Norderstedt
Amtsgericht

18 Monate Haft für Diebstahl bei einer 89-Jährigen

Der 46-jährige Norderstedter musste sich vor dem Amtsgericht verantworten.

Der 46-jährige Norderstedter musste sich vor dem Amtsgericht verantworten.

Foto: Picasa / Fontanis - stock.adobe.com

Ein Norderstedter hatte in Wien mit einem Komplizen einer alten Dame Geld und Schmuck im Wert von 66.000 Euro gestohlen.

Norderstedt.  Der Anruf für den 46-jährigen Norderstedt kam aus Wien. Am Hörer war ein Ex-Kumpel aus der gemeinsamen Bundeswehrzeit. Dieser bat ihn, schnell nach Wien zu kommen – um gemeinsam ein Ding zu drehen.

Der Norderstedter setzte sich ins Flugzeug und blieb vier Tage an der Donau. Gemeinsam raubten die kriminellen Freunde eine 89 Jahre alte Witwe in Österreichs Hauptstadt aus. Bargeld und Wertsachen nahmen sie mit, bei 66.000 Euro liegt der Schaden.

Doch die Männer flogen auf. Und nun saß der 46-jährige Norderstedter wegen besonders schweren Diebstahls in Wien als Angeklagter vor dem Schöffengericht in Norderstedt.

Sein Komplize vom Überfall aus dem Sommer 2015 ist inzwischen verstorben. Der gebürtige Hamburger arbeitete in Wien als Rettungssanitäter und kam dabei mit einer offenbar gut betuchten Rentnerin in Kontakt.

Die 89-Jährige, die sich für eine Zeugenaussage in Norderstedt zu gebrechlich fühlte, machte vor der Polizei in Wien ihre Aussagen. Danach war die geraubte Beute als „Sicherheit für die letzten Jahre“ gedacht. Sie habe bis heute nichts zurückbekommen. An den eigentlichen Diebstahl fehle ihr leider die Erinnerung. „Ich muss dieses Schreckliche vergessen. Ich kann nicht mehr“, gab sie zu Protokoll. Nach dem gemeinsamen Tatplan hatte der Komplize die gut gläubige Rentnerin in ihrer Wohnung besucht und dabei die Eingangstür nur angelehnt gelassen.

In der Zwischenzeit war der Angeklagte vom Treppenhaus in die Wohnung geschlüpft und wartete ab, bis der Komplize die Rentnerin in ein Café eingeladen hatte. Im Safe der Dame fand der Angeklagte 40 Golddukaten im Wert von 9400 Euro, eine Taschenuhr aus Gold sowie 6000 Euro in bar und einen 3300 Euro teuren Goldbarren.

Zum Tatvorwurf verweigerte der Angeklagte die Aussage. Nach den Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft hat der Norderstedter den Löwenanteil der Beute behalten – exakt 51.200 Euro. Der Mitschnitt eines Telefongespräches mit seinem verstorbenen Komplizen belastete ihn schwer.

In dem Telefonat schilderte der Angeklagte die Tat detailgetreu und äußerte Ideen, wie die Beute anzulegen sei. Kurz nach der Tat unterschrieb der einstige Kiez-Bewohner auch einen Kaufvertrag für ein Luxusauto.

Die Staatsanwaltschaft verlangte für den Mann aus Norderstedt eine Haftstrafe von achtzehn Monaten. Dieser Forderung schloss sich das Schöffengericht an. Es bescheinigte dem mehrfach vorbestraften Angeklagten eine hohe kriminelle Energie. Außerdem muss er die Schadenssumme zurückzahlen.