Norderstedt
Kreis Segeberg

Neuer Lebensraum für Frösche, Käfer und Insekten

Merle Wegner von der Stiftung Naturschutz zeigt ein Bild eines quakenden Laubfrosches.

Merle Wegner von der Stiftung Naturschutz zeigt ein Bild eines quakenden Laubfrosches.

Foto: Burkhard Fuchs

Ausgleichsagentur der Stiftung Naturschutz legt auf der Kisdorfer Geest Teiche an und pflanzt Bäume, Sträucher und blühende Wildpflanzen.

Kattendorf/Kisdorf.  Die auch hierzulande gefährdeten Laubfrösche werden bald auf der Kisdorfer Geest bei Kattendorf neuen Lebensraum finden können. Die Ausgleichsagentur der landeseigenen Stiftung Naturschutz legt zurzeit auf einem ehemals landwirtschaftlich intensiv genutzten Acker am Buschweg zwei Teiche an, in denen die stark gefährdete Amphibien schon im Mai laichen können sollen. „Wir schaffen hier einen Wohlfühlort für den leuchtend-grünen Laubfrosch, seltene Libellenarten und den Laufkäfer“, sagt Philipp Meinecke, zuständiger Projektmanager von der Ausgleichsagentur.

Die insgesamt acht Hektar große Wiese werde zur Hälfte mit den Tümpeln versehen und wieder komplett vernässt, indem die von den Bauern angelegten, unterirdischen Drainageleitungen zerstört und entfernt werden. Die andere, nördlichere Hälfte der Fläche, die der Stiftung Naturschutz gehört, soll neu bewaldet werden. „Wir werden die Bäume im Sommer anpflanzen“, kündigt der Biologe an.

Die Kisdorfer Geest böte als kleine, etwa 70 Meter hohe Anhöhe zwischen den Bächen und Flüsschen Kattenbek, Ohlau und Schmalfelder Au, die rundherum im Tal lägen, ideale Lebensverhältnisse für die Laubfrösche. „Der Geestrücken ist ein typischer Lebensraum für die Laubfrösche.“ Sie bräuchten nur ein kleines, flaches Gewässer zum Eier-Ablegen, das im Sommer durchaus wieder austrocknen könnte. „Wenn es glückt, wird hier schon bald wieder ein lautes Konzert der Laubfrösche von den Bäumen aus zu hören sein“, so der Biologe.

Damit die angelegten Tümpel aber nicht gleich wieder zuwachsen, sollen sie beweidet werden. Ein Landwirt aus der Umgebung lasse hier seine Rinder weiden, erklärt Meinecke. Allerdings dürften es nicht mehr als zehn Milchkühe auf dieser Fläche sein.

Zugleich diene die Wiedervernässung dieser recht artenarmen, ehemals landwirtschaftlichen genutzten Fläche dem Klimaschutz, erklärt der Biologe. „Wir haben ja in den trockenen Sommern der letzten Jahre gemerkt, wie schnell die Felder bei andauernder Hitze austrocknen können.“

Landesweit habe die Stiftung Naturschutz in den vergangenen 20 Jahren etwa 1000 neue Amphibien-Gewässer zumeist auf Stiftungsland geschaffen, erklärt Wolfgang Lenschow, der als Biologe und Amphibienexperte die Baggerarbeiten bei Kattendorf beaufsichtigt. „Das hat hierzulande den Laubfrosch vor dem Aussterben bewahrt.“ Nirgendwo sonst in ganz Deutschland konnte es bislang erreicht werden, dass diese Amphibienart nicht mehr so stark gefährdet ist, wie in Schleswig-Holstein. „Wir sind das einzige Bundesland, in dem es für die Frösche besser wird.“ Die neu angelegten Teiche und Tümpel würden auch Libellen und andere Wasserinsekten anlocken. Zudem werde noch eine Blühwiese mit heimischen Wildpflanzen wie der rundblättrigen Glockenblume und der Wiesen-Flockenblume ausgesät, damit sie bald von Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlingen als „Insekten-Tankstellen“ genutzt werden könnten, sagt Projektleiter Meinecke. Diese wiederum stünden auf dem Speiseplan so gefährdeter Vogelarten wie etwa dem Wespenbussard oder dem Neuntöter.

Die Waldfläche wiederum soll mit heimischen Laubbäumen und Sträuchern bewaldet werden, die wiederum Singvögel, Haselmäuse und andere Waldbewohner anlocken sollen.

Die Ausgleichsagentur der Stiftung Naturschutz schafft diese ökologisch hochwertigen Lebensräume für Amphibien und Insekten auch als Ausgleichsflächen im Voraus für spätere Baumaßnahmen und Versiegelungsarbeiten, betont Meinecke. Investoren und Kommunen könnten sie für ihre Projekte erwerben und sich so von der Pflicht, selbst ökologischen Lebensraum zu schaffen, freikaufen.