Norderstedt

Schüler haben großen Erfolg mit einem kleinen Haus

„Probewohnen“ im Tiny House der Ossenmoorpark-Gemeinschaftsschüler: Bauherren, Kooperationspartner und die Mitglieder der „lüttIng.“-Jury besichtigten den Rohbau.

„Probewohnen“ im Tiny House der Ossenmoorpark-Gemeinschaftsschüler: Bauherren, Kooperationspartner und die Mitglieder der „lüttIng.“-Jury besichtigten den Rohbau.

Foto: Claudia Blume / blume

Von Neun- und Zehntklässlern der Ossenmoorpark-Schule konstruiertes Tiny House wird vom landesweiten Technik-Programm „lüttIng.“ gefördert

Norderstedt.  Die Aufregung ist groß bei den 19 Neunt- und Zehntklässlern. An diesem Tag entscheidet sich, ob sie weiteres Geld für ihr ehrgeiziges Projekt erhalten. Mit der Idee, in einem Wahlpflichtkursus ein nachhaltiges, voll funktionsfähiges, transportables Tiny House zu konstruieren und zu bauen, hatten sich die Schüler der Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark für das landesweite Schüler-Technik-Programm „lüttIng.“ beworben. Von 14 weiteren teilnehmenden Gemeinschaftsschulen und Gymnasien bekamen sie den Zuschlag und erhielten zunächst 4000 Euro für die Startfinanzierung. Pro Schuljahr werden seit zehn Jahren maximal acht MINT-Projekte (MINT steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) vom Kieler Bildungsministerium, der Stiftung Nordmetall, der Werner Petersen Stiftung und der Technischen Akademie Nord als praxisnahe Berufsorientierung gefördert.

Nach den Sommerferien gingen die Planungen für das knapp sieben Qua­dratmeter kleine Tiny House los. „Gar nicht so einfach, denn jeder hatte andere Vorstellungen, womit unser Häuschen unbedingt ausgestattet werden sollte“, sagt Tim (15). Eine eingezogene Decke für eine zweite Wohnebene sowie eine Veranda wurden verworfen – zu teuer in der Umsetzung. Stattdessen wird es oberhalb des Sofas ein Futonbett geben. Kompost-Toilette, Dusche, Spüle und Elektroherd müssen sein; der Kühlschrank dient gleichzeitig als Tisch. Solarpanele auf dem Dach decken auch den Energiebedarf der Heizung; große Behälter unter dem fahrbaren Haus sorgen für Frischwasser. Mehr Komfort gibt es nicht – aber das ist in dieser Form des reduzierten Wohn- und Lebensstils auch nicht gewollt.

Es ist ein kleines Haus für große Träume – doch viel ist davon aktuell noch nicht zu sehen, lediglich ein Trailer mit zwei Außenwänden und vorbereitetem Boden. Denn bis das Holz bearbeitet werden konnte, dauerte es länger als geplant. „Für die Bedienung großer Kapp- und Kreissägen braucht man einen Maschinenschein, doch den hatte niemand“, berichtet Lehrerin und Projektinitiatorin Kathrin Peters, „zum Glück rettete uns der Tangstedter Zimmermann Peter Larsson aus dem Dilemma und fertigte die erste Balkenlage und den Boden.“

Bei der Verlegung der Elektrik erhalten die Jugendlichen Unterstützung von Auszubildenden des Kooperationsunternehmens Hanseatic Power Solutions. „Ein tolles Projekt im Sinn der Nachhaltigkeit, das wir gerne mit Knowhow begleiten und darüber vielleicht den einen oder anderen zukünftigen Azubi akquirieren können“, sagt der kaufmännische Leiter Michael Grenz.

In der Werkhalle an der Oststraße treffen sich die Häuslebauer jeden Montag in der siebten und achten Schulstunde zum Planen und Bauen. Zudem tauschen sie sich über eine Whats-App-Gruppe aus und halten Fortschritte per Video fest. In den kommenden Monaten ist noch viel zu tun: Preise checken, Material einkaufen, Zwischenwände einziehen, Dämmung anbringen, Fenster und Türen einbauen, Inneneinrichtung komplettieren, Dach eindecken. „Das Budget ist schon jetzt fast aufgebraucht“, sagt der 16-jährige Finn. Doch „lüttIng.“-Koordinatorin Sabine Petersen von der Technischen Akademie Nord in Kiel signalisiert grünes Licht: „Die zusätzlichen 1000 Euro sind so gut wie überwiesen. Die Jury ist beeindruckt von der starken Handlungsorientierung und will das Leuchtturmprojekt wachsen sehen!“