Kommunalpolitik

Nach Thüringen-Eklat: Sievert verlässt Kaltenkirchener FDP

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Katharina Loedige (l.) hat kein Verständnis für Nadine Sievert.

Katharina Loedige (l.) hat kein Verständnis für Nadine Sievert.

Foto: FDP

Die Stadtvertreterin wirft den Liberalen vor, die „Opfer des Nationalsozialismus zu verhöhnen“. FDP-Ortsverband reagiert mit Unverständnis.

Kaltenkirchen.  Wegen des Eklats in Thüringen kehren nun auch Mitglieder in Schleswig-Holstein und dem Kreis Segeberg der FDP den Rücken: Nadine Sievert hat die Freien Demokraten mit sofortiger Wirkung verlassen und ihr Mandat als Stadtvertreterin in Kaltenkirchen niedergelegt. Für ihren Austritt fand sie deutliche Worte. „Schon in der Vergangenheit haben mich etliche Äußerungen auf Ebene der Bundespartei zur Migrationspolitik mehr als befremdet“, erklärte die 36-Jährige in einer Pressemitteilung. „Nun zeigt mir die aktuelle Entwicklung in Thüringen, dass die FDP Faschisten aktiv unterstützt.“

FDP-Kandidat Thomas Kemmerich hatte sich vor zwei Wochen mit Stimmen der AfD zum thüringischen Ministerpräsidenten wählen lassen. Nach bundesweiter Empörung trat Kemmerich einen Tag später zurück. „Die Wahl Kemmerichs durch die AfD war nachweislich kein Versehen, sondern ein bewusst herbeigeführtes Ereignis“, sagte Nadine Sievert. Jetzt auf Bundesebene so zu tun, als sei man überrascht worden, sei zutiefst verlogen und Betrug an Wählerinnen und Wählern. „Der Tabubruch dieser Wahl ist eine Verhöhnung und ein Verbrechen an den Opfern des Nationalsozialismus sowie den aktuellen Opfern von rechter Gewalt.“

Katharina Loedige: „Eine unverzeihliche Unterstellung“

Der FDP-Ortsverband in Kaltenkirchen reagierte mit wenig Verständnis. „Dieser Austritt kommt für uns völlig überraschend, zumal Nadine Sievert in der Vergangenheit alle unsere Initiativen und Stellungnahmen mitgetragen hat und durch politische Aussagen nicht aufgefallen war“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Katharina Loedige. Die FDP in Kaltenkirchen mit dem Faschismus in Verbindung zu bringen, sei eine unverzeihliche Unterstellung, die Sievert mit keinem einzigen Beispiel unterlegen könne. „Uns für das Verhalten in Thüringen in Sippenhaft zu nehmen, entspricht genau dem von ihr verachteten Verhalten eines Faschisten“, sagte Loedige. Vor allem könne man Sieverts Entscheidung nicht nachvollziehen, weil der Ortsverband umgehend Bestürzung und Unverständnis an dem Verhalten der FDP in Thüringen geäußert habe.

Schleswig-Holstein verzeichnet 49 Austritte

Die Vorkommnisse in Thüringen haben auch Auswirkungen auf die FDP in Schleswig-Holstein. „Allerdings haben sich Landesvorstand und Fraktion hier im Land sehr schnell und glasklar zu Thüringen positioniert und jegliche Kooperation mit der AfD ausgeschlossen. Dadurch halten sich die Austritte in Grenzen und etwa in Waage mit den gestellten Neuaufnahmeanträgen“, sagte der Landesvorsitzende Heiner Garg.

Seit der Wahl in Thüringen Anfang Februar hat der Landesverband Schleswig-Holstein 49 Austritte zu verzeichnen. Dem gegenüber stehen 43 Neuaufnahmeanträge. „Die Stimmung ist gedrückt“, gab Stephan Holowaty zu. Der FDP-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Kreisverbandes Segeberg könne verstehen, dass viele Mitglieder entsetzt und niedergeschlagen reagiert hätten. „Aber dass Nadine Sievert sich zu so einer kräftigen Wortwahl hinreißen lässt, ist aus meiner Sicht unverständlich“, sagte Holowaty.

Sievert war acht Jahre lang Mitglied in der FDP. Bereits 2012 hatte sie eine andere Partei verlassen. Damals wechselte sie gemeinsam mit ihrem Mann von den Grünen zu den Liberalen, mit der Begründung, dass die FDP der „eigentlich grüne Motor“ vor Ort sei.

( anb )

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