Norderstedt
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Ochsenzoll-Kreisel: Ist Wohnen hier unzumutbar?

Der Kreisverkehr am Ochsenzoll: rechts unten das brach liegende Grundstück mit dem ehemaligen Nachtclub „Moby Dick“.

Der Kreisverkehr am Ochsenzoll: rechts unten das brach liegende Grundstück mit dem ehemaligen Nachtclub „Moby Dick“.

Foto: TA CAPS / Thorsten Ahlf

Ein Investor möchte neben dem Kreisverkehr in Norderstedt Wohnungen für 120 Menschen bauen. Die Politik lehnt das ab – zu laut, zu viele Abgase.

Norderstedt.  Der Projektentwickler Christian Laue möchte einen Schandfleck in Norderstedt überbauen: Der leerstehende und seit Jahren verfallende Altbau der ehemaligen Bar „Moby Dick“ soll durch ein Haus mit 86 Wohnungen ersetzt werden. Doch die Politik hat sein Projekt abgelehnt – zu viel Lärm, zu viele Abgase, Bäume müssten fallen, problematische Verkehrssituation. Ist der Ochsenzoll als Wohnlage unzumutbar? Und wird der Schandfleck „Moby Dick“ zum ewigen Ärgernis?

Christian Laue will nicht aufgeben und kämpft für seine Pläne. Er arbeitet mit einer sozialen Stiftung als Investor und Bauträger zusammen, 17 Millionen Euro sind für den Neubau kalkuliert. Auf der Fläche des „Moby Dick“ und der Gewerbeimmobilie daneben soll der dominante und prägende Bau mit 86 Wohneinheiten entstehen. Einbezogen werden soll auch der Parkplatz neben dem „Moby Dick“, auf dem derzeit die Schmuggelstieg-Kunden gerne ihre Wagen abstellen. Laue plant mit der eingeführten 50-Prozent Sozialwohnungsquote, will also etliche bezahlbare Wohnungen schaffen. Zurzeit sind vier Geschosse plus Staffelgeschoss geplant, maximal 20 Meter hoch soll der Komplex werden. „Damit würde sich das Gebäude architektonisch in die Umgebung einfügen, wo es durchaus höhere Bauwerke gibt“, sagt der Projektentwickler

Das Moby Dick, einst berüchtigte Party-Kneipe, steht seit Dezember 2019 leer. Wer den Kreisel passiert, immerhin mehr als 25.000 Autofahrer pro Tag, bekommt die „Schmuddelecke“ zwangsläufig zu sehen. „Das ist nun wahrlich alles andere als ein attraktives Einfallstor nach Norderstedt“, sagt Laue. Er erinnert sich an die Absicht des langjährigen Baudezernenten Thomas Bosse, der gerade die Stadtzufahrten architektonisch aufwerten wollte.

„Ich habe die Fläche auch Geschäftsleuten angeboten, neben anderen waren Vertreter von Budnikowsky und von Block House hier. Aber alle haben den Kopf geschüttelt, da es nur eine Zufahrt zum Grundstück gibt“, sagt der Projektentwickler. Letztlich bleibe nur Wohnungsbau, um die hässliche Ecke „vernünftig zu nutzen“ und aufzuhübschen.

Doch dem haben die Politiker einen Riegel vorgeschoben. Mit Argumenten, die für Laue nicht stechen: „Mit Dreifach-Verglasung und einer gut gedämmten Fassade bleibt viel Lärm draußen, die zulässigen Belastungswerte werden deutlich unterschritten.“ Außerdem würden die Wohn- und Schlafräume zum Park hin ausgerichtet. Auch die Abgase kämen nicht in die Wohnungen, Lüfteranlagen tauschten Frisch- gegen verbrauchte Luft. Außer der Eiche vor den Gebäuden würden keine wesentlichen Bäume gefällt, und für die gut 100 Jahre alte Eiche würde Ersatz geschaffen.

Der Projektentwickler bringt den Radschnellweg ins Spiel

Projektentwickler Laue glaubt, dass die Planungen für ein ganz anderes Projekt am Ochsenzoll-Kreisel die Chancen für seinen Wohnungsbau erhöhen: der geplante Radschnellweg von Bad Bramstedt in die Hamburger City Nord. Genauso wie die städtische Veloroute 4 von der U-Bahnstation Ochsenzoll in die Innenstadt endet die Radschnellwegroute am nördlichen Rand des Ochsenzoll-Kreisels.

Dort müssen die Radler entweder oberirdisch den vielbefahrenen Kreisverkehr passieren oder einen umständlichen Weg mit Fahrstühlen und Treppen und einer Unterführung unter der Ohechaussee wählen. Auf der Südseite könnte die Fahrt durch den kleinen Park am Schmuggelstieg fortgesetzt werden. Doch das verhindert derzeit noch ein Zaun. Für Laue zählt dieser nun zur Verhandlungsmasse: „Natürlich finde ich es sinnvoll, wenn der Schnellweg nicht am Ochsenzoll endet. Wir würden den Zaun wegnehmen und den Radlern die sichere Fahrt durch den Park über unser Grundstück und vorbei am Kreisverkehr ermöglichen – wenn wir die Wohnungen für rund 120 Menschen bauen können.“

Da setzt Laue auch auf die Metropolregion, die die Radschnellwege von Hamburg ins Umland vorantreibt. Doch Marion Köhler, Sprecherin der Metropolregion, äußert sich zurückhaltend: „Zwar steht die Route grundsätzlich schon fest. Das aber heißt nicht, dass sie planungsrechtlich schon gesichert ist oder der Verlauf im Detail klar ist.“ Noch hätten die Fachleute die Strecke nicht abgefahren und unter die Lupe genommen. Daher lasse sich jetzt noch nicht sagen, ob das fragliche Grundstück überhaupt benötigt wird.

In der Politik gibt es nach wie vor keinen Sinneswandel – was Laues Projekt in der geplanten Dimension angeht. Allerdings schließen die Politiker das Wohnen am Ochsenzoll nicht kategorisch aus. „Wir haben ja nicht gesagt, dass dort überhaupt kein Wohnungsbau möglich ist. Uns hat nur die Dimension und dieser massive Klotz gestört“, sagt CDU-Fraktionschef Peter Holle. Wenn da etwas abgespeckt und das Gebäude ansprechender gestaltet werde, könne man wieder darüber reden – eine Auffassung, die SPD-Fraktionschef Nicolai Steinhau-Kühl teilt.

Ein Problem bleiben die Zufahrten. Bewohner könnten nur von Norden zum Gebäude anfahren, eine Ausfahrt sei nur nach Süden möglich und das alles auf dem schmalen Zubringer zur Langenhorner Chaussee, der sich zudem noch verengt. Deswegen will Christian Laue hier Wohnen für Senioren anbieten – die verzichten eher auf’s eigene Auto, zumal der Weg zur U-Bahn und zum Einkaufen vom Ochsenzoll-Kreisel nicht weit sei.