50 Jahre Norderstedt

Wie eine 16-Jährige ihre Stadt mitgestalten will

Lilly Krückmann (16) ist seit zwei Jahren im Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Norderstedt tätig. Sie wurde kürzlich mit den meisten Stimmen erneut in das Gremium gewählt.

Lilly Krückmann (16) ist seit zwei Jahren im Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Norderstedt tätig. Sie wurde kürzlich mit den meisten Stimmen erneut in das Gremium gewählt.

Foto: Thorsten Ahlf

Lilly Krückmann engagiert sich im Kinder- und Jugendbeirat, um Norderstedt für Jugendliche attraktiver zu machen.

Norderstedt.  Lilly Krückmann demonstriert nicht wie andere Schüler freitags auf den Straßen für den Klimaschutz. Greta Thunberg ist für sie inspirierend, aber kein Idol. „Natürlich finde ich es gut, dass Jugendliche sich für unsere Umwelt einsetzen“, sagt sie. Aber bevor man deutschland- oder weltweit etwas erreichen könne, sollte man auf kommunaler Ebene anfangen, meint die 16 Jahre alte Norderstedterin. Lilly hat ihren eigenen Weg gefunden, sich für ihre Herzensangelegenheiten starkzumachen. Sie engagiert sich seit zwei Jahren im Kinder- und Jugendbeirat (KJB) ihrer Heimatstadt.

Im vergangenen November wurde die Schülerin des Lessing-Gymnasiums in Norderstedt wieder in den KJB gewählt. Sie konnte von den 24 Kandidaten die mit Abstand meisten Stimmen, fast 750, für sich gewinnen. „Ich kenne viele Leute in Norderstedt. Das hat geholfen“, sagt Lilly und lächelt etwas verlegen.

Für Politik hat sie sich schon immer begeistert. Ihre Eltern, Angela Löw- Krückmann und Lars Krückmann, waren früher für die CDU in Norderstedt sehr aktiv. „Als ich angefangen habe, mich für die Umwelt zu interessieren, wollte ich mich politisch engagieren“, sagt Lilly.

Im Oktober 2017 hat sich der Kinder- und Jugendbeirat an ihrer Schule vorgestellt. Der Gedanke, Norderstedt aktiv mitgestalten und für Jugendliche attraktiver machen zu können, hat Lilly gleich gefallen. In ihrem Bekanntenkreis würden sich viele beklagen, dass die Stadt nicht so viel zu bieten habe wie Hamburg, erzählt sie. „Das ist auch ein Grund, warum ich zum KJB gegangen bin. Man sollte sich nicht nur beschweren, man kann auch etwas verändern.“

In den KJB investiert Lilly viel Freizeit. Einmal pro Woche kommt der gesamte Beirat zusammen und diskutiert neue Themen und Projekte. Zusätzlich treffen sich die Mitglieder an einem weiteren Tag in ihren Arbeitskreisen. Lilly beschäftigt sich mit den Bereichen Schule und Sport. Ihre Anliegen tragen die Jugendlichen abends in den Ausschüssen der Kommunalpolitik vor. „Wir können zwar nicht mitbestimmen, aber wir können mitsprechen“, sagt Lilly. Die Politiker arbeiten gern mit der jungen Generation und seien offen für Vorschläge.

Lilly ist in Norderstedt groß geworden. Das Sanitär- und Heizungsunternehmen der Familie Krückmann, das ihr Großvater vor rund 50 Jahren gegründet hat, ist stadtbekannt. Genauso wie Vater Lars, der sich sehr engagiert, unter anderem im Lions Club. Was die Elftklässlerin nach dem Abitur beruflich machen möchte, hat sie noch nicht entschieden. „Auf jeden Fall studieren“, sagt sie. Nichts mit Politik. Lieber Psychologie. Eine politische Karriere anzustreben, kann sie sich aber trotzdem vorstellen. „Wenn es so kommen sollte, dann gern. Aber ich möchte nichts erzwingen.“

Norderstedt braucht eine bessere Busverbindung

Zum Studieren würde Lilly in eine Großstadt ziehen, dort liegen die Universitäten. Raus aus Norderstedt. „Aber danach würde ich in eine Stadt wie Norderstedt zurückkehren. Hier ist es heimeliger“, sagt sie. Wie könnte man Norderstedt denn für Studenten schmackhafter machen? „Man bräuchte mehr bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen. Wie zum Beispiel Studentenwohnheime. Und günstigere Bahnfahrkarten“, meint Lilly.

Den größten Verbesserungsbedarf sieht die Schülerin bei den Busverbindungen. „Zweimal in der Woche fahre ich zum Handballtraining quer durch Norderstedt“, erzählt Lilly. Sie wohnt in Friedrichsgabe. Handball spielt sie bei der HT Norderstedt am Schulzentrum Süd in Glashütte. „Nach dem Training brauche ich oft eineinhalb Stunden nach Hause. Das ist schon nervig.“ Erst kürzlich stellte der Kinder- und Jugendbeirat im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr einen Antrag, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Anpacken, nicht lang reden, lautet Lillys Motto.

Sich in jungen Jahren in der Politik zu engagieren, ist nicht gang und gäbe. Die trockenen Reden vieler älterer Politiker in Deutschland würden nicht zur Motivation beitragen, sagt Lilly. Das höre sich kein Jugendlicher gern an. „Stattdessen sollte man ihnen zeigen, dass sie selbst etwas bewegen können, wenn sie sich für ihre Herzensangelegenheiten einsetzen.“