Absagen im Kreis Segeberg

Vorsorge gegen Corona – erste Veranstaltungen fallen aus

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“Second Hits for Kids“, der Flohmarkt für gebrauchte Kindersachen in der Sporthalle des Gymnasiums Harksheide, wird nicht stattfinden.

“Second Hits for Kids“, der Flohmarkt für gebrauchte Kindersachen in der Sporthalle des Gymnasiums Harksheide, wird nicht stattfinden.

Foto: Andreas Burgmayer

Zweiter bestätigter Coronafall im Kreis. Neben der Norderstedter Sportlerehrung werden weitere Veranstaltungen in der Region abgesagt.

Kreis Segeberg. Seit Donnerstagnachmittag gibt es einen zweiten bestätigten Fall des Coronavirus Covid-19 im Kreis Segeberg. Es handelt sich um eine Person, die bereits unter Quarantäne stand und seit mehreren Tagen keinen Kontakt mehr zur Öffentlichkeit hatte. Sie fühle sich laut Kreisverwaltung „gesund bei gelegentlichem Husten“. Da sie bereits isoliert gewesen sei, würden keine weiteren Kontaktpersonen ermittelt. Ein Wohnort wurde nicht genannt, mutmaßlich besteht aber ein direkter Zusammenhang zum bereits seit dem 27. Februar bekannten Fall, einem Arzt aus Henstedt-Ulzburg.

Deutlich wird: Das Virus hat zunehmend Auswirkungen auf den Alltag in der Region. Der Kleidermarkt „Second Hits for Kids“ in der Sporthalle des Gymnasiums Harksheide (8. März), die Norderstedter Sportlerehrung (14. März), ein Tag der offenen Tür bei der Musikschule Norderstedt (21. März), eine Kampfsportveranstaltung in Kaltenkirchen, ein Musikfrühschoppen der Grundschule Harksheide (15. März) fallen aus – und der geplante Ärztestreik an der Paracelsus-Klinik wird bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bei der Sportlerehrung wollte die Stadt kein Risiko eingehen

Die Entscheidung, dass die für den 14. März in der „TriBühne“ geplante Sportlerehrung auf unbestimmte Zeit verschoben wird, sorgt derweil für Diskussionen in Norderstedt. Man habe mit 1000 Besuchern gerechnet, sagt Stadtsprecher Fabian Schindler. Wäre nur einer davon infiziert, hätten nicht nur alle Gäste, sondern auch im Zweifelsfall jeweils Dutzende Kontaktpersonen für 14 Tage isoliert werden müssen. „Je mehr Leute, desto unkalkulierbarer wird es“, so Schindler. „Wir haben als Stadt eine Vorsorgepflicht.“ Man stelle sich vor, ein Besucher wäre kürzlich im Italienurlaub gewesen, hätte sich infiziert und das Virus auf weitere Anwesende übertragen. Dazu wisse die Stadt nicht, welche Gäste im Zweifelsfall Vorerkrankungen hätten. „Dann hätte wir uns vorwerfen lassen müssen, warum wir die Veranstaltung nicht haben ausfallen lassen.“

Eine Sportlerehrung ohne Händeschütteln und Umarmungen, dafür mit Sterilliumspender auf der Bühne, das wollte die Stadt ebenso wenig. „Man kann ja schlecht die Urkunden überreichen und dann zum Desinfektionsmittel greifen. Der Ablauf wäre nicht feierlich.“

Besonders hart getroffen hat die Absage die Norderstedter Werkstätten. „Die Sportler sind total enttäuscht“, sagt Trainerin Maike Rotermund. Bereits am Sonntag musste sie schweren Herzens die Teilnahme an den Winterspielen der Special Olympics in Berchtesgaden absagen. Das Risiko, dass sich die behinderten Sportler infizieren, sei zu groß gewesen. „Deshalb hatten sie sich umso mehr auf die Sportlerehrung in Norderstedt gefreut. Dafür leben sie. Das ist für sie so wichtig wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.“ 55 Athleten sowie 45 Eltern wollten an der Ehrung teilnehmen. Trotzdem kann Rotermund die Absage nachvollziehen. Und außerdem: „Was ist schon eine Sportlerehrung, wenn alle Abstand halten und sich keiner gratuliert? Das ist nicht würdevoll.“

Private Veranstalter müssen eine eigene Bewertung vornehmen. Und so werden „TriBühne“ und Kulturwerk in nächster Zeit genutzt, wie Geschäftsführer Rajas Thiele-Stechemesser sagt. Am Sonntag wird die Komödie „Drei Männer im Schnee“ aufgeführt, am 17. März „Die Niere“, am 24. März steht die Konzertreihe „Cognito“ an. „Der Ticketverkauf läuft ganz normal“, so Thiele-Stechemesser. Absagen würde er nur, wenn es eine gesetzliche Vorgabe gebe.

Im Arriba läuft der Betrieb ohne Einschränkungen weiter

Die ist nicht vorgesehen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vertritt bislang die Auffassung, dass dies Sache der Kommunen sei. Thiele-Stechemesser: „Und wenn bei uns in der Hopfenliebe Mitarbeiter mit einer Erkältung ankommen, werden die immer nach Hause geschickt. Das hat nichts mit Corona zu tun, das war schon immer so, weil wir mit Lebensmitteln arbeiten.“

Im Arriba-Erlebnisbad läuft der Betrieb ungestört weiter. „Weil so viele Menschen dort zusammenkommen, könnte man der Meinung sein, das sei ein gefährlicher Ort“, so Oliver Weiß, Sprecher der Stadtwerke. Das Gegenteil sei der Fall: „Das Arriba arbeitet sowieso unter hohen hygienischen Bedingungen, die auch ohne Corona da wären. Wir haben gechlortes Wasser und in der Sauna Temperaturen, die das Virus nicht schätzt.“

Es gebe ausreichend Möglichkeiten für Besucher des Bades, sich zu desinfizieren. Und an der Kasse, wo Bargeld ausgetauscht wird, tragen die Mitarbeiter Handschuhe.

Eintracht-Spiel wird stattfinden

Bei Eintracht Norderstedt rollt am Sonntag (Anstoß: 14 Uhr) in der Fußball-Regionalliga gegen den SC Weiche Flensburg 08 der Ball. „Bei Schalke gegen Bayern waren 60.000 Menschen im Stadion. Bei uns kommen 600“, sagt Clubpräsident Reenald Koch. „Solange es keine behördliche Verfügung gibt, lassen wir alles weiterlaufen.“

Die für Sonnabend geplanten internationalen Nordic Open im Taekwondo in Kaltenkirchen wurden hingegen abgesagt. „Da die von uns zur Verfügung gestellten elektronischen Helme unter den Sportlern getauscht werden müssen, ist eine mögliche Ansteckungsgefahr besonders groß. Selbst bei gründlicher Desinfektion der Kopfschützer können wir nicht sicherstellen, dass keine Übertragung stattfindet. Unsere Fürsorgepflicht gegenüber den Sportlern steht an oberster Stelle“, sagte Werner Masch vom Taekwondoverband Schleswig-Holstein. Angemeldet für das Turnier in der Lakweghalle hatten sich 138 Kämpfer.

In Bad Bramstedt werde es fürs Erste keine Absagen geben, sagt Bürgermeisterin Verena Jeske. Nach jetzigem Stand werde demnach auch das Frühlingsfest des Bürger- und Verkehrsvereins am 22. März stattfinden. Sie würde nur auf Anweisung des Kreisgesundheitsamtes Termine streichen oder verlegen. „Die Stadt wird nichts absagen“, so die Bürgermeistern, die vor einer Hysterie warnt.

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