Norderstedt
Kreis Segeberg

„Geschmäckle“ beim Kaltenkirchener Bauverein

Johann Fuhlendorf ist Aufsichtsratsvorsitzender im Bauverein und zugleich Vorstandschef der Kaltenkirchener Bank.

Johann Fuhlendorf ist Aufsichtsratsvorsitzender im Bauverein und zugleich Vorstandschef der Kaltenkirchener Bank.

Foto: HA

Johann Fuhlendorf,Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bau-Genossenschaft, fühlt sich zu unrecht kritisiert und äußert sich nun öffentlich.

Kaltenkirchen.  Bis jetzt hatte der Aufsichtsrat des Kaltenkirchener Bauvereins zu den Vorwürfen gegen sich geschwiegen. Am Freitag wurden die Pressevertreter dann zu einem Gespräch in die Geschäftsräume der Wohnungsbau-Genossenschaft gebeten. „Ich bin in den vergangenen Tagen öffentlich stark kritisiert worden. Deswegen haben wir beschlossen, uns zu äußern“, sagte Johann Fuhlendorf, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Das Reden hat Fuhlendorf allerdings überwiegend Notar Peter Gramsch überlassen, der ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates ist.

Nachdem der Aufsichtsrat das Vorstandsmitglied Martina Bennert freigestellt hatte, sind eine Reihe an Anschuldigungen gegenüber dem Aufsichtsrat öffentlich geworden. Bennert wurde abberufen, nachdem sie dem Bauverein von dem Kauf des 3,5 Millionen Euro teuren Bade-Grundstücks in Henstedt-Ulzburg abriet. Ein unabhängiges Gutachten gab ihr recht, dass das Geschäft zu risikoreich sei. Zudem besagte es, dass Johann Fuhlendorf entgegen der Satzung allein Kaufverhandlungen geführt und den Vorstand zum Kauf gedrängt haben soll. „Das ist falsch“, sagte Fuhlendorf nun. Er sei zwar seit seinem 15. Lebensjahr mit dem Grundstücksbesitzer befreundet, „aber ich habe nicht darauf gedrängt, das Grundstück zu kaufen“.

Streit im Bauverein hat hohe Wellen geschlagen

Warum genau Martina Bennert freigestellt worden ist und warum der Streit mit dem Vorstand entbrannt ist, dazu wollte sich der Aufsichtsrat nicht äußern. Nur so viel: Man habe keinen Grund gesehen, das Grundstück nicht zu kaufen.

Der Zoff im Bauverein hat inzwischen so hohe Wellen geschlagen, dass sich erneut Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), zu Wort meldete. „Mit Sorge verfolgen wir die Vorgänge in Kaltenkirchen“, sagte er.

Seit 1948 ist der Bauverein Mitglied im VNW. Eine Genossenschaft ist dazu verpflichtet, sich von einem Prüfverband kontrollieren zu lassen. Bis 2016 erfolgte die Prüfung des Bauvereins noch durch den VNW. Dann rügte der Verband den Bauverein wegen eines Satzungsverstoßes – dieser wechselte daraufhin den Prüfverband.

Grund der Uneinigkeit: Der Bauverein stellte ein nahes Familienmitglied des Aufsichtsrates – die Tochter von Johann Fuhlendorf – ein. Das verbietet die Satzung. Johann Fuhlendorf hätte als Aufsichtsratsvorsitzender erst ausscheiden müssen, oder die Satzung hätte geändert werden müssen, um den Weg für Yvonne Fuhlendorf frei zu machen. Der genossenschaftliche Prüfverband Mecklenburg-Vorpommern, der nun für die Prüfung des Bauvereins verantwortlich ist, hat den Satzungsverstoß bisher nicht gerügt. Auf Nachfrage des Abendblatts wollte sich der Verband zum Bauverein nicht äußern.

„Nicht alles, was legal ist, ist legitim“

Der Aufsichtsrat betonte, dass der Bauverein den Prüfverband nicht gewechselt habe, weil der VNW die Beschäftigung von Yvonne Fuhlendorf bemängelt hatte. Ursächlich sei eine schon länger bestehende Unzufriedenheit aufseiten des Vorstandes mit der Zusammenarbeit und die als überholt angesehene Vergütung. „Der Wechsel brachte eine erhebliche Kostenersparnis mit sich. Das war das entscheidende Argument“, sagte Peter Gramsch.

Ein weiterer Vorwurf, der im Raum steht: Der Aufsichtsrat missbrauche seine Rechtsposition, weil Mitglieder Auftragnehmer des Bauvereins seien. Im Gremium sitzen unter anderem Handwerker, die Aufträge vom Bauverein erhalten. Wolfgang Lange, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender, beklagt: „Mehr Filz geht nicht!“ Peter Gramsch räumte ein gewisses „Geschmäckle“ ein, sagte aber auch, dass es Wunsch diverser Mitgliederversammlungen sei, die Handwerker vor Ort zu beauftragen. Zudem sei es satzungsgemäß und allseits akzeptiert.

„Nicht alles, was legal ist, ist legitim“, sagte hingegen Andreas Breitner vom VNW. Viele Genossenschaften würden solche Abhängigkeiten, durch die wirtschaftliche Vorteile entstehen können, verbieten. Breitner empfiehlt dem Bauverein daher, einen Verbotspassus in seine Satzung aufzunehmen. Zugleich bietet er der Genossenschaft die Hilfe des Verbandes an: „Der VNW steht für eine neutrale Versammlungsleitung zur Verfügung. Wir bieten auch die Tätigkeit als Mittler und Mediator an.“

Der Verband und seine Unternehmen stünden für bestimmte Werte. Wenn ein Unternehmen dagegen dauerhaft verstoße, sei es möglicherweise sinnvoll, wenn sich die Wege trennten.

Aufsichtsrat lädt Mitglieder zu Infoveranstaltung

Notar Peter Gramsch hat bereits seine Konsequenzen gezogen: Seine Kanzlei war für den Bauverein anwaltlich tätig. Die Mandate wurden nun mit sofortiger Wirkung niedergelegt. „Wir möchten nicht im Zusammenhang mit ‚Filz‘ in der öffentlichen Diskussion stehen“, sagte Gramsch.

Wolfgang Lange ist indes weiterhin bemüht, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Dazu benötigt er mindestens 250 Unterschriften. Sein Ziel ist es, den Aufsichtsrat abberufen zu lassen. „Ginge es Herrn Lange tatsächlich um das Wohl des Bauvereins, hätte er seine Kritik entweder in einem persönlichen Gespräch oder in einer Mitgliederversammlung vorbringen sollen“, kritisierte der Aufsichtsrat. „Dass er indes in weiten Teilen sachlich falsche Vorhaltungen öffentlich über die Presse äußert, zeigt, dass es ihm um etwas ganz anderes geht, nämlich um persönliche Kritik aufgrund welcher persönlichen Animositäten auch immer.“ Lange weist die Vorwürfe zurück, er möchte lediglich auf das Fehlverhalten des Aufsichtsrates aufmerksam machen.

Bisher hat der Aufsichtsrat seine Mitglieder nur zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Mittwoch, 26. Februar, 19 Uhr, in die Bürgerhalle des Gymnasiums Kaltenkirchen eingeladen. Zu befürchten hat er nichts, Entscheidungen können nur auf Mitgliederversammlungen getroffen werden. „Weil wir als Aufsichtsrat nichts zu verbergen haben, wählen wir diesen öffentlichen Weg“, heißt es in der Einladung an die Mitglieder. Darin bemängelt der Aufsichtsrat die einseitige Berichterstattung der Presse. Bis Freitag hatte er sich allerdings gegenüber dem Abendblatt nicht äußern wollen.