Norderstedt

Dieser Parkplatz dient Autofahrern als Schleichweg

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Schick
Famila-Marktleiter Thomas Schönfeldt auf dem Parkplatz: „150 Autos zwischen 6 und 8 Uhr!“

Famila-Marktleiter Thomas Schönfeldt auf dem Parkplatz: „150 Autos zwischen 6 und 8 Uhr!“

Foto: Michael Schick

Seit 2011 steht eine Schranke auf der Straße Falkenhorst neben dem Famila-Markt. Autofahrer umfahren sie über das Supermarktgelände.

Norderstedt.  Wer im Supermarkt Famila an der Ecke Stormarnstraße und Falkenhorst einkauft, der muss auf den Verkehr achten, wenn er mit seinem Einkaufswagen über den Parkplatz rollt. Nicht nur auf die Autofahrer, die einen Stellplatz suchen, muss man aufpassen. Es gibt auch jede Menge Fahrer, die hier bloß die schnelle Abkürzung zwischen Stormarnstraße und Falkenhorst suchen. Für die Kunden des Marktes ein Ärgernis – und auch für die Geschäftsführung von Famila.

Der Grund für den Missbrauch des Parkplatzes als Schleichweg ist hausgemacht – von der Stadt Norderstedt. Die hat 2011, als sie im benachbarten Stadtpark die Landesgartenschau ausrichtete, die direkt neben dem Parkplatz verlaufende Straße Falkenhorst mit einer Schranke dicht gemacht. Nur noch Busse und Rettungskräfte dürfen seither durch. Damals wollte man mit der Schranke verhindern, dass Gartenschaubesucher über den Falkenhorst das anliegende Wohngebiet mit ihren Wagen fluten. Nach der Schau bleib die Schranke einfach stehen. Famila-Geschäftsführer Thomas Schönfeldt kann es aus Sicht der Autofahrer verstehen, dass sie den Famila-Parkplatz als Schleichweg nutzen. „Aber das ist nun mal nicht Sinn der Sache“, sagt Schönfeldt. Schließlich handele es sich um einen Parkplatz und keine Durchfahrtstraße.

Schönfeldt und seine Mitarbeiter führen Buch und zählen stichprobenartig die Fahrzeuge, die die Parkfläche als Abkürzung benutzen. „Da kommen wir schon auf 150, und zwar zwischen 6 und 8 Uhr, bevor wir öffnen“, sagt Schönfeldt. Das sind diejenigen, die vom Falkenhorst kommen und über die Stormarnstraße und Poppenbütteler Straße Richtung Bad Segeberg oder Hamburg-Poppenbüttel wollen. Auch in der Gegenrichtung ist der Parkplatz ein gern genommener Schleichweg. Die Autofahrer könnten zwar auch über die Theodor-Storm-Straße hinter dem Famila-Gelände auf die Stormarnstraße fahren, aber der Weg über den Parkplatz ist die bequemere Alternative.

Extrem wuselig werde es, wenn die Stadtpark-Gesellschaft mehrere Tausend Besucher mit beliebten Veranstaltungen aufs Gelände lockt. „Dann geht hier gar nichts mehr“, sagt Schönfeldt. Die einen fahren über den Parkplatz, weil sich der Verkehr auf der Stormarnstraße vor dem Kreisverkehr mit dem Stormarnkamp staut, andere stellen ihr Fahrzeug ab, weil Parkplätze rar sind, wenn sich die Menschen im Stadtpark drängeln. Beides wiederum verschreckt und ärgert die Kunden. „Sie glauben gar nicht, was ich mir schon anhören musste“, sagt der Marktleiter.

Auf der anderen Seite profitiere die Warenhauskette auch vom Stadtpark und dessen hoher Akzeptanz. „Da geht so mancher Besucher auch bei uns einkaufen“ sagt Schönfeldt. Daher suche Famila nicht die Konfrontation, sondern wünsche sich eine einvernehmliche Lösung mit den Politikern und der Verwaltung in der Stadt.

Schönfeldts Vorgänger, Marktleiter Christian Lahrtz hatte sich schon 2011 über die Schranke beschwert: „Für mich ist es unverständlich, dass die Stadt die Schranke nicht abbaut. Wir sind mit unserem Einkaufsmarkt seit den 90er-Jahren hier, und bevor die Schranke aufgebaut wurde, lief der Verkehr reibungslos“, sagt er damals. Thomas Schönfeldt fragt sich, inwiefern die Anlieger des Falkenhorstes überhaupt noch von der Schranke profitieren, da die Autofahrer vom Famila-Parkplatz sofort auf den Falkenhorst stoßen. Er schlägt vor, dass an den besucherstarken Stadtparktagen die Schranke geöffnet und die Durchfahrt in eine Richtung erlaubt wird.

Doch bisher bleibt die Stadt bei ihrer Position. Der Anwohner und ehemalige Stadtvertreter Franz H. Höpcker, der schon seit zehn Jahren den Abbau der Schranke fordert, hatte sich nun erneut an den neuen Baudezernenten Christoph Magazowski gewandt. Doch der teilte ihm schriftlich mit, dass die Schranke nicht abgebaut werde. Sie sei von der Politik mehrheitlich beschlossen, Teil des Bebauungsplans 218 und gültiges Ortsrecht. „Die Straßensperre war und ist mehrheitlicher Wunsch der Anlieger des Falkenhorstes“, schreibt Magazowski. Doch Höpker gibt trotz der Absage nicht auf: „Ich möchte das gern zu Ende bringen.“ Der Famila-Parkplatz ist übrigens keine Einzelfall in der Stadt: Fast identisch sieht es bei Aldi an der Ohechaussee aus. Auch hier nutzen Autofahrer die Fläche als Schleichweg zwischen Ochsenzoller Straße und B 432.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt