Verkehr

Der Schmuggelstieg soll zur Fußgängerzone werden

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Michael Schick
Juwelier Thomas Weidemann (links) und Boutiquen-Besitzer Heydolf Waldschmidt lehnen eine Fußgängerzone am Schmuggelstieg kategorisch ab.

Juwelier Thomas Weidemann (links) und Boutiquen-Besitzer Heydolf Waldschmidt lehnen eine Fußgängerzone am Schmuggelstieg kategorisch ab.

Foto: Michael Schick

Geschäftsleute wehren sich gegen Stadtplanungen. Die Verwaltung will den Verkehr auf der Ohechaussee zum Fließen bringen.

Norderstedt.  Bis zu 28.000 Fahrzeuge pro Tag, kilometerlange Staus – das ist der Auto-Alltag auf der Ohechaussee. Die Stauzone reicht von der Niendorfer Straße bis zum Ochsenzoll-Kreisel. Die Folge: Autofahrer verlieren auf diesem Abschnitt im abendlichen Berufsverkehr bis zu 25 Minuten. Nun will die Stadt den Verkehr ins Fließen bringen, die Planer aus der Verwaltung haben dafür ein Bündel an Maßnahmen erarbeitet, das Konzept wird demnächst im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr diskutiert. Zentraler Vorschlag: Der Schmuggelstieg soll zur Fußgängerzone werden.

Das Linksabbiegen von der Ohechaussee in die Straße Am Tarpenufer würde unterbunden, die Abbiegespur würde in eine zweite Geradeausspur umgewandelt, sodass die Autofahrer zügiger vorankommen. Einen weiteren Vorteil sehen die Planer darin, dass der Aufenthalt für Fußgänger und Radfahrer am Einkaufszentrum attraktiver wird – sie würden beim Einkaufen nicht durch Fahrzeuge gestört. „Mildere Alternative“ sei, Einbahnstraßen auszuweisen. Rein ins Einkaufszentrum auf dem Schmuggelstieg und raus auf der Straße Am Tarpenufer.

Geschäftsleute am Schmuggelstieg nicht begeistert

Bei den Geschäftsleuten vom Schmuggelstieg trifft dieser Vorschlag auf massive Gegenwehr und Unverständnis: „Ein solcher Vorschlag zeigt doch nur, dass die Verantwortlichen im Rathaus keine Ahnung von der Situation und unserem alltäglichen Kampf um Kunden haben“, sagt Heydolf Waldschmidt, der die Boutique „Chiri Biri“ betreibt. „Wir brauchen die Möglichkeit, dass die Menschen mit dem Auto zu uns kommen können. Das ist unsere einzige Chance zu überleben“, sagt Thomas Weidemann von der Goldschmiede „Tendenzen“. Die meisten Menschen, die hier einkaufen, kämen aus dem Umland, aus Kaltenkirchen, aber auch aus den nördlichen Hamburger Stadtteilen wie Poppenbüttel oder Sasel.

Waldschmidt und Weidemann erinnern daran, dass die Händler im kleinen Einkaufsquartier an der Grenze zu Hamburg in den vergangenen Jahren mehrfach durch Baumaßnahmen der Stadt hart getroffen worden seien. Vor gut zehn Jahren wurde der Bereich modernisiert. Bordsteine verschwanden, alles wurde hübsch gepflastert – eine Phase, die von den Geschäftsleuten jede Menge Geduld und Langmut verlangte und Umsatzeinbußen bescherte. „Und dann kam der Bau des Ochsenzoll-Kreisels, mit dem wir wieder extrem gebeutelt waren“, sagt Waldschmidt.

Schließlich der Neubau des Schmuggelstieg-Centers mit Läden und Wohnungen – Projekte, die die Mitglieder der Interessengemeinschaft viel Kraft, Zeit und Kunden gekostet hätten. „Einige wichtige Magneten wie Arko und Tchibo sind während der jahrelangen Baumaßnahmen verschwunden“, sagt Waldschmidt. Erst vor Kurzem habe der Gemüsemann aufgegeben, weitere Abgänge seien nicht zu verkraften.

Stadt hält die Maßnahme für unverzichtbar

Die Stadt sieht diese Probleme durchaus, hält es aber für unverzichtbar, den Schmuggelstieg nur Radlern und Fußgängern zu öffnen. Das sei ein wichtiger Baustein im Gesamtpaket, mit dem die Staus abgebaut werden sollen. Das vorgelegte Konzept macht nur als Gesamtpaket Sinn. Wenn nur einzelne „Flaschenhälse“ beseitigt werden, verschärfe das die Situation an den anderen Staupunkten.

Auf der Kreuzung Niendorfer Straße/Ohechaussee etwa soll eine verbesserte Steuerung der Ampeln Entlastung bringen. Fußgänger sollen nur noch bei Bedarf Grün bekommen. Insgesamt müsse das Zusammenspiel der Ampeln flexibler geregelt werden, um den jetzigen Kapazitätsverlust von rund 20 Prozent auszugleichen. Für die Kreuzung Tannenhofstraße/Rugenbarg/Ohechaussee, durch die unklare Abbiegeregelung ein ständiger Gefahrenpunkt, sieht das Konzept den Bau von Linksabbiegespuren vor. Dafür fehlt allerdings der Grund und Boden. „Der Kauf dieser Flächen ist derzeit nicht möglich und auch mittelfristig nicht in Sicht“, schreiben die Planer im Konzept. Daher biete sich als alternative Lösung an, das Linksabbiegen von der Ohechaussee in den Rugenbarg zu unterbinden. Das bedeute allerdings, dass Verkehr auf den Straßenzug Essener Straße/In de Tarpen verlagert werde. Ein solches Verbot ebenfalls für das Abbiegen von der Ohechaussee in die Tannenhofstraße anzuordnen, sei nicht sinnvoll – dafür sei diese Verkehrsführung zu bedeutend.

Im Blick haben die Planer nicht nur die Ohechaussee, sondern auch den Straßenzug Niendorfer Straße/Friedrichsgaber Weg. Zu den Hauptverkehrszeiten ist auch hier keine staufreie Fahrt möglich, gestoppt werden die Autofahrer vor allem an den Kreuzungen Ochsenzoller Straße, Alte Dorfstraße und Friedrich-Ebert-Straße. Im Wesentlichen sollen die Ampelschaltungen optimiert werden, heißt es im Konzept, das die Politiker im Frühjahr 2019 beschlossen haben.

Umgebaut wird die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße, Spuren für Linksabbieger werden auf dem Friedrichsgaber Weg von Süden und von der Friedrich-Ebert-Straße in den Friedrichsgaber Weg nach Süden eingerichtet. Das Linksabbiegen von Norden in die Friedrich-Ebert-Straße wird unterbunden.

Eine Übersicht über die geplanten Maßnahmen finden Sie in Ihrer gedruckten Abendblatt-Regionalausgabe Norderstedt.

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