Norderstedt
Kreis Segeberg

Angst vor Thüringer Verhältnissen: CDU-Kandidatin tritt ab

Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher.

Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher.

Foto: 4° / John Garve / Agentur 54°

Kathrin Weiher, Kultursenatorin aus Lübeck, will nicht mehr Landrätin im Kreis Segeberg werden. Sie bräuchte dazu die Stimmen der AfD.

Bad Segeberg.  Kathrin Weiher, Lübecker Bildungs- und Kultursenatorin, hat ihre Kandidatur für das Amt der Landrätin im Kreis Segeberg zurückgezogen. Die parteilose Kandidatin wurde von der CDU-Fraktion des Segeberger Landtags unterstützt. Kurt Barkowsky, CDU-Fraktionschef wurde am Donnerstagabend von Weiher über ihren Rückzug informiert. „Wir sind sehr traurig darüber“, sagt Barkowsky. Als Grund für den Rücktritt nannte Weiher offenbar die Angst vor Thüringer Verhältnissen bei der Landratswahl am 12. März im Segeberger Kreistag. „Eine Mehrheit im Kreistag ist für Weiher nur mit den fünf Stimmen der AfD-Abgeordneten möglich“, sagt Barkowsky.

Acht Fraktionen hat der Kreistag und 62 Abgeordnete. SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler haben ihre 29 Stimmen bereits sicher dem Amtsinhaber Jan Peter Schröder zugesagt. Lediglich die Linke (2 Sitze) und die Fraktion Wi-Se (3) sind noch unentschieden. Zusammen mit den 23 CDU- und den fünf AfD-Abgeordneten könnte Weiher eine theoretische absolute Mehrheit erreichen. In Gesprächen mit den Grünen hatte Weiher offenbar zuletzt erkannt, dass sie aus dem Lager der Schröder-Unterstützer keine Stimmen zu erwarten hat.

Nach den Ereignissen von Thüringen und spätestens nach den klaren Aussagen des CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther in der Landtagsdebatte darüber, sei es klar, dass es keine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD in irgendeiner Form geben darf, sagt Barkowsky. Weiher und er seien überein gekommen, dass die Konstellation im Segeberger Kreistag eine große politische Gefahr für sie beide bedeute. Deswegen ziehe die Kandidatin die Konsequenzen. „Selbst wenn sie angetreten wäre – ich hätte meiner Fraktion dann empfohlen, sich bei der Wahl am 12. März der Stimme zu enthalten“, sagt Barkowsky.

Barkowsky verneint, dass es bei einer Veranstaltung in Norderstedt mit Landrat Schröder und Kathrin Weiher in einer internen CDU-Probeabstimmung bereits drei Abtrünnige gegeben habe, ergo also noch nicht einmal die CDU geschlossen zu Weiher stand. „Das stimmt nicht. Ich habe Frau Weiher alle 23 Stimmen der Fraktion zugesichert“, sagt Barkowsky.

Wie sich die CDU nun ohne ihre Favoritin für das Amt der Landrätin bei der Wahl am 12. März verhält ist offen. „Das müssen wir nun intern erst einmal besprechen“, sagt Barkowsky. Im Hauptausschuss des Kreistages werden am Donnerstag, 27. März, von 17 Uhr an, hinter verschlossenen Türen die verbliebenen drei Kandidaten von den Politikern gesichtet: Landrat Schröder, ein Wirtschaftsförderer aus Erfurt und ein ehemaliger Geschäftsführer aus Hamburg.