 Uhr den Norderstedter Stadtpark für die Öffentlichkeit.

Foto: Andreas Burgmayer

Mittlerweile 18 bestätigte Corona-Fälle im Kreis Segeberg. Polizeistreife auf dem Spielplatz, Eier sind ausverkauft.

Norderstedt. Donnerstag, 12 Uhr. Stadtpark-Geschäftsführer Kai-Jörg Evers lässt das Gittertor am Haupteingang des Norderstedter Freizeitgeländes ins Schloss fallen. Eine Dame mit Hund und Fahrrad fragt: „Ist jetzt zu? Davon hat Frau Merkel gestern in ihrer Ansprache aber nichts gesagt!“ Die habe das auch nicht angeordnet, sagt Evers. Vielmehr sei die Schließung mit dem Rathaus vereinbart worden, in enger Absprache mit Evers. „Wir haben die Spielplätze und Sportanlagen im Park abgesperrt. Gestern sind trotzdem Jungs über die Zäune geklettert und haben Fußball gespielt. Und am Wochenende wäre es bestimmt noch voller geworden.“ Menschenansammlungen – genau das, was jetzt alle vermeiden sollten. Ein Spaziergängerpaar steht vor dem geschlossenen Tor und fragt: „Wie lange ist denn geschlossen?“ Evers sagt: „Wenn ich das wüsste...“.

Bürgertelefon der Stadt Norderstedt wird ausgeweitet

18 Fälle Im Kreis Segeberg gibt es jetzt 18 bestätigte Fälle von Infizierung mit Covid-19. Das teilt die Kreisverwaltung mit. Am Mittwoch lag die Zahl noch bei 14. Die neuen Fälle: Ein Ehepaar, bei dem der Mann Kontakt zu einem Infizierten in einem anderen Bundesland hatte; ein Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet; ein Fall, bei dem die Umstände der Infektion noch ungeklärt sind. Alle Personen sind isoliert, das Umfeld der Erkrankten wird untersucht. Schleswig-Holstein hat derzeit 253 bestätigte Fälle, 13 Personen davon in klinischer Behandlung, eine infizierte Person verstarb.

Genug Bargeld Die Sparkasse Südholstein teilt mit, dass die Bargeldversorgung über die Geldautomaten für Ein- und Auszahlungen an allen 50 Filial- und SB-Standorten gewährleistet ist. 900 Mitarbeiter wurden mehrheitlich mit iPads und Video-Chat-Zugang ins Homeoffice geschickt. In acht Filialen – darunter Norderstedt (Ulzburger Straße), Bad Segeberg und Bad Bramstedt – gibt es persönliche Beratung (Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 14 bis 17 Uhr). Die mobile Filiale hält wie gewohnt an allen sieben Standorten in Bornhöved, Geschendorf, Hartenholm, Henstedt-Rhen, Brande-Hörnerkirchen, Ellerbek und Holm (Haltestellen und -zeiten unter www.spksh.de oder 04321/408 44 44).

Bürgertelefon Die Stadt weitet die Einsatzzeiten des gut frequentierten Bürgertelefons aus. Unter der Rufnummer 040/53 59 56 58 sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses ab sofort an sieben Tagen in der Woche zwischen 8 und 18 Uhr für Fragen rund um den Coronavirus und die Auswirkungen zu erreichen.

Politik ruht In Bad Segeberg hatte die Stadt noch darüber nachgedacht, eine Stadtvertretersitzung am 24. März in einer Turnhalle abzuhalten. Doch nun sagte der stellvertretende Bürgervorsteher Wolfgang Tödt die Sitzung ab. Die Zusammenkunft sei absolut nicht ratsam. „Alle anstehenden Entscheidungen sind zwar wichtig, aber nicht lebensnotwendig“, teilt Tödt mit.

Arme stützen Menschen mit geringem Einkommen würde die Corona-Pandemie am härtesten treffen, sagt Die Linke in Schleswig-Holstein. Die Tafeln haben geschlossen, in den Supermärkten seien oftmals nur noch teurere Markenprodukte zu erwerben, und Mahlzeiten für die Kinder in Schule oder Kita fallen weg. Landessprecherin, Marianne Kolter, fordert die Landesregierung auf, allen Sozialleistungsbeziehern und Haushalten, deren Einkommen um weniger als 20 Prozent über dem Hartz- IV-Regelsatz liegt, eine Soforthilfe von mindestens 50 Euro im Monat pro Haushaltsmitglied auszuzahlen.

Eier ausverkauft Gerade mal fünf Eierkartons stehen noch in den Regalen von Bauer Helmut Trau in Tangstedt. Sonst liegen hier um diese Zeit noch Hunderte von Eiern. 1300 legen die Hennen auf dem Hof täglich. Bisher wurde ein Großteil davon an Restaurants ausgeliefert, doch seit die meisten Gaststätten geschlossen haben, werden die Eier ausschließlich über den Hofladen an der Dorfstraße verkauft. „Wir hätten nie gedacht, dass wir die alle loswerden“, sagt Helmut Trau. Früher wurden über das Geschäft 600 Eier am Tag verkauft, jetzt alle 1300 Eier. Ähnlich sieht es bei den Kartoffeln aus. Auch wenn die Paletten noch mit Tüten und Gebinden gefüllt sind – der Verkauf hat sich nahezu verdoppelt. „Sonst verkaufen wir pro Woche rund eine Tonne – jetzt sind es knapp zwei“, so Trau. Waren früher vor allem 2,5-Kilo-Tüten gefragt, so sind es heute 5- und 12,5-Kilo-Säcke. „Die Leute bevorraten sich und brauchen mehr, weil die ganze Familie zu Hause ist – und isst.

Polizei geht auf dem Spielplatz Patrouille

Die Landesregierung hat ein Maßnahmenpaket geschnürt, das Geschäftsschließungen, Sperrzeiten für Gaststätten und die Sperrung von Spielplätzen regelt. Und die Ordnungsbehörden der Kommunen kontrollieren, ob die Verfügung eingehalten wird. Unterstützung bekommen sie von der örtlichen Polizei. „Wir kon­trollieren im Zuge des Präsenzdienstes, ob sich alle an die Vorschriften halten“, sagt Steffen Büntjen, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg.

Wenn Eltern mit ihren Kindern auf Spielplätzen angetroffen werden, schreiten die Beamten ein, suchen das Gespräch, um auf die Eltern einzuwirken. Dies sei schon vereinzelt vorgekommen, sagt Büntjen. „Wenn wir Streife fahren, schauen wir hin, ob sich die Geschäftsinhaber ihre Läden geschlossen haben und sich Gastronomen an die Sperrzeiten halten.“ Wer erwischt wird, riskiert eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz.

In Norderstedt sind Mitarbeiter des Betriebsamtes mit Unterstützung von Kollegen aus anderen Fachbereichen seit Mittwoch dabei, die rund 100 Spielplätze mit Flatterband abzusperren. Teilweise wurden die Spielplätze auch mit Absperrgittern umstellt. Das braucht Zeit. Gaststättenbesitzer wurden über die neuen Regelungen informiert. „Das Ordnungsamt macht Kontrollfahrten. Auch abends“, sagt Sprecherin Nina Wrage.

In Kaltenkirchen wurden Verbotsschilder an den Spielplätzen aufgehängt. „Außendienstler des Ordnungsamtes kontrollieren, ob die Verbote eingehalten werden“, sagt Sprecherin Meike Wölfel. Zusätzlich wird ein Sicherheitsunternehmen engagiert, um die Gaststätten zu kontrollieren. In Henstedt-Ulzburg fährt ein Mitarbeiter des Betriebshofes durch die Gemeinde und sperrt die Spielplätze nach und nach ab. Die Sperrzeiten für Gaststätten würden flächendeckend eingehalten, sagt Claudia Meyer, die stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde. Ein Bürger habe sich gemeldet und darauf hingewiesen, dass auf einem Spielplatz trotz Verbots gespielt werde. „Solchen Fällen gehen wir natürlich nach. Ich bitte alle Eltern eindringlich, mit ihren Kindern zu Hause zu bleiben. Erinnern Sie sich an die klaren Worte der Kanzlerin.“

Tangstedt: Gemeindevertretung fällt aus

Auch in Tangstedt hat die Politik eine Zwangspause. Die für kommenden Dienstag, 24. März, vorgesehene öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung in der Gemeinde fällt aufgrund der Corona-Krise aus, teilt die Gemeinde in einer Pressemitteilung mit. Dies gelte auch für die angekündigte Fortsetzung der Sitzung, die für den 25. März terminiert war.